Als das Meer rebellierte


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Rotweißgestreifte Segler umschifften die einsame Insel inmitten eines aufgewühlten Meeres, welches sich durch keine Macht der Welt beruhigen ließ. Tiefdunkle Wolkenpakete verfinsterten alles, was noch vor einigen Minuten sichtbar erhellt, während am Ufer hektisches Treiben aufgeregt hin- und hereilender Menschen den heftigen Sturm erst recht offenbarte. Selbst eine Handvoll Möwen suchte eiligst Schutz unter dem Vordach eines Bootshauses.

Sofort peitschten schier unaufhörlich kräftige Regenmassen durch die dunkle Landschaft aus Wellen und Inselhäuschen, dabei die wenigen Bäume sich angesichts orkanartiger Böen in Richtung Osten verneigten, was keineswegs irgendwelchen islamischen Betgewohnheiten entsprach, sondern der Windrichtung folgend geschah. Ganz weit draußen, kaum mit bloßen Augen zu erkennen, versuchte eine Fischermannschaft verzweifelt ihren schwerbeladenen Kutter vor den Monsterwellen zu retten, mußte allerdings fast hilflos mit ansehen, wie ständig immer mehr Fische über Bord gespült wurden. Diese zurückfanden ins liebliche Naß ihres Lebensraumes, die Fischer selbst nicht wußten, ob sie es schaffen würden, die nahe Insel zu erreichen.

Noch vor einigen Tagen hatten die Bewohner der einsamen Insel eine rauschende Party gefeiert, wobei viele Besucher eingeladen waren vom Festland. Hierbei spielten keinerlei Kosten und Mühen eine Rolle, wollte Mensch doch zeigen, wie vortrefflich er es verstand, seine Umgebung dahingehend zu gestalten,  er es für richtig hielt. Reichhaltige Auswahl an Fischen und anderen Meerestieren beglückte sie alle, für Spiel, Spaß und buntes, lärmiges Treiben ward gesorgt. Wie eh und je verschwanden lästige Abfälle einfach in des Meeres Wogen, was kümmerte sie denn die Belange des Ozeans, Hauptsache die Stimmung hielt unbekümmert an.

Aber nunmehr schien das Meer Verbündete zu haben, die sich einfanden im kollektiven Zusammenspiel hochkonzentrierter Effektivität, galt es doch, dem Menschen einen heftigen Denkzettel zu verpassen. Jene gebündelten Kräfte nahmen viele Opfer in Kauf, umgekehrt Homo sapiens stets ohne jedwedes Gewissen, der Völlerei verbunden, die Seele des Meeres und seiner Bewohner verkannt hatte.

Manche Zeitgenossen erinnerten sich an einen interessanten Roman, der ganz ähnliche Zustände beschrieben, stellten fest, wie unbedarft und leichtsinnig sie alle doch ihre Umgebung mißachteten. Kein Respekt konnte auf diese Weise entstehen, viel eher hatte eine maßlose Gier nach immer mehr Fischfang, die Suche nach profitablen Öl und Gas da draußen im offenen Meer sie veranlaßt, erst recht die Natur und deren anmahnende Signale zu mißachten.

Schließlich überlebten nur wenige den wohl schlimmsten Orkan, den je die Insel heimgesucht hatte. Dennoch gedachten sie der deutlichen Botschaft, vergaßen niemals diese außerordentliche Allianz aus Meeresbewohnern und Naturkräften, die sich gegen des Menschen Ignoranz erhoben hatten. Vielleicht gab es von fortan eine Chance, wirklich daraus gerlernt zu haben.

Lotar Martin Kamm

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