Aus Zwei mach eins


https://pixabay.com/de/gabelung-der-stra%C3%9Fe-split-stra%C3%9Fe-839830/

pixabay.com

Nur Zweifel mindern Ängste und stärken das Selbstbewußtsein

Unzweifelhaft steckt in dem Wort Zweifel die Zahl zwei. Zweifelhaft ist allerdings, ob die Aussage, bezogen auf zwei, wirklich dem Zweifel nahekommt. Oftmals nämlich stecken im Zweifel mehr als zwei Komponenten, die es unmöglich machen, eine Entscheidung zu treffen. Unabhängig, ob die Zweifel durch die Vernunft oder das Gefühl, also durch Gedanken oder das Bauchgefühl zustande kommen.

Manchmal entscheidet eine Sekunde über Leben und Tod. Die Sekunde, die zweite Teilung der Stunde. Sekunde, spätlateinisch pars minuta secunda, zweiter verminderter Teil. Minute, mittellateinisch pars minuta prima, der erste verminderte Teil. Abgeleitet von minuere, vermindern.

Stellen Sie sich vor, Sie teilen einen Apfel oder wenn Sie eine Orange, Birne oder ein anderes Obst bevorzugen, womöglich lieber Kohl essen, dann lesen Sie im folgenden Text einfach Kohl anstatt Apfel. Nach dem ersten Schnitt durch die Frucht haben Sie zwei Hälften. Würden Sie diese nebeneinander legen, so wäre jetzt Ihre Frage: Welche der beiden Hälften trenne ich, um die zweite Teilung auszuführen? Egal für welches der Teile Sie sich entscheiden, Sie hätten ein großes Teil, Hälftel und zwei kleinere Teile, Viertel, vorausgesetzt, Sie haben bei der Teilung so in etwa auf die gleiche Abmessung der Teile geachtet. Sie hätten demzufolge das Obst in drei Teilstücke getrennt.

Würden Sie allerdings nach dem ersten Schnitt, das Obst nicht schon trennen, sondern den zweiten Schnitt quer dazu ausführen und dann erst die Teilung nebeneinanderlegen, so hätten Sie vier Teile, die annährend gleich groß wären, je nachdem wie geschickt Sie jeweils auf eine mittige Teilung geachtet hätten.

Natürlich könnten Sie den ersten sowie den zweiten Schnitt an jeder beliebigen Stelle ausführen, Sie hätten trotzdem drei Teilungen von verschiedener Größe.

So ähnlich ist das auch beim Zweifel, denn die Ursprungsform, der Grundgedanke ist die Einheit. Durch eine Teilung erreiche ich zwei Hälften (ob unterschiedlicher Größe und Form ist in diesem Zusammenhang unerheblich), die ersten zwei Komponenten, durch eine zweite Teilung, die Komponenten drei oder vier. Für den Zweifel spielt dies nur eine zweitrangige Rolle, denn ist die Einheit bereits einmal geteilt, liegt die Entscheidung, welche der Hälften Sie zuerst (beim Beispiel Obst) verspeisen, die erste Verunsicherung, nehme ich zuerst die rechte Hälfte oder die linke, aber Vorsicht, schon hier kann eine weitere Entscheidung zum Tragen kommen, nämlich greife ich mit der rechten oder linken Hand das Obststück. Eine weitere Entscheidung mag sein, wenn sich auf der einen Hälfte vielleicht eine braune Stelle zeigt, also diese Hälfte bereits leicht verdorben sein kann.

Die Grundeinheit Apfel ist selbst, bevor Sie eine Teilung vornehmen, dem Zweifel ausgesetzt, denn Sie werten, bewerten allein durch den Anblick, Geruch, Assoziationen, ob es sich wirklich lohnt, diesen Apfel (Einheit) zu essen. Kinder, die noch nicht die Erfahrungen von verschiedenen Möglichkeiten besitzen, werden mehr oder weniger fast alles zu sich nehmen. Hier liegen die Vorlieben noch in den Unterschieden der Süße und der Farbe, dazu gibt es inzwischen Untersuchungen. Auf Grund dieser Untersuchungen kann man davon ausgehen, daß der Zweifel nicht eine anerzogene Vorsichtsmaßnahme ist, sondern ein Schutzfaktor für das Überleben.

Erinnern wir uns, eine Sekunde kann über Leben und Tod entscheiden, ein Wimpernschlag genügt, um den falschen Tritt gesetzt zu haben. Der Zweifel, mittelhochdeutsch zwīvel, abgeleitet von zwei und falten, ist eine angeborene Hilfe zur Unterscheidung von Dingen. Und zwar von Dingen jeder Art, ob materieller Natur oder geistiger, seelischer. Ohne Zweifel, ohne das Falten zu einer anderen Form, Gestalt wären wir blind, jedem Unbill ausgesetzt.

Der Zweifel ist also „ein Geschenk der Schöpfung“ zu Verminderung von Gefahren, Ängsten. (Sekunde, pars minuta secunda, abgeleitet von vermindern.) Nur wer die Auswahl zwischen mehreren Möglichkeiten hat, kann ohne Zweifel Entscheidungen treffen. Allerdings nur, wenn die Zweifel nicht als negative (Masse gleich negativ) Ansammlung von Erkenntnissen, im Ausschlußverfahren, sondern als positive (Masse gleich positiv) Urteilsfindung zur Minderung der Entscheidung empfunden wird.

Eine wichtige Rolle hierfür spielt, Zweifel nicht als Angst (Masse gleich Enge) einflößende Unsicherheit wahrzunehmen, sondern als Sicherheit (Masse als Vielfalt) auf der Grundlage von Freiheit.

Wer Ängste schürt mittels Zweifel, oder die Zweifel nutzt, um Menschen zu verunsichern, der kann nie Gutes im Sinn haben. Nur die Vermittlung von Vertrauen, Mut, Gelassenheit als Freiheit zur Entscheidungsfindung führt zu Selbstbewußtsein und mindert die Zweifel.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kolumne abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s