Mehrwert alles andere als eine Frage des Preises


https://pixabay.com/de/anordnung-%C3%A4sthetik-%C3%A4sthetisch-1532794/

pixabay.com

Der Werterhalt eines Menschen steht über jedweder Kreativität

Die Anzahl der Versteigerungen, die jährlich stattfinden, um Kunstwerke, ganze Kunstsammlungen, aber auch Gegenstände von Persönlichkeiten die Möglichkeit zu geben, den Besitzer zu wechseln, sind sicher nicht alle auflistbar, bis auf die wenigen, die durch berühmte Versteigerungshäuser stattfinden.

Nun kann man über den Begriff Kunst natürlich stundenlang debattieren, auch warum ein Kleidungsstück einer Schauspielerin teilweise enorme Summen erzielt und sich der Wert den persönlichen Empfindlichkeiten nicht erschließt, so kann man nicht umhin, über die Summen sich zu wundern, die dafür aufgebracht werden, diese „Schätze“ zu ersteigern.

Die „Schätze“, die erachtenswert gehalten werden, um sie für die Nachwelt zu sichern, damit viele Generationen nach uns sich auch daran erfreuen können, finden sich oftmals in Museen wieder. Einige allerdings verschwinden in privaten Safes oder Räumlichkeiten, und die Nachwelt kann sie nur noch auf Photographien bewundern.

Nicht weiter schlimm, denn man kann sowieso nicht alle Plätze dieser Welt aufsuchen, in denen die „Schätze“ lagern, geschweige denn alle in ihrer Wertigkeit bewundern, die ihnen zukommt, außer man ist beruflich dazu in der Lage, die Zeit aufbringen zu können, sich den Werken zu widmen.

Angesichts der Nöte in dieser Welt, die übrigens nicht erst seit gestern erklingen, ist die Frage nach dem Wert und der Verbleib der „Schätze“ in privatem, öffentlichen Besitz, aber auch der Aufwand, der zu ihrem Schutz notwendig ist, mehr als gerechtfertigt.

Ist es gerechtfertigt, sich durch Räume mit Millionen oder Milliarden Werten zu bewegen, wenn an anderen Plätzen Menschen hungern, kein Dach über dem Kopf haben, für diese Menschen keine Gesundheitsvorsorge-/leistung getroffen wird, Bomben ihr Leben bedrohen, Umweltgifte in ihrem Trinkwasser schwimmen?

Ist ein Bild eines Malers, die Gitarre eines Musikers, das Abendkleid einer Schauspielerin, die Halskette einer Adeligen, das Buch eines Autors wirklich mehr wert als das Leben von Menschen? Sind die Emotionen, die beim Betrachten der ausgestellten Werke so viel berauschender, so viel mehr wert als ein Bild glücklicher Menschen, die die Möglichkeit haben, einigermaßen menschenwürdig zu leben? Ist der Stolz über den Besitz von „Schätzen“ mehr wert als der Stolz, Menschen zu helfen? Ist die Anerkennung durch andere mehr wert, wenn die „Schätze“ materieller Art sind und nicht humaner Art? Ist der Aufwand zum Schutz der „Schätze“ mehr wert als der Aufwand zum Schutz von Leben? Ist es wichtiger diese „Schätze“ für die Nachwelt zu erhalten und nicht Menschen?

Stimmt es vielleicht nicht, daß ein Mensch eine wichtigere, wertvollere Verbindung für unsere Nachwelt darstellt?

Kein wirklich schöpferischer Mensch wird für einen materiellen „Schatz“ den Maßstab höher ansetzen als für einen Menschen, denn der „Schatz der Schöpfung“ ist human, nicht materiell, mag er auch noch so viele Inspirationen bieten, der Mensch wird diese schöpferische Aussage immer übertreffen. Wo ist also der Mehr-Wert?

Dieser Text soll keine Aufforderung sein, sich von der schöpferischen Kunst abzuwenden oder sie nicht mehr wert zu schätzen, vielmehr soll er als Aufforderung gesehen werden, sich bewußt zu werden, daß kein schöpferischer Akt möglich wäre ohne kreative Menschen.

Und sind Sie sich sicher, daß das Kind, das gerade versucht vor den herabfallenden Bomben in Deckung zu gehen, die Frau, die gerade wieder einen Schluck Wasser aus dem verseuchten Fluß trinkt, der Mann, der gerade sich ein provisorisches Nachtlager unter einer Brücke herrichtet, nicht der Mensch sein kann, der das Potential für eine grandiose Erfindung, das Talent für eine schriftstellerische Meisterleistung, die Kreativität zur gestalterischen Zukunft ohne Ressourcenverschwendung hat?

Wenn ja, so vergessen Sie diesen Text, wenn nein, so werden Sie aktiv mit Ihrem Gestaltungsspielraum, der Ihnen zur Verfügung steht. Der Möglichkeiten gibt es viele. Mensch vor Konsum muß nicht bedeuten, sich der Kunst nicht zu erfreuen, aber es muß bedeuten, die Schöpfung ist mehr wert als das Ansehen durch den Erwerb von Kunst, und Ansehen kann nur ersteigert werden durch „Werterhalt“ des Nächsten. Solange Menschen unser Herz ersteigern, die sich mit materiellen „Schätzen“ eindecken, wird sich allerdings an der Not, die die Welt unterhält, nichts ändern.

Doris Mock-Kamm

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kolumne abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s