Im Sande verlaufen


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Unsere Lebenszeit nicht so groß wie Sand am Meer

Manche Gespräche, die wir führen, können einfach so im Sande verlaufen, entweder weil kein Interesse mehr besteht, das Thema intensiver zu besprechen, weil die Inhalte uninteressant sind oder weil die gegensätzliche Meinung unüberbrückbar erscheint. Der Sand als Metapher, Synomym ist in unserem täglichen Sprachumgang immer wieder vorzufinden.

Sei es mit den Ausdrücken, Spuren im Sand hinterlassen, auf Sand bauen, Sand im Getriebe, jemanden Sand in die Augen streuen, etwas in Sand setzen, Sand am Meer, Kopf in den Sand stecken.

Obwohl Sand als Zustand in allen Regionen der Welt vorkommt, so ist es im deutschsprachigen Raum nicht mehr nachvollziehbar, wie das Wort zustande kam. Sand, in der Regel bestehend aus Mineralkörnern mit mehr oder weniger Anteilen kleiner Quarzkörner. Unterscheidungen gibt es allerdings zwischen Sand, Kies und Schluff und zwar bezogen auf Körnergröße und auf die Zusammenstellung der mineralischen Körner.

Schluff bezeichnet man Körner im Bereich von 0,002 bis 0,063 Millimeter, Sandkörner im Bereich von 0,063 bis 2 Millimeter, Kies im Körnerbereich von 2 bis 63 Millimeter. Wer jetzt wissen möchte, was Schluff bedeutet, so gibt es über dieses Wort eine Herkunftsangabe, die da lautet, mittelhochdeutsch sluf, das Ausgleiten, staubfeiner, lehmiger Sand, sehr feines Sediment. Schluf ist eine enge Stelle, zum Beispiel in einer Höhle, die nur kriechend passiert werden kann, mittelhochdeutsch sluf, das Durchschlüpfen, verwandt mit schliefen, das so viel bedeutet wie schlüpfen, wischen. Und desweiteren auch sprachlich mit schlupfen, also aus einer Öffnung herausgleiten, aus dem Ei schlupfen oder schlüpfen zu verbinden.

Der Ursprung von Kies ist auch nicht mehr nachvollziehbar, aber durch den in etwa gleichen Begriff Splitt, für abgehauenes Stück, Splitter sehr gut nachzuvollziehen. Splitten bedeutet spalten, aufteilen.

Je feiner also Kies gepalten, aufgeteilt wird, desto mehr Sand, Schluff entsteht. Und desto mehr schlupfen, schlüpfen, rieseln die Körner.

Augenscheinlich wird durch sluf sehr gut erklärt, wie die Beschaffenheit des Sandes sich darstellt. Sand hat also keine feste Beschaffenheit und zählt deshalb zu den nicht bindenden Böden, was bei dem Ausspruch auf Sand gebaut veranschaulicht wird. Der Untergrund ist nicht fest und kann, wird über kurz oder lang ins Rutschen kommen. Auch die Spuren im Sand sind nicht für die Ewigkeit, entweder weil sie durch Wasser oder auch durch Wind weggewischt werden können.

Den Kopf steckt man am besten deshalb in den Sand und nicht in eine andere Bodenform, weil es ansonsten etwas mühselig wäre, zuerst eine Loch in den Boden zu schlagen, damit der Kopf darin Platz findet, schließlich ist dies eine Situation, die schildert, daß jemand vor einer Gefahr die Augen schließt, ein Problem verdrängt wird, man der Realität nicht ins Auge sieht. Sand im Getriebe beschädigt den technischen Ablauf, stellt ein Hindernis dar, Sand in den Augen verhindert klares Sehen und Sie sind schätzungsweise dabei, auf einen Betrug hereinzufallen.

Viele dieser Redensarten stellen eine Warnung dar, ein sich aufs Glatteis begehen, eine vermeidbare Katastrophe nicht frühzeitig zu bemerken. Sand ist auf Grund seiner vielen kleinen Körnchen eine Gefahr, nicht nur in der Wüste, am Strand, auf einem Sandhaufen, sondern auch die vielen kleinen Körnchen, die aufgegriffen werden, wenn ein Thema diskutiert wird, weil man die Ansicht vertritt, je mehr die einzelnen Punkte analysiert, gespalten, zersplittert werden, desto größer sei die Effizienz des Ergebnisses. Aber genau hier liegt oftmals die Ineffizienz, also die Wirkungslosigkeit und das Herumeiern, das schlüpfrige Eingehen auf faule Kompromisse, eben die Tatsache, daß hier gerade etwas im Sande verläuft, abrutscht.

Klare Positionen, Benennungen, Weisungen, Meinungen sorgen im Verlaufe eines Gespräches für feste Anhaltspunkte, und falls es absolut keinen gemeinsamen Aufhänger gibt, ist es allemal besser, das Gespräch zu beenden, in der Hoffnung bei anderer Gelegenheit einen gemeinsamen Konsens zu finden. Sollte er nicht zustande kommen, so ist es besser, mit dem Ergebnis der Uneinigkeit sich konfrontiert zu sehen, als daß die Thematik im Sande verläuft.

Und vergessen wir nicht, die Zeit ist auch ein Stundenglas, durch das der Sand unbarmherzig rieselt. Solange noch Zeit ist, die Sanduhr immer wieder umzudrehen, sollte beachtet werden, unsere Lebenszeit ist nicht so groß, wie es Sand am Meer gibt.

Doris Mock-Kamm

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