Versöhnung – Bedingung zum friedlichen Miteinander


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Konfliktvermeidung nahezu unmöglich

Hatten Sie Streit? Haben Sie sich versöhnt? Alles wieder in Ordnung. Streitthema begraben, Einsicht gewonnen, Alltag wieder in Harmonie. Glücklich strahlende Gesichter!

Versöhnen, ein Prozeß, der überall auf der Welt stattfindet, sogar in der Tierwelt. Natürlich in anderem Umfang, aber im Ergebnis gleich, man versteht sich wieder, hat sich lieb, man kommt sich nicht nur sprachlich näher, sondern auch körperlich. Kinder werden schon sehr früh an diesen Versöhnungsprozeß herangeführt, wenn mal wieder die Fetzen zwischen den Geschwistern flogen, man seinen Freund nie wieder sehen möchte, sich entfreundet hat mit einem Schulfreund, bockig in der Ecke sitzt, weil man das Gewünschte nicht bekam und deshalb lieber nie mehr etwas essen möchte. In all diesen Fällen und sogar in noch vielen anderen bemühen sich Erziehungsberechtigte durch Zuhören, Zusprechen, die Versöhnung, das friedliche Miteinander wieder ins rechte Lot zu rücken.

Nicht nur der Umgang in den Familien spielt bei späteren Streits und den eventuellen Versöhnungen eine Rolle, der Versöhnungsprozeß ist auch eine persönliche Fähigkeit, Charakter, der bei manchen Menschen einfach zum Wesen gehört, andere hingegen tun sich sehr schwer, wieder versöhnt zu werden oder selbst die Initiative zu einem Neubeginn des Zusammenlebens, -haltens.

Versöhnen bedeutet einigen, besänftigen, beschwichtigen, mittelhochdeutsch versüenen, versuonen ist verwandt mit sühnen. Sühnen ist ein Büßen für getanes Unrecht, auch die Schuld auf sich nehmen, althochdeutsch suonan, beschwichtigen, still machen.

Lesen und hören wir aus dem Wort versöhnen, das Wort Sohn beziehungsweise Söhne, so ist dies nicht komplett abwegig. Der Sohn, althochdeutsch sunu, mittelhochdeutsch suon, bedeutet der Geborene.

Nehmen wir in diesem Zusammenhang einfach hin, daß wir alle Geborene sind, so fällt es sicher nicht schwer, in den Wörtern versuonen – versöhnen, suonan – sühnen, beschwichtigen, suon – Geborene denselben Wortstamm zu erkennen. Und gehen wir weiterhin davon aus, daß erstens dieser Text nicht von einer der Sprachwissenschaften unterliegenden Schreiberin verfaßt wird und zweitens das Wort sühnen, nicht in einem christlich, religiösen Sinn zu sehen ist, dann kann folgende Einschätzung des Zustandekommens dieser drei miteinander verwandten Wörter besser zu verstehen sein.

Selbst in den friedlichsten Gemeinschaften wird es zuweilen zu kleineren und größeren Streitigkeiten kommen, wir alle wissen selbst, daß dafür ab und zu nur ein kleiner, den Anlaß herbeiführender Umstand nötig ist. Somit ist vorausgesetzt, daß das Versöhnen ein mehr oder weniger täglicher Bestandteil eines in Gemeinschaft lebenden Wesens ist. (Wesen, hier anstatt Mensch, denn wie bereits erwähnt, sind Versöhnungen auch in der Tierwelt zu beobachten)

Hat nun also ein Konflikt dazu geführt, daß keine Einigung, kein Gespräch mehr möglich, sogar bereits in körperlicher Gewalt ausgebrochen, so werden vernunftbewußte Menschen, bevor es zur vollständigen Eskalation kommt, die Situation dadurch entschärfen, daß man sich erstmal aus dem Weg geht. Entweder erfolgt jetzt das Besänftigen durch Dritte oder durch einen der Streitenden, oder sogar durch beide, das ist dann das Versöhnen, dem sich je nach den einzelnen Charakteren das Sühnen, das Schuld auf sich nehmen erfolgt, also die Einsicht, eventuell überreagiert zu haben, und nun erfolgt quasi die Geburt einer neuen Ebene des Zusammenlebens, aus dem Streit, dem Versöhnen, dem Sühnen ist ein, im besten Fall, neues Verstehen, Erkenntnis, Wissen geboren.

Bleibt noch zu erwähnen, Geburt ist abgeleitet von gebären, erzeugen, tragen, hervorbringen.

