Radikalisierung der Gesellschaft gewollt


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flickr.com/ caruso.pinguin/ (CC BY-NC 2.0)

Der neue europäische Rechtsruck keineswegs zufällig

Sie laufen durch die Straßen, schmeißen schwere Pflastersteine in die Schaufenster der Geschäfte, bestimmter Geschäfte, nämlich die von ihren jüdischen Mitbürgern, schlagen sie in aller Öffentlichkeit zusammen, kein Polizist greift ein, Männer in unverkennbaren Uniformen holen sie einfach ab, um sie in Lager zu verfrachten, so geschehen in den 1930iger Jahren dieses Landes, welches sich gerne auf seine Werte beruft.

Den anschließend, sich dramatisch verselbständigenden Holocaust ließen die Bürger Deutschlands zu, das heißt eine große schweigende, ängstliche Masse, von der kein Mut aufkam, die Verbrechen der Nazis zu stoppen. Das Ausland wußte nur zu genau ob jener brutalen Schandtaten, griff aber ebenso nicht ein. Während manche ins Exil flüchteten, um ihr Leben zu retten, einige gar mitwirkten, Landsleute aus den Klauen dieser Verbrecher zu befreien, zog es die Weltgemeinschaft vor, den Zweiten Weltkrieg, der ohne weiteres absehbar war, mit zu dulden. Eine hämische Finanzwelt profitierte vom Leid der Menschen.

Und heute? Hat sich da etwas geändert in dem politischen Bewußtsein, daß eine derartige rassistische Ausgrenzung, eine Nationalstaaterei nie mehr sich problemlos und ungehindert ausbreiten darf? Anfangs schon. Man übte sich in den Versuchen einer Aufarbeitung damaliger Verbrechen, die Schuldfrage schwebte über der deutschen Bevölkerung, diejenigen, die im Ausland mitgewirkt hatten, ein nationalsozialistisches Gedankengut zuzulassen, kamen einfach davon. Eine EU wurde in den Folgejahrzehnten erschaffen, die Nationalstaaterei gerade in Europa mildern sollte, der längste Friedensprozeß gab ihr Recht, außer dem Jugoslawienkrieg.

Bereits zu Beginn der 1990iger Jahre, nach dem Fall der Mauer und des Eisernen Vorhangs, versuchten schlummernde rechte Kräfte, Einfluß zu nehmen, was bei den Republikanern zunächst mißlang, eine NPD konnte sich ebenso nicht vergrößern. Statt jene klare Botschaften zu erkennen, zog es die verantwortliche Bundesregierung vor, ihren Kurs des Sozialabbaus nonchalant fortzusetzen, duldete die imperialistische Politik der USA, die weltweit kriegerische Konflikte mit inszenierte, denken wir an Afghanistan, den Irak, Libyen, Syrien und die Ukraine.

Voraussehbare Flüchtlingsströme in Folge dienen nunmehr einer erneuten Haßpropaganda, der künstlich entstandende Terrorismus, das Tor dazu wurde mit 9/11 ganz weit aufgestoßen seitens der Amis, reiht sich als Angstfaktor wunderbar in die Rhetorik jener Neuen Rechten ein. Das Fatale daran: Unterschiedliche politische Lager werden mit instrumentalisiert, die gesamte Gesellschaft dadurch radikalisiert. Überall Gewalt, die sich ausbreitet, ob verbal oder per realer Taten, denken wir an brennende Asylantenheime. Gleichzeitig nutzt die Neue Rechte das altbekannte Muster einer sogenannten „Lügenpresse“, um ihre eigenen Verbrechen ungemeldet ausüben zu können, was nicht kundgetan, findet nicht statt.

Kommt uns das bekannt vor? Im Nachbarland Österreich offenbaren 46% seiner Bürger, daß sie schon wieder einer rechtsradikalen Politik auf den Leim gehen. Und in Deutschland? Wir werden es erleben bei der Bundestagswahl. Man bedenke, ein NSU-Prozeß hat bereits die Marschrichtung gezeigt: vieles im Unklaren, eine Justiz, die auf dem rechten Auge ziemlich blind. Wehe, jene Kräfte dürfen sich erneut tummeln wie schon im letzten Jahrhundert!

Lotar Martin Kamm

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3 Antworten zu Radikalisierung der Gesellschaft gewollt

  1. Nemesis schreibt:

    Faschisten sagen: “ Wir sind Antifaschisten“.
    Der Dieb ruft: „Haltet den Dieb“.

    @Hr.Kamm

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  2. schafs pelz schreibt:

    Der Verfasser verquickt Vorgänge, deren kausaler Zusammenhang nicht nachweisbar ist. Vielmehr sind die Zusammenhänge nur auf der Grundlage einer im Detail abgesprochenen Verschwörung schlüssig. Ausserdem werden externe Einflüsse nicht erwähnt. Und dass der NSU-Prozess nahelegt, Teil einer administrative Verschwörung zu sein, die zur Schlussfolgerung hat, dass es eine organisierte Rechte Szene ohne Verfassungsschutz und vor- wie nachrangiger Behörden vermutlich nicht gäbe, wird verschwiegen. Vermutlich sind Richter in größerem Umfang konservativ bis rechts zu verorten, im NSU -Prozess ist diese Haltung für mich aber nicht erkennbar.

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  3. Bernd Engelking schreibt:

    „künstlich entstandende Terrorismus“
    Gibt es Terrorismus, der nicht erschaffen wurde? Es ist doch im Prinzip alles manipuliert. Radikalisierung auf rechter Seite ist ein gutes Beispiel für etwas, was durch die Mainstream-Medien
    erzeugt und gelenkt wird, im Auftrag der Eliten, zur Manipulation der einfachen Menschen.
    Eine schöne Ausdrucksweise rechtfertigt nicht, ohne Umschweife Pauschalisierungen zu verwenden.

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