Die Rechnung ohne den Wirt machen


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Mag schiefgehen oder die Einstellung ändern

Wer hat nicht schon einmal die Rechnung ohne den Wirt gemacht? Dies muß nicht unbedingt schlecht ausgehen, doch schätzungsweise kommt das Sprichwort nur zur Geltung, wenn irgend etwas schief lief, so ein bißchen der Effekt des Nachtretens. Die Redensart bedeutet schließlich, etwas tun, handeln, ohne vorher Absprache mit jemanden gehalten, etwas übersehen, ohne Einverständnis von „wissenden“ Personen agiert zu haben. Also selbst schuld, wenn es schief geht.

Es wird von unwirtlichen Gegenden, Orten, Plätzen gesprochen, aber nicht von wirtlichen, dies Wort wird sehr selten gebraucht, obwohl es für gastlich, lieblich anmutend, offen, gastfreundlich steht. Das Wirtshaus, die Gaststätte, Herberge, Lokal, Schenke, Gasthof, Kneipe wird auch Wirtschaft genannt. Er, sie hat den Betrieb heruntergewirtschaftet. Er, sie hat sich den Erfolg erwirtschaftet.

Wirt, althochdeutsch wirt, Ehemann, Gebieter, Gastfreund, ursprünglich wohl Gunst, Freundlichkeit. Bewirten, mit Speise und Trank versehen. Die Wirtshäuser waren zu fast allen Zeiten die Orte, die nicht nur Reisende mit Speisen versorgten, sondern auch diejenigen, die in der Regel die neuesten Nachrichten, Ereignisse zu hören bekamen, nicht ohne ab und zu dieses Wissen zu ihren Gunsten zu benützen.

Ein verschwiegener Wirt war „Gold wert“, denn oftmals wurden in seinen Räumen Versammlungen abgehalten, die nicht für alle Ohren bestimmt waren. Durch sämtliche Geschichtsepochen gibt es Erzählungen, Romane, Berichte über Herbergen, Wirtshäuser, Spelunken, und nicht selten werden dabei die Charaktere der Wirtshausbesitzer ausführlich beschrieben. Somit erfahren wir, daß in dieser Kneipe Schmuggelware den Besitzer gewechselt hat, im Saloon die Freudenmädchen tanzen und der ein oder andere erschossen wurde, in der Spelunke sich des nachts die Verbrecherbanden, Räuber und Diebe trafen, in dem Hotel nur die oberen Zehntausend ihren Sommerurlaub verbringen, in der Gaststätte die besten Speisen kredenzt werden, in dem Lokal im hinteren Bereich sich Séparées befinden, in der Schenke das Essen günstig ist, und zu allen diesen Informationen bekommen wir auch einen Einblick in die Wesensarten der dort tätigen Personen.

Das Wort Wirtschaft, althochdeutsch wirtscaft, ist entlehnt von wirt und bezeichnet in der ursprünglichen Form die Tätigkeit des Hausherrn und des Wirtes. Das aus dem griechischen stammende Wort Ökonomie leitet sich von oikos (Haus, Haushalt) und nemein (zuweisen, einteilen) ab, es beschreibt die Tätigkeit des Haushaltsführers (in weiblicher Form), das sich aber eher nur die Bewirtschaftung eines Personenverbandes (Haushalt) bezieht.

Da sämtliche politischen Entscheidungen oftmals nur in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft zustande kommen, sollte es da nicht erlaubt sein, die Fragen in den Raum zu stellen: Welcher der Wirte bewirtet noch im Sinne eines Gastfreundes, der Gunst, Freundlichkeit? Und welcher der Wirte führt in seinem Betrieb die Ökonomie einer guten Haushaltsführung, die er auch außerhalb seines Betriebes als Norm akzeptiert? Fühlen Sie sich in einem Lokal wohl, obwohl sie den Wirt, Geschäftsführer nie zu Gesicht bekommen und Sie nicht beurteilen können, wer die Speisen zubereitet? Würden die politischen Entscheidungen anders ausfallen, wenn der Ursprung des Bewirtens, mit Speise und Trank versehen, ein Kriterium wäre, um überhaupt mit einem Wirt zu verhandeln?