Konflikte können nicht gänzlich vermieden werden, aber es besteht für viele Differenzen die Möglichkeit, durch einen Versöhnungsprozeß, durch die Bereitschaft ebenso Fehler bei sich selbst zu erkennen, eine Geburt einzuleiten, bei der wir uns geborgen fühlen, weil sie durch beiderseitigem Einvernehmen geboren, erzeugt wird.

Doris Mock-Kamm

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5 Antworten zu Versöhnung – Bedingung zum friedlichen Miteinander

  1. PachT / Blogger schreibt:

    Meine THESE zu Konflikten und Krisen

    Das ZUSAMMENLEBEN allerorts setzt voraus, dass
    sich das DENKEN, FÜHLEN und HANDELN
    sowohl des EINZELNEN als auch der GEMEINSCHAFT
    in sozialer, ökonomischer, politischer und vielerlei anderer Hinsicht
    im vertretbaren Rahmen der VERHÄLTNISMÄßIGKEIT vollziehen muss.

    ALSO … sind eigenverantwortlich stets das WARUM (?),
    PRO und Kontra
    sowie
    NUTZEN und RISIKEN
    zielgerichtet abzuwägen !

    DOCH … wer setzt den MAßSTAB,
    bestimmt den HANDLUNGSSPIELRAUM und
    beantwortet eindeutig die ERMESSENSFRAGE ? …

    HIER – einzig und allein –
    liegt der URSPRUNG aller
    zwischenmenschlichen KONFLIKTE und globalen KRISEN …

    © PachT 2008

    [ Ausgangspunkt der Überlegung: APOTHEKEN-UMSCHAU vom 15.02.2008 B, S. 3; Gastkolumne von Dr. Marianne Koch mit der Aussage: “ Was wir wirklich brauchen, ist ein anderes Miteinander, eine Kultur der Hilfsbereitschaft in unserer Gesellschaft“]

    Gefällt 1 Person

    • quittenbluete schreibt:

      Sehr geehrter Herr Tettschlag, die Ermessensgrundlage bildet im besten Fall ein gemeinsam geborenes Wissen um die Erkenntnis der Konfliktbewältigung und den Versöhnungsprozeß. Dies kann nie die gleiche Ausgangsbasis sein, sondern ist in jeder Konstellation neu zu erzeugen. Dafür ist eine Grundvorausetzung die Achtung, Respekt, Wertschätzung der einzelnen Personen, das bedingt allerdings eine weitestmögliche Toleranz seiner eigenen Persönlichkeit, seines Gegenübers und der möglichen Veränderung eines Zustandes. Dominanz und Diktatur gedeihen nur dort, wo Egoismus, Narzißmus, engstirnige Vorstellungen mit gleichzeitiger Unterwürfigkeit (aus diversen Gründen) sich paaren und somit keine gemeinsame Liebe entstehen kann, die wiederum eine Voraussetzung der Nächstenliebe darstellt.

      Liebe Grüße
      Doris Mock-Kamm

      Gefällt 1 Person

  2. gkazakou schreibt:

    Gefällt mir sehr, besonders die Deutung als beruhigen, herunterfahren der Emotionen. Solange man in seinen negativen Emotionen gefangen bleibt, kann man sich nicht versöhnen. Diese Emotionen nagen allerdings gewaltig, der Magen, die Leber, die Milz werden in Mitleidenschaft gezogen – und um sich Erleichterung zu verschaffen, ist man dann, vielleicht, eines Tages bereit zuzugeben, dass man „überreagiert“ hat… und so kommt der Versöhnungsprozess in Gang. Ist man erst mal versöhnt, versteht man überhaupt nicht mehr, welcher Teufel einen geritten hat. Beispiel? deutsch-französische, deutsch-polnische Versöhnung. Wie wärs endlich mit einer deutsch-deutschen Versöhnung?

    Gefällt 2 Personen

    • quittenbluete schreibt:

      Liebe Gerda,
      das sehe ich auch so. Erstaunlich war für mich, daß sühnen ein Begriff für beschwichtigen ist und sprachlich nichts mit Abbitte zu tun hat. Dieser Umstand sollte vielleicht bei vielen Menschen ins Bewußtsein gelangen, damit sie nicht mit „Schuldgefühlen“ belastet bleiben, die eventuell erneuten Haß und Wut auf sich oder andere erzeugen.
      Liebe Grüße an das Gebiet der Philosophen und den Göttern, die mittels „Blendungen“ den Menschen erst den Weg der Irrungen aufgezeigt haben.
      Doris

      Gefällt 2 Personen

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