Daumen drücken – zwischen Aberglauben und Stärke der Geschlossenheit


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Vom Symbol eines Kobolds bis hin in die römische Arena

Es klappt nicht immer, meistens nicht, trotzdem kommen viele nicht umhin, für jemanden oder für etwas Wünschenswertes den Daumen zu drücken. Schätzungsweise wird das Daumen drücken nur in ganz seltenen Fällen dafür benützt, um jemanden etwas Schlechtes damit zu wünschen oder etwas nicht gelingen würde.

Das Daumen drücken wird oftmals unbewußt angewandt und nicht selten auch von Menschen, die erbitterte Gegner von Aberglauben oder von Glaubenshoffnungen sind. Nun ist der Daumen von den fünf Fingern derjenige, welcher sich am deutlichsten von den anderen unterscheidet, nicht nur, daß er nur zwei Fingergliedknochen besitzt, er ist auch augenscheinlich der stärkste und dickste. Und damit können wir auch schon das Wort „Daumen“ erklären.

Mittelhochdeutsch dūme, althochdeutsch thūmo, der Dicke, der Starke. Eigentlich ganz einfach und offensichtlich. Das westgermanische thuman, starker, kräftiger Finger, bedeutet auch Daumenbreit oder Zoll. Das lateinische Wort tumere, geschwollen, ist verwandt mit Tumor.

Unsere Altvorderen haben sich vielleicht nicht nur wegen der Eigenart des Daumens, seine vielfältige Beweglichkeit zum Unterschied der anderen Finger, sondern auch weil er komplett unabhängig von den anderen Fingern agieren kann. Als Beispiel möge genügen, nicht alle Menschen können einzelne Finger für sich allein strecken oder einknicken.

Pi mal Daumen bezeichnet eine ungefähre Schätzung, der grüne Daumen bedeutet ein Händchen für gutes Gedeihen von Pflanzen. Vielleicht kennen Sie jemanden im Freundes- oder Bekanntenkreis, der gerne Däumchen dreht? Gemeint ist damit ein Ausdruck für Langeweile, der aber bei manchen Menschen auch in realer Handlung ausgeführt wird. Wenn Sie den Daumen drauf halten, wollen sie etwas nicht hergeben oder bewachen dieses Etwas sehr intensiv. Peilen Sie über den Daumen, so sind Sie bemüht, die Entfernung zu einem bestimmten Ziel abzumessen.

Kennen Sie diese Daumenregel: Mit ausgestreckten Arm und der Hand zur Faust gebildet, berechnen Sie mit der Anzahl der Finger, die zwischen Horizont und Sonne abgezählt werden die Zeit bis zum Sonnenuntergang. Sie müssen die Anzahl der Finger mit 8 (steht für Minuten) malnehmen.

Irgendwie selbstverständlich hat der Daumen auch Einzug in die Märchenwelt gefunden, wer kennt nicht die Erzählung des Däumlings oder vielleicht sogar noch das Original nach Grimms Märchen „Daumesdick“?

Eindeutig läßt sich die Bedeutung des Daumen drückens nicht nachvollziehen, wir wissen, daß der Daumen auch eine Rolle als Zeichen für Leben oder Tod darstellte. So soll es in den Arenen Roms die Begnadigung eines Kämpfers durch das Publikum mittels Daumen drücken, also durch das Zeichen einer geschlossenen Faust angezeigt worden sein.

Im deutschen Volks-, Aberglauben hatte der Daumen magische Kräfte und konnte vor Albträumen schützen. Der Daumen galt als Symbol für einen Kobold, und durch das Festhalten des Kobolds (Daumen) verhinderte man, daß ein Vorhaben mißglückte.

Bleibt noch zu erwähnen, daß im Englischen der Daumennagel thumbnail genannt wird. Thumbnail bezeichnet auch ein Vorschaubild (Miniaturbild), dies sind verkleinerte digitale Graphiken.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, daß in diesem Text alle „Anwendungsmöglichkeiten“ und Bedeutungen des Daumens aufgelistet wurden. Das Daumen drücken, das den kleinen Kobold im Zaun hält, um Verwirrung, Schabernack oder Übles anzurichten, kann aber so verkehrt nicht sein, und die geschlossene Faust als Zeichen für Lebenlassen erst recht nicht, oder?

In diesem Sinne wäre es vielleicht nicht völlig sinnlos, öfters die Hand zur Faust zu formen, mag sein, daß die Kraft des Daumens Sie davor schützt, die Fäuste nicht als Waffe einzusetzen, sondern als Stärke, die Ihre mentale Kraft unterstützt.

Doris Mock-Kamm

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Eine Antwort zu Daumen drücken – zwischen Aberglauben und Stärke der Geschlossenheit

  1. gkazakou schreibt:

    Vielen Dank für diesen wieder so interessanten und informativen Ausflug in die deutsche Sprachgeschichte. Ich vergleiche immer gern mit dem Sprachraum, in dem ich jetzt lebe. Und da heißt Daumen einfach „anticheiras“ – der der Hand Gegenüberstehende, Entgegengesetzte. Als Geste ist mir nur die geschlossene Faust mit dem nach oben gestreckten Daumen bekannt: „bravo, gut gemacht“.

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