Familienpolitik im Diskurs zwischen Pisa, Konsum und Kinderrechten


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Wirtschaft bestimmt die sogenannte Bildung

Gerade die deutsche föderale Politik beinhaltet, daß enorme Unterschiede herrschen zwischen den einzelnen Bundesländern und ihren jeweiligen Bestimmungen. Gleichzeitig sorgt das ewiggestrige Pisa-Prozedere für eine unübersehbare Sensibilität auf dem Rücken leidtragender Schüler, die sich daher einer mediengewaltigen Lawine von Horrormeldungen und Lobeshymnen auszusetzen haben.

Manchmal könne ein gewisser Konkurrenzgedanken nicht schaden, mag man vielleicht noch als Argument in den Raum werfen, doch tatsächlich beinhaltet dessen eigentliche Absicht nichts anderes als das spätere Bestehen im Berufsleben, wo sich Arbeitnehmer den Vorgaben einer menschenunwürdigen Wirtschaftspolitik unterordnen müssen. In dieser hat sich Mensch ihr anzupassen und nicht umgekehrt. Solange sich diese eigentliche Ursache nicht entscheidend ändert, verkümmert das Bildungssystem sich letztendlich.

Für viele Kinder eine schnöde Welt ohne Zukunftsaussichten?

Harmonische Familienidylle in TV-Werbespots suggeriert eine problemlose, heile Welt, die so gar nichts mit der Wirklichkeit gemein hat. Während Eltern schon jede Menge Hürden überwinden müssen, Berufs- und Familienleben organisatorisch zu meistern, trifft es die Alleinerziehenden vielfach besonders hart. Dabei kommt ihnen die Arbeitswelt gewaltig ins Gehege. Viele Arbeitgeber stellen sich nämlich keineswegs auf Familien oder gar Alleinerziehende ein, sondern bevorzugen viel eher den junggebliebenen Single ohne Kinderwunschabsichten.

Familien alleingelassen in einer Konsumwelt der Superlative, wo der Stärkere überleben darf, der Schwächere hingegen auf der Strecke bleibt? Obendrein einmal auf der sozialen Rutsche im kaum zu stoppenden Abwärtstrend hinein in ein Hartz-IV-Dasein, in dem ein Entrinnen nahezu aussichtslos, wenn man bedenkt, wie kaltschnäuzig der Niedriglohnsektor den vorgeschalteten Sozialrassismus ausnutzt? Solche dramatischen Schicksale nehmen unweigerlich zu, und in solchen Verhältnissen wachsen Kinder auf, von vornherein dazu verurteilt, einer ähnlichen „Karriere“ entgegenzublicken. Kein Wunder, daß Haß, Wut und daraus resultierende Gewalt zunimmt. Wer erträgt es schon, sich selbst und allein gelassen in einer schnöden, menschenfeindlichen Welt ohne Zukunftsperspektive?

Kinderrechtskonvention seitens der BRD nicht ratifiziert

Selbstverständlich macht es Sinn, sich für Kinderrechte einzusetzen und dies erst recht, weil nach wie vor die Bundesregierung sich weigert, die Kinderrechtskonvention vorbehaltlos zu ratifizieren, Kinderrechte nicht durchs Grundgesetz verankert werden. Doch was nutzen schön ausgedachte Bestimmungen, Verordnungen oder gar Gesetze, wenn in der Alltagspraxis Kinderrechte eben nicht angewandt werden, nur ein Tropfen auf den heißen Stein darstellen.

Dazu bedarf es einer grundlegenden Änderung im menschlichen Zusammenleben, einer wahrhaftigen Nächstenliebe in Verbindung zu einer unabdingbaren Ächtung jedweder Ausbeutung! Und da wir noch sehr weit davon entfernt sind, nicht nur solche Gedanken zuzulassen, sondern darüber hinaus ständig die Eliten „bedienen“, ob nun gezielt gewollt oder ahnungslos, wie letzteres ein Großteil der Menschheit dies praktiziert, werden solche eigentlich selbstverständlichen Forderungen Wunschdenken bleiben.

Keine heile Welt für Kinder, aber eine lebenswertere

Kinder sollten ihre Grenzen suchen und ausleben dürfen, und zwar unbedarft ohne entgegengebrachter Überautorität, die sie bricht und ihnen die Würde nimmt. Es liegt an sogenannten Erwachsenen, Kindern eine Welt zu bieten und zu schaffen, die ihnen all das gewährleistet, was wir selbst aus unterschiedlichen Gründen entbehren mußten. Aber dazu bedarf es einer wesentlich besseren, effektiveren Zusammenarbeit untereinander, einer politischen Weichenstellung, in der Familien ganz real und pragmatisch geholfen wird, ohne finanziellen Nachteilen wie sie gegenwärtig immer sichtbarer stattfinden.

„Gibt es schließlich eine bessere Form mit dem Leben fertig zu werden, als mit Liebe und Humor?“ (Charles Dickens)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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2 Antworten zu Familienpolitik im Diskurs zwischen Pisa, Konsum und Kinderrechten

  1. Randnotiz schreibt:

    Ein paar Dinge sind mir beim Lesen noch nicht so ganz klar geworden:

    Von wem stammt diese Kinderrechtskonvention eigentlich, also, wer hat sie erfunden?
    Was steht da eigentlich drin, in dieser Konvention? Sind da auch so Dinge wie Kinderehe, Beschneidungen etc. angesprochen? Und bis wann ist ein Kind da drin denn ein Kind?
    Welcher Staat hat die Konvention denn bisher schon ratifiziert?
    Wer kontroliert die Einhaltung und Umsetzung in diesen Ländern?
    Gibt es schon Erfolgsmeldungen aus irgendeinem Land, dass es den Kindern nach der Ratifizierung so richtig toll gut geht?
    Gibt es schon Hinweise aus informierten Kreisen, daß irgendein Land dabei erwischt wurde, trotz Ratifizierung dieser Konvention dagegen verstoßen zu haben? Und gab es Konsequenzen jener, die sie erfunden haben?

    Der Link gibt leider nichts dazu her, dort lande ich nur bei einem Verein/NRO, der sich mit dem Grundgesetz auseinandersetzt.

    Auf Antworten würde ich mich freuen, denn ich habe auch vier (zum Glück schon erwachsene) Töchter.

    Gefällt 1 Person

    • hraban57 schreibt:

      Manchmal kann der Blick in Wikipedia doch auf die Schnelle hilfreich sein. Die UN-Kinderrechtskonvention nützt in der Tat nur, wenn die einzelnen Länder, die sie ratifiziert haben (es sind bisher fast alle der 196 Staaten) ohne Vorbehalte und überprüfbar sie umsetzen. Ich denke, die meisten Fragen werden dort beantwortet.

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