Ausleben menschlicher Fähigkeiten begrenzt


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Ohne Toleranz keine Wege der Selbstbestimmung

Die Fähigkeiten des Menschen sind durch fünf Sinne gekennzeichnet, hören, sehen, riechen, schmecken, fühlen. Nach neuesten Erkenntnissen sind vier weitere Sinne ausschlaggebend, Schmerzempfinden, Gleichgewichtssinn, Körperempfindung, Temperatursinn, für die physiologische Wahrnehmung. Die Einschränkungen des Lebens bei Fehlen nur eines der Sinne kann zur gänzlichen dauerhaften Unselbständigkeit führen. Wobei es dank guter Therapien durchaus heute möglich ist, seinen eigenen Weg zu gehen, selbst mit dem Handicap der Blindheit oder Taubheit.

Überdies bestimmen Fähigkeiten, die jedem Menschen individuell innewohnen, das gesamte Lebensgeschick oder den Lebensweg. Eine Umschreibung für Fähigkeit ist zum Beispiel die geistige, körperliche Anlage, die sich in Wissen und Können zeigen kann. Das Vermögen, Neigung, Auffassungsgabe, Eignung, Talent, Qualifikation, Veranlagung sind ebenso Ersatzbegriffe für das fähig Sein.

Fähig, mittelhochdeutsch gevæhic, abgeleitet von vahen, fangen, in der Bedeutung etwas zu empfangen oder aufzunehmen. Fangen wiederum, althochdeutsch fāhan, mittelhochdeutsch vāhen in der Begrifflichkeit von greifen, fassen. In diesem Zusammenhang sei an den Greifreflex des Babys erinnert.

Das Greifen und Fassen, Begreifen und Erfassen sind also Umschreibungen für körperliche und geistige Eigenschaften, Fähigkeiten. Und diese sind, da der Mensch ein Individuum ist, bei jedem unterschiedlich ausgeprägt. Was allerdings kein Nachteil darstellt, sondern im Gegenteil die Möglichkeit bietet zum Austausch der Erfahrungen des individuellen Wesens mit anderen.

Fähig sein beinhaltet, empfangen, aufnehmen. Das Aufnehmen von anderen Fähigkeiten, die vielleicht gar nicht oder nur zum Teil vorhanden sind, gestattet den Menschen, neue Eindrücke zu empfangen, die ansonsten nicht wahrgenommen werden könnten oder deren Erkenntnisfindung einen längeren Prozeß darstellen würde. Es wäre demnach ziemlich kontraproduktiv, wenn das Begreifen, Erfassen anderer nicht angenommen, aufgenommen werden würde.

Aber genau hier liegt die Schwierigkeit, denn die Begründungen zur Erläuterung, warum dies nicht überall geschieht, die Verweigerung etwas Neues, etwas Unbekanntes von anderen anzunehmen, sind mannigfaltig und haben schlußendlich mit der Fähigkeit zu tun, ob jemand tolerant, offen, vorurteilsfrei, freisinnig, ja, sogar human ist.

Je weniger Aufgeschlossenheit, Aufgeklärtheit, je mehr Engstirnigkeit, Befangenheit, desto weniger ist die Bereitschaft, die Fähigkeit vorhanden, auf die Fähigkeiten anderer positiv zu reagieren, sie verständnisvoll zu akzeptieren, sich für sie zu öffnen. Und hier kann man ohne Umschweife auch darauf hinweisen, daß die Fähigkeit, das Empfangene, das wir symbolisch aufgenommen und in „Händen halten“, als Ausstrahlung nach außen wirkt. Um bei dieser Symbolik zu bleiben, die Sicht auf einen Menschen, der einen Korb voll Haß oder einen Korb voll Liebe hält, ist der erste Eindruck seine Ausstrahlung, denn das, was der Mensch am meisten empfangen hat, ist das, was am stärksten zu ersehen ist.

Erst die Fähigkeit zur Unterscheidung, woher der Haß, Liebe kommt, warum ein Mensch damit eingedeckt ist, welchen Nutzen er daraus ziehen kann, will, zeigt das eigentliche Vermögen, andere zu verstehen oder verstehen zu wollen, und es zeigt gleichzeitig die Neigung, wieviel aus dem symbolischen Korb weitergegeben wird, und welche Zwecke sich eventuell dahinter verbergen.

Wer nicht bereit ist, von seinen „Früchten“ abzugeben, um sich beim Beispiel Haß (negative Komponente) zu befreien, um beim Beispiel Liebe (positive Komponente) weiterzugeben, der handelt egoistisch und nicht im Sinne eines Austausches von Fähigkeiten. Diese Menschen haben einen Machtanspruch auf ihre eigenen Fähigkeiten und die Tendenz, andere Menschen und deren Fähigkeiten nicht zu akzeptieren. Genau diese „Anti-Haltung“ gegenüber Mitmenschen wird durch Verantwortungsträger und die, die sie gerne übernehmen möchten, zurzeit massiv vorgelebt, sie scheinen sich darüber nicht im Klaren zu sein, daß damit eine konstruktive Wahrnehmung unterbunden und das Empfangen von negativem Egoismus gefördert wird.

Sollten sie wider besseres Wissen handeln, ist es keine Unterstellung zu behaupten, sie tragen zur Mißachtung von andersdenkenden, andersfühlenden, andershandelnden Menschen bei und verursachen eine Gesellschaft, die sich gegen ein Miteinander stellt.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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3 Antworten zu Ausleben menschlicher Fähigkeiten begrenzt

  1. marisasminds schreibt:

    Hat dies auf Marisa's Mind rebloggt und kommentierte:

    Eine wirklich lesenswerte Kolumne, die ich sehr gerne hier weiterempfehle. 😏 Denn ohne Toleranz kann ein friedliches Miteinander nicht funktionieren.

    Gefällt 2 Personen

  2. gkazakou schreibt:

    Wie immer gern gelesen.
    Vielleicht sollte man auch Empathie zu den Fähigkeiten bzw Sinnen rechnen. Manche Menschen haben sie nicht, genauso wie es Blinde gibt, gibt es Autisten. Es ist dann notwendig, Ersatz zu schaffen durch die Verfeinerung der anderen Sinne – aber leicht ist das nicht, es bedarf großer Hilfe und Unterstützung durch die, die die fehlende oder gestörte Eigenschaft besitzen. Wer mit Menschen zu tun hat, die unfähig sind, die Bedürfnisse anderer wahrzunehmen – wie es bei autistischen Störungen der Fall ist – weiß, dass es viel mehr Toleranz und Selbsthingabe braucht, als zB Blinden zu helfen.
    LG Gerda

    Gefällt 4 Personen

    • quittenbluete schreibt:

      Hallo Gerda, die Sinne, die hier aufgeführt werden, beziehen sich auf persönlich zu erfahrende Wahrnehmungen. Du hast vollkommen Recht, wenn du die Empathie als Sinn in der Liste aufnehmen würdest. Denn das Gefühl für den Nächsten ist ausschlaggebend für die „soziale Komponente“, somit eine wichtige Wahrnehmung für den zwischenmenschlichen Kontakt. Und ja, es braucht viel Kraft, Kompetenz, Toleranz, um mit autistischen Menschen in sozialem Einklang zu leben. Hatte vor kurzem einen Film, glaube bei SpiegelTV, gesehen, der diese Thematik ansprach, innerhalb der Familie und in einer Schule, die speziell für die verschiedenen autistischen „Krankheitsbilder“ ausgerichtet ist. Liebe Grüße Doris

      Gefällt 3 Personen

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