Traumspaziergang. Mit Söhnchen.


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Ich halte es an der Hand, mein Menschenkind und blickte gelegentlich in seine Augen.
Nicht von oben herab, nein, mitten rein, auf Augenhöhe.
Wird sich noch ein wenig verschieben, die Perspektive. Bald muss ich zu ihm aufsehen.
Wäre nicht das erste Mal. Sein großes Brüderlein scheint ihm Messlattenvorbild.

Dreizehnkommanochwas Jahre ist ist der Junge alt.

War ich auch mal.
Siebenundvierzig Jahre früher.

Die Zeit rinnt ihre Zeit. Überraschungen sind da nicht ausgeschlossen. Auch in meinem Traumspaziergang nicht.
Es ist ein Traumspaziergang, also ist alles Mögliche möglich.

Ich zeige dem Jungen Fassaden, die dunnemals mal öde grau waren. Die Menschen jedoch, hinter jenen Fassaden lebend und liebend, waren noch welche. Sie sprachen, sangen, soffen miteinander, vögelten ohne religiöse Konsequenzen beachten zu müssen, auch mal quer Beet.

Ich zeige dem Jungen Fassaden, die heute bunt und grell sind. Die Menschen hinter den Fassaden sind andere. Sie sprechen nicht mehr miteinander. Übereinander ja.

Ich zeige dem Jungen eine Mutter. Eine siebenfache sogar. Sie beabsichtigt, Kinder in irgendwelche Kriege zu schicken. Ihre nicht. Dich ja.

Ich zeige dem Jungen Nachkommen von Flüchtlingen. Sie lassen derzeit Flüchtlinge hierzulande jagen und tragen Namen wie Caffier, Bouffier, De Maizière…

Ich zeige dem Jungen Merkel und Seehofer und frage ihn, ob er sich die als Eltern vorstellen könne.

Ich zeige dem Jungen Obama und May und frage ihn das Gleiche.

Ich zeige dem Jungen einen Obdachlosen und vergesse nicht zu erwähnen, dass ich auch mal einer war.

Ich zeige dem Jungen ein hungerndes Kind.

Ich zeige dem Jungen ein verhungertes Kind.

Ich zeige dem Jungen einen Kindersoldaten.

Ich zeige dem Jungen Buchenwald , Sachsenhausen, Auschwitz.

Ich zeige dem Jungen…

Die Wunschliste ist endlos.

Obwohl ich doch nur ein paar Jahre Vorsprung hab. Und, würde ich Söhnchen einige Fotos zeigen, von Menschen, die ich bewundere, ohne sie je kennen gelernt zu haben, würde mich nicht wundern, wenn er des öfteren mit „Nö“ antwortet. „Ist kein Schulstoff.“

Ich picke hier nur einmal ein paar deutschsprachige raus: Goethe, Schiller, Heine, Kisch, Tucholsky. Auch diese Liste wäre in hohem Grade unvollständig.

Genug „gepickt“. Ich träume weiter.

Peter Petereit

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