Ausgiebiges Fläzen findet stets Anhänger


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Die Sahne abschöpfen, ohne als faul zu gelten

Nach getaner Arbeit, im lang ersehnten Urlaub und natürlich besonders gern zu den Feiertagen, wenn alle Vorbereitungen nach einem Fest erledigt sind, nimmt man die Gelegenheit wahr, denn schließlich darf man sich das dann gönnen, man fläzt auf dem gemütlichen Sofa oder sogar auf einer ganzen Sofalandschaft, am Strand im Liegestuhl, auf dem Sand selber oder wo auch immer sich ein kuscheliges Plätzchen bietet, auf das man seinen Körper ablegen kann. Ja, richtig gelesen, den Körper ablegen, klingt ein bißchen irritierend, doch genau dies beschreibt die Handlung, um richtig fläzen zu können.

Fläzen, lümmeln, flegeln bedeutet sich in nachlässiger, manchmal auch in unmanierlicher Weise hinzulegen, setzen oder stellen. Eine Position, die in etwa vergleichbar ist mit einem lässig hingeworfenen Kleidungsstück, bei dem Sie nicht darauf achten, ob es knittert oder faltig wird und ganz wichtig, diese Haltung würden Sie bei offiziellen Anlässen, im Berufsleben nicht einnehmen, außer Sie neigen zur Provokation oder diese Lässigkeit gehört zu Ihrem Beruf und nicht zu vergessen, sie kann auch dazu dienen, aufzufallen.

Fast in jedem Zeitalter, mal mehr mal weniger, sind es diese Lässigen, Fläzer, die ganze Heerscharen von Anhänger finden können, weil sie sich öffentlich getrauen zu lümmeln. Wobei männliche Fläzer sicher in der Geschichte öfters erwähnt wurden und werden, als weibliche, denn ihnen wurde meistens eine anrüchige sexuelle Absicht unterstellt, die bei den Lümmelnden eher als Freiheitsdrang oder geistiger Müßiggang deklariert wurde. Aber diese Zeiten sind vorbei, wenn auch nicht ganz, doch zumindest nicht mehr ganz so augenscheinlich.

Die Wortherkunft von fläzen, also das sich Hinlümmeln, ist nicht eindeutig ersichtlich, dennoch gibt es im Niederdeutschen den Fläz. Der Fläz, der Flegel, Grobian, Rowdy von ursprünglich vlöte, breiter Löffel zum Abschöpfen von Sahne. Unterstellen wir dem Fläzer, dem Lümmel, daß er durch sein Verhalten sozusagen die Sahne oder das beste Stück vom Kuchen nimmt, so können wir den Vergleich der Bedeutung nicht leugnen.

Die Fläzer, Lümmel, der Schlingel, Frechdachs zählen allesamt zu dem Personenkreis, die es sich in ihrem Leben gut gehen lassen, entweder weil sie charakterlich damit ausgestattet sind, den nötigen finanziellen Rückhalt haben, um sich „nicht arbeitend“ den Lebensunterhalt zu verdienen. Natürlich gibt es noch zig andere Unterschiede zum normalen, zu erwartenden Verhalten in einer Gesellschaft. Allen anhaftend ist ein eher „verzeihender“ Makel, jedenfalls in Bezug auf die männlichen Rotznasen, Racker, Strolche.

Wie bereits erwähnt, dürfen auch Frauen, Mädchen sich inzwischen fläzen, sich ausgiebig dem Nichtstun anheim fallen lassen. Ob sie allerdings nebenbei fernsehen, telephonieren, die Gegend beobachten oder was auch immer, ist sicher situationsbedingt. Fakt ist, sie dürfen sich die Sahne abschöpfen und werden nicht mehr allzuoft der Faulheit beschuldigt.

Wörter, die das weibliche Fläzen beschreiben, gibt es wenige und wenn dann oftmals mit der bereits erwähnten Anrüchigkeit einer negativen Anzüglichkeit der Laszivität (Erotik, Sinnlichkeit). Laszivität vom lateinischen Wort lascivitas, Mutwille, Ausschweifung ist vielleicht nicht gerade prädestiniert, aber dennoch bescheinigt der Mutwille, der freie Entschluß (mittelhochdeutsch muotwille), die selbständige freie Entscheidung und die sollte jedem Menschen zuteil sein. Kurzum, wenn Mädchen nicht Lümmel, Fläzer sein können, dann sind sie halt Übermütige und Mutwillige, die Heerscharen von Anhängern beeinflußen.

Doris Mock-Kamm

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Eine Antwort zu Ausgiebiges Fläzen findet stets Anhänger

  1. Arno von Rosen schreibt:

    Sehr witzig geschrieben – vielen Dank!

    Gefällt 2 Personen

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