Vermeintliche Anonymität im Internet einfach nur feige


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Fehdehandschuh aufnehmen, um eine verängstigte Gesellschaft zuzulassen?

Jeder wird wohl aus der Schulzeit den einen oder anderen Klassenkameraden kennen, der feige von hinten jemanden geschubst und sich nicht zu seiner Handlung bekannt hat. Vielleicht haben Sie auch in der Situation einer Mutprobe versagt und waren zu feige, etwas zu tun. Bei manchen Mutproben werden nur als unangenehm oder unappetitlich angesehene Dinge verlangt wie Schnecken, Regenwürmer oder Käfer essen, andere Mutproben erfordern körperliches Geschick wie das Springen von hohen Mauern, ins tiefe Wasser, aber es gibt auch die Mutproben, bei denen bewußt Menschen geschadet werden sollen, etwa durch Bein stellen oder jemanden etwas wegnehmen, stehlen.

Wer sich Mutproben nicht zugetraut hat, wurde, wird oftmals aus einer Gruppe ausgestoßen, gar nicht aufgenommen oder für sein „Versagen“, seine „Absage“ so etwas nicht zu tun, gehänselt, ja, sogar bedroht. Feige sein, muß nicht unbedingt als negative Bewertung gelten, außer die Handlung geschieht hinterrücks oder die Handlung widerspricht dem sonstigen Verhalten eines Menschen und er wird abgestraft für sein Verhalten, dies ist aber nur im Sinne der „Auftraggeber“ feige.

Feige, ohne Ehrgefühl, unehrenhaft, vor einer Gefahr ängstlich, ohne Mut, hinterhältig, gemein, mittelhochdeutsch veige, althochdeutsch feigi, bedeutete ursprünglich, dem Tode verfallen, verdammt und ist möglicherweise (hier ist sich die Sprachwissenschaft nicht sicher) verwandt mit Fehde.

Die Fehde bezeichnet eine Feindseligkeit zwischen Personen, Sippen, Familien, die oftmals in kämpferischen aber auch mit rechtlichen Schritten zur Durchsetzung der jeweiligen Ansprüche ausarten kann. Althochdeutsch (gi)fēhida, Feindschaft, Streit.

Hader, Clinch, Feindschaft, Konflikt, Händel, Unfriede sind Wortbegriffe, die für Fehde eingesetzt werden können. Augenscheinlich ist die Sprachverwandtschaft zwischen feige und Fehde erklärbar, wenn wir davon ausgehen, daß der Feigling, der zum Tode verdammte, dazu bestimmt war, einen Auftrag auszuführen, dessen Ausgang, egal ob er ihn ausführte oder nicht, sein Leben bedrohte. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, daß manche Überbringer, Boten ihre Nachrichtenübermittlung mit dem Leben bezahlten, dabei war es oftmals unerheblich, ob ein offener Krieg ihn ins „Feindesland“ gehen ließ oder im Vorfeld diplomatischer Bemühungen, um einen Konflikt zu vermeiden.

Durch die vermeintliche Anonymität in der Internetwelt fühlen sich einige Menschen sicher, nicht belangt zu werden, wenn sie entweder mit ihrem Klarnamen, aber auch mit Fake-Namen andere Personen diffamieren, bedrohen, ängstigen, um entweder sich einfach nur Befriedigung zu verschaffen, jemanden Leid zugefügt zu haben, aber auch zunehmend, um durch ihr Gebärden ihre vermeintlichen richtigen Einstellungen zur politischen, wirtschaftlichen, sozialen Lage mit diversen Drohungen durchsetzen zu wollen.

Bei einigen steckt die perfide Absicht dahinter, vorzugaukeln, eine große Anzahl von Menschen denke ebenso, sie seien aber zu feige, sich zu äußern. Zudem bestehe die Fähigkeit, große Menschenmassen zu mobilisieren, die sich zur Wehr setzen würden, um Andersdenkende von ihrer Meinungsäußerung abzuhalten. Dies ist der Beginn einer Fehde, einer Fehde, die dazu auffordert, Unzufriedenheit, Haß und Wut freien Lauf zu lassen. Das Ziel ist eine verängstigte Gesellschaft.

Deshalb ist es vonnöten, den Menschen den Rücken zu stärken, die bedroht, verängstigt werden und nicht zuzulassen, selbst dem Tode verfallen, verdammt, feige zu sein. Denn nur wenn viele Menschen den Fehdehandschuh nicht aufnehmen, existiert eine Chance zur Kommunikation, ohne einen Konflikt heraufzubeschwören.

Doris Mock-Kamm

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Eine Antwort zu Vermeintliche Anonymität im Internet einfach nur feige

  1. Adamas schreibt:

    Unsinn. Wenn jemand Klarnamen und IP der Internetverbindung kennt, kann er in so gut wie jedes System problemlos einbrechen. Daten manipulieren oder klauen, Fakenachrichten in fremdem Namen mit fremder IP verfassen und sonstwas. Nichts ist einfacher, als eure IP zu spoofen, euren Namen zu benutzen und irgendwelchen hanebüchenden Unsinn zu verkünden. Weder die Router noch die meisten PC-Betriebssysteme sind sicher. Ganz abzusehen von eventuellen Hintertüren der Geheimdienste. Deshalb macht es Sinn, die IP zu verschleiern und keine Klarnamen zu verwenden. Der Hauptfeind jedes, keineswegs kriminellen Nutzers, ist der Schnüffelstaat. Und natürlich seine Büttel.

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