Mir schwant etwas


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Oder gehen manche tatsächlich einfach nur mit etwas schwanger?

„Mir schwant etwas!“ Diesen Ausdruck benützen die Menschen, um zu erklären, daß sie etwas ahnen, aber sich oftmals nicht genau dazu äußern können, was ihnen nun schwant, denn schwanen ist ein Begriff, der erklärt, nichts Bestimmtes zu wissen, nicht sicher zu sein in seinen Gefühlen und doch von etwas überzeugt zu sein, was geschehen wird oder könnte.

Schwanen, (Duden) mittelniederdeutsch, wohl Scherzübersetzung von lateinisch olet mihi, ich rieche, bei der lateinisch olere, riechen mit lateinisch olor, Schwan verknüpft wird. Könnte ohne weiteres möglich sein, aber ob das wirklich scherzhaft gemeint war von Seiten der Vorfahren, wer weiß?

Ahnen, befürchten, fühlen, erwarten, mutmaßen, spüren, schätzen, riechen, wittern, argwöhnen, glauben fürchten sind einige Ersatzwörter für schwanen, oftmals allerdings in Verbindung zu einem befürchteten negativen Ergebnis des Gefühlten.

Schwan, mittelhochdeutsch swan, ursprünglich wohl die Bezeichnung für den Singschwan erklärt uns der Duden. Schwäne galten im Mittelalter auch als Delikatesse und es gab, vielleicht auch gibt, etliche Rezepte für die Zubereitung dieses Festessens. (Für das Weihnachtsbankett 1251, das Heinrich III. ausgerichtet hat, sollen 125 Schwäne als Festessen zubereitet worden sein.)

Der Schwan spielte bereits in alten Mythologien eine große Rolle, so bei Leda, die von Zeus in Gestalt eines Schwanes geschwängert wurde. Der Begriff Schwanengesang bezieht sich auf das letzte „Werk“ eines Musikers, Dichters oder die letzte Rede eines einflußreichen Menschen. Abgeleitet wurde dieses Wort durch die Annahme, daß Schwäne bevor sie sterben, noch einen letzten traurigen Gesang anstimmen. (Kyknos trauerte um seinen besten Freund Phaëton, als die Götter ihn aus Mitleid in einen Schwan verwandelten und er, bevor er selbst starb, einen Gesang anstimmte, der von trauriger Schönheit nicht übertroffen werden konnte.) Der Schwan als Symbolik für Reife und Vollendung findet sich auch bei Lohengrin (Richard Wagner), dessen Boot von einem Schwan gezogen wird. Ebenso in der Edda befinden sich zwei Schwäne, die auf dem Urdbrunnen leben.

In Europa (Mittelalter) war die Schwanenhaltung Hoheitsrecht. Die Stadt Hamburg stellte 1664 die Belästigung der Schwäne unter Strafe, außerdem ist belegt, daß die Stadt seit 1591 Futterzahlungen für die Schwäne leistete. Sogar bis heute werden die Schwäne von einem Schwanenaufseher „betreut“, und seit 1957 wird im Winter für Schwäne der Eppendorfer Mühlenteich eisfrei gehalten.

Wer die Kolumnen kennt, dem schwant sicherlich, daß dieser Text nicht einfach nur geschrieben wird, um über Schwäne informiert zu werden, oder?

“Ich gehe mit etwas schwanger!“ (umgangssprachlich scherzhaft) Dieser Ausdruck verdeutlicht in etwa, mich beschäftigt etwas schon länger, ich plane etwas, habe etwas vor.

Schwanger, mittelhochdeutsch swanger, soll schwerfällig bedeuten und die Herkunft ungeklärt sein. Wird auch als in andern Umständen, guter Hoffnung beschrieben.

Mit schwant etwas, ich gehe mit etwas schwanger sind gleichartige Ausdrücke, die sich hauptsächlich darin unterscheiden, daß schwanen eher etwas nicht so gutes dabei zu empfinden bedeutet und schwanger sein eher unbestimmte Gefühlsassoziationen veranschaulicht. Die Symbolik des Schwans für Reife und Vollendung in Verbindung mit Trauer und der Schönheit eines Schlußwortes, Gesangs sind oftmals vergleichbar mit den Gefühlen oder Gefühlsschwankungen, die bei Schwangereren auftreten können. Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt.

Die anscheinend falsche Übersetzung oder scherzhafte Verwechslung zwischen dem lateinischen olere, riechen und olor, Schwan, wie oben beschrieben, erschließt sich unter den Gesichtspunkten der Symbolik des Schwans und der Schwangerschaft doch eher als eine beabsichtigte Wortherleitung.

Wer und warum auch immer „schwanger sein“ nur mit schwerfällig erklärt, hat keine Begrifflichkeit über den Zustand einer Schwangerschaft und reduziert das entstehende Leben auf die während der Schwangerschaft stattfindende äußerliche Veränderung und ignoriert die seelischen Komponenten, die mit einer Schwangerschaft einhergehen.

Mir schwant etwas, ich gehe schwanger mit der traurig schönen Melodie der Vollendung, der Reife, die ein neues Leben gebiert oder eine neue Erkenntnis, Lebenssituation schafft.

Erinnern wir uns der Photos, Bilder von Schwaneneltern, die ihre Köpfe aneinander strecken und die Form eines Herzens bilden, dann löst es bei vielen Menschen den Wunsch nach Harmonie, Liebe und Treue aus. Haben wir diese Symbolik verinnerlicht, dann kann kein schwanen und schwanger sein uns davon abhalten, das Positive selbst im Schmerz zu sehen.

Doris Mock-Kamm

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