Wahrscheinlich betreten Sie das Lokal, Gaststätte nicht ein zweites Mal, wenn Sie unfreundlich behandelt wurden, das Essen nicht geschmeckt hat, oder? Wahrscheinlich betreten Sie das Lokal, Gaststätte nicht ein zweites Mal, wenn Sie beobachtet haben, daß das Personal schikaniert wird, die Räumlichkeiten unsauber und nicht gepflegt sind. Wahrscheinlich betreten Sie das Lokal, Gaststätte nicht ein zweites Mal, wenn Sie durch die Anonymität des Besitzers und des Personals sich nicht wohl fühlen. Wahrscheinlich würden die politischen Entscheidungen anders ausfallen, wenn Sie als Kunde, Gast nicht nur aufmerksamer konsumieren, sondern auch boykottieren würden, wenn die Gepflogenheiten einer Wirtschaft nicht Ihrem Ermessen nach förderlich sind, auch im Sinne der Allgemeinheit.

Und genau hier liegt die Diskrepanz zwischen Kunden, Gast und Wirt, Politik. Es sind nicht überall die Verfehlungen der Politik, Wirtschaft verantwortlich, was so in einem Haushalt, Land passiert, sondern die Kunden, Gäste können anhand ihrer Zufriedenheit dafür Sorge tragen, mit welchen Wirten die Rechnung gemacht wird.

Die Rechnung ohne den Wirt machen, kann schiefgehen, kann aber auch bewirken, daß der Wirt seine Einstellung, Handeln überdenkt. Kein Wirt kann eine Rechnung machen ohne Kunden, Gäste. Sie, die Kunden, Gäste sind der Auslöser für das Erwirtschaften oder Herunterwirtschaften, Sie bestimmen, von wem die Rechnung erstellt wird, denn auch der Wirt, die Politik kann keine Rechnung ohne den Wirt, die Gunst, die Freundlichkeit machen.

Doris Mock-Kamm

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3 Antworten zu Die Rechnung ohne den Wirt machen

  1. gkazakou schreibt:

    gut gesagt! Auch der Wirt sollte seine Rechnung nicht ohne den Gast machen.
    In den traditionellen griechischen Tavernen tritt der Wirt, wenn die Gäste ihr Essen beendet haben, an den Tisch und schreibt per Hand auf, was gebracht und verzehrt wurde. Dann macht er einen schwungvollen Strich und summiert und benennt die Summe. Erlaubt ist das freilich heute nicht mehr, denn ein ausgedruckter Kassenbon muss, bevor das Essen überhaupt auf dem Tisch steht, bereits beim Kunden gelandet sein. Auf dem Bon sind nicht nur die Speisen, sondern auch die fälligen Steuern analytisch aufgeführt. Der Staat und seine Beamten sitzen mit am Tisch und essen und trinken mit, auch wenn niemand sie eingeladen hat (ein Viertel des Wertes als MWS ist es inzwischen).

    Gefällt 2 Personen

    • quittenbluete schreibt:

      Hallo Gerda, bei uns im Dorf gab es zwei Hotels, vier Gaststätten, zwei Kneipen, zwei Cafes, sie lebten vom Fremdenverkehr, aber auch durch die Einheimischen. Überall waren andere Besitzer, Wirte, und alle hatten mehr oder weniger ihr Ein- und Auskommen. Obwohl es ein Rathaus gab für die Gemeindeversammlungen, wurden doch oftmals in den Gasträumen Zusammenkünfte abgehalten, abgesehen von Hochzeiten oder sonstigen Feiermöglichkeiten. Einige der Wirte hatten Einfluß auf das Dorfgeschehen und waren „anerkannt“, oder zumindest traute sich niemand gegen sie etwas negatives zu äußern. Das mit den Steuern ist eine Farce, denn es lähmt die Wirtschaft, wenn sie zu hoch ausfallen. Jedes Geldstück, das nicht ins Staatssäckel fließt, fließt in die Wirtschaft, und je mehr hier abgeklemmt wird, desto weniger für den Staat.
      Liebe Grüße nach Griechenland
      Doris

      Gefällt 2 Personen

      • gkazakou schreibt:

        danke! ich bin ganz dieser Meinung. Die Mehrwertsteuer liegt hier inzwischen bei 24% . Das ist völlig verrückt, denn dazu kommen noch die anderen Steuern (Einkommen, Hausbesitz etc). Durch die Erhöhung der MWS haben sich die Einnahmen des Staates sogar vermindert, denn die Steuervermeidung hat zugenommen.

        Gefällt 1 Person

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