Humanismus offenbart seine fragwürdigen Facetten


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Kein Ende weltweiten Elends in Sicht

Ausbrechen aus seiner kleinen heilen Welt des unbedarften Konsumrauschs, hineinspringen in das Übel einer nimmersatten Gier nach Macht und Reichtum, zwei Aktionen, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Dabei spielt sich dieser Vorgang millionenfach ab, während mehrere Milliarden Menschen nicht mal in die Nähe gelangen, sich über solche Probleme Gedanken zu machen, weil tatsächlich der tägliche Überlebenskampf sie daran hindert.

Die Dekadenz einer gesättigten Wohlstandsgesellschaft übertüncht das globale Elend, eine schier endlose Welle von Nachrichten, Werbeslogans und lautem Getöse über die Errungenschaften erfolgreicher Geschäfte, einem Luxusleben in Saus und Braus, will ganz gezielt ablenken, bloß nicht kritisch hinter die Glamour-Fassenden zu blicken.

Wer es dennoch wagt, und es sind letztlich nicht viele, vermag schreckliche Erkenntnisse erringen, Bilder des Grauens brennen sich tief ins Unterbewußtsein, peinigen, erzwingen manchesmal schlaflose Nächte voller Albträume. Nicht jeder fühlt sich in der Lage, souverän, obendrein wohlüberlegt damit umzugehen. Einige rudern gezielt zurück, retten sich wieder in das Leben voller Ablenkung, um möglichst jene Eindrücke und ersten Zweifel zu verdrängen.

Die Betroffenen können sich aber nicht einfach davonstehlen, weil es keine Rückzugsmöglichkeiten gibt. Sie sind gezwungen, einem Dasein voller Entbehrungen sich zu stellen. Die bekannte Formulierung und nüchterne Feststellung, wir dürfen dankbar darüber sein, da in hiesiger noch geborgener Gesellschaft geboren, trifft unbedingt zu. Wer außerhalb solcher Geborgenheit lebt, hat einen denkbar schweren Weg vor sich, in etlichen Fällen ohne gesundheitlichen Schutz, das eigene Leben nonstop gefährdet.

Diese erzwungen erreichte Sonnenseite unseres Lebens, erschafft die Schattenseiten im kläglichen Rest der Welt, wo Menschen ausharren müssen, was da auf sie zukommen mag, denken wir an unzählige Umweltverbrechen, an Slums, an Ghettos der Hoffnungslosigkeit, wo das Gesetz des Stärkeren stets tobt, an zunehmend selbstverständliche Kriegsszenarien, an Naturkatastrophen, die immer die arme Bevölkerung am schlimmsten trifft, an Terrorbanden, die willkürlich im Reigen einer Gesetzlosigkeit morden. Selbst in sogenannten Sozialstaaten wird die Kluft zwischen Arm und Reich anschaulich gepflegt, Hauptsache der Wohlhabendere blickt voller Verachtung auf die Verlierer, die Gestrandeten, um seine eigene Existenz damit zu rechtfertigen, hart dafür gearbeitet zu haben.

Verlogenheit und Häme, diese beiden engverwandt geschwisterlichen Eigenschaften aus dem Hause der großen Familie weltumspannender Unterdrückung, darf sich weiterhin völlig ungeniert austoben, parallel verkommt die Menschheit, herrschen Ungerechtigkeit und Verelendung – das Gesetz des Überreichtums schafft sich eigene Wohlfühloasen.

„Das Drama aller Zeiten hat eigentlich nur ein einziges Thema gehabt: die Unfähigkeit der Menschen, miteinander zu leben.“ (Gerhard Bronner)

Und Milliarden unserer Spezies versuchen es auch heute noch. Geben wir dieser Unfähigkeit keinen Raum mehr, um das Drama endlich zu Ende zu führen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Eine Antwort zu Humanismus offenbart seine fragwürdigen Facetten

  1. B. Woltersdorf schreibt:

    Ich stimme der Aussage dieses Artikels durchaus zu, was das Elend, die Ungerechtigkeiten und die bevorstehenden Geschehnisse betrifft, welche deshalb auf uns zukommen werden. Was hat das aber mit dem Humanismus zu tun? Ich glaube daran, dass die Menschen sehr gut miteinander auskommen würden, wenn sie sich ihrer Verantwortung nicht ständig entzögen. Was aus unserem Dasein wird, entscheidet keine nebulöse, höhere Macht. Wer so etwas behauptet, trägt einen großen Teil Mitschuld an den bejammernswerten Mißständen auf unserem Heimatplaneten.

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