Blumen und Pralinen – angeschmiert oder abgewickelt


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Schwertfeger. Schwertfisch! Mit einem Wisch ist alles weg! Auf Grund der Umstrukturierung in den Geschäftsgebieten haben wir uns entschlossen, unter Berücksichtigung aller erforderlichen gewinnrelevanten Komponenten, die bisherigen Abteilungen des Versandhandels auszulagern. Das Team unter Leitung von Herrn Schwertfeger, Halsabschneider, hat dafür sechs Wochen lang in der Firma geschnüffelt und sich eingeschleimt, den Arbeitsaufwand zu minimieren, die Leute auszuhorchen, psychologische Gutachten erstellt, Verhaltensauffälligkeiten, Teamfähigkeit, Privatleben ausgekundschaftet, Hobbies, Verein, Familie geschieden, Kinder, Wohnverhältnisse, von wegen betriebsinterne Abläufe, menschliche Schicksale habt ihr ausspioniert.

Ja, nun nimm mir die Vorfahrt! Suchst wohl einen, der dir reinfährt? Versicherungsbetrug! Hast es wohl nötig. Und weg, überhol du nur, da vorne ist eine Kuppe, du Hanswurst! Mir ist die Lust vergangen, hoffentlich hat Rosi schon das Essen fertig, hab einen Mordshunger, das Buffet und der Sekt konnten mir gestohlen bleiben. Wußte doch worauf das hinausläuft! Recht gehabt! Boah, schau mal, Thomas, was die da alles aufgetragen haben! Lecker! Dafür haben sie das Urlaubs-und Weihnachtsgeld die letzten beiden Jahre nicht gezahlt. Thomas, du bist ein Miesepeter, es läuft doch überall schlecht und bis jetzt… Bis jetzt hat man mit einem Teil der eingesparten Gelder in das Team Schwertfeger investiert, und in Rumänien den neuen Zweitbetrieb auf die Beine gestellt, mit EU-Geldern.

Wir haben uns angesichts der Weltwirtschaftslage entschlossen, zur Erhaltung der Arbeitsplätze, neue Arbeitsverträge angepaßt, schwierige Investitionsaufgabe, geschafft. Geschafft, wenn ich das schon hör, geschafft, schaffen lassen, die Mitgliedskarten für den Golfclub umsonst auf Jahre, da der Herr Chef unter die Finanziers gegangen ist, um in sportlicher Verausgabung aus den Menschen noch mehr herauszuholen, noch mehr auszubeuten. Sitzt nachmittagelang mit Geschäftspartnern in der Besprechung im dafür eingerichteten Konferenzraum „Donau“, oder „Rhein“ oder „Elbe“, sportlich, sportlich seid ihr Mannen, fair nur zu euren eigenen Belangen.

Hey, das war ja fast ein Reim. Sportlich, sportlich seid ihr Mannen, fair nur zu euren eigenen Belangen. Sportlich, sportlich seid ihr Mannen, fair nur zu euren eigenen Belangen. Sportlich, haha. Deine vier Autoreifen kosten mehr, als du für eine deiner Packerinnen monatlich ausgibst. Unter Sozialsatz, nur Teilzeit, dafür stehen die 20 Frauen abwechselnd in der Halle, keinen Beitrag zahlst du bei ihnen in die Sozialkasse, okay, das mini Minimum, aber hey, das mini Minium stützt nicht die gesamte Solidargemeinschaft. Dein Segelboot steht seit zwei Jahren nicht mehr in Eckernförde, sondern in einem Hafen auf Mallorca. Du Orca. Mallorca, Orca.

Bin ich ein Dichter heut, wenigstens das mein Herz erfreut! Vielleicht sollte ich Rosi mal wieder ein paar Blumen schenken? Wie lang ist das schon her? Oder Pralinen? Blumen und Pralinen zusammen. Hab ich das schon mal? Sag mal, hast du im Lotto gewonnen? Dir geht´s wohl zu gut? Ach, Rosi. Mensch, hast du keine Blinker, fährt links ab, ohne zu bremsen, gerade noch die Kurve gekriegt. Ich übergebe das Mikrophon Herrn Berndorf, stellvertretender Geschäftsführer, meine Damen und Herren, sehr geehrter Golfpartner, gerade hier in der ländlichen Region können wir mit Stolz auf die Geschichte der Firma Raubbau…, seit der Alte gestorben ist und er die Schwester eiskalt aus der Firma vertrieben hat, die hatte noch sowas von Firmenehre von ihrem Vater übernommen, hat hin und wieder Schwätzchen geführt und manchen mit kleinen Krediten aus der Patsche geholfen.

Deshalb beglückwünschen wir die Weitsicht in dieser wirtschaftlichen prekären Lage den Mut und die unternehmerische Fähigkeit, das Werk des Vaters fortzusetzen und zu erweitern. Und ein Drittel der Belegschaft vor die Türe zu setzen, Vorruhestand, die, die gewerkschaftlich aktiv sind, die, die anfangen zu denken und die, die nicht gewillt sind, mit weniger Lohn mehr zu arbeiten. Servus, Tschau. Noch ein halbes Jahr, dann bin ich raus. Glückwunsch, Thomas, Rosi wird es freuen! Wo krieg ich jetzt die Blumen und Pralinen her, soll ich die einpacken lassen?

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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