Ordinäre Sprache allenthalben unterwegs


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Umgangssprache vs. gutem Ton

Spätestens mit der Kindergartenzeit beginnen Kinder, sich in der Sprache auch mal ordinär auszudrücken. Sie sind oftmals, manchmal kann man sich aber nicht wirklich darüber sicher sein, irritiert, werden sie von Erziehungsberechtigten zurechtgewiesen, daß man diesen Ausdruck, das Wort nicht sagen darf und schon gar nicht in bestimmten Situationen. Meistens handelt es sich um sogenannte Schimpfwörter, -ausdrücke.

Wie und durch was unterscheiden sich Wörter, Ausdrücke von „normalen“ Wörtern, die man überall äußern darf, ohne gleich dem erhobenen Zeigefinder ausgesetzt zu sein? Interessanterweise haben im Laufe der Jahrhunderte und Jahrzehnte verpönte Wörter, vulgäre Ausdrücke sich sogar für den allgemeinen Sprachgebrauch „gemausert“. Sprich, die ordinäre Empfindlichkeit hat sich verändert. Die Begründungen hierfür liegen nicht nur in der Begrifflichkeit eines Wortes, das heißt, durch die vulgäre Ausdrucksweise wurde die „Sinnhaftigkeit“ deutlicher erklärt, sondern auch in der Veränderung der „moralischen Norm“ einer Gesellschaft.

Andere Wörter hingegen, die als „normal“ galten, sind im Laufe der Zeit abgewandert in die Sprachkiste der vulgären, ordinären Wortbegriffe. Als Erziehungsberechtige wünschen wir uns selbstverständlich für unsere Kinder, ihr Verhalten und ihr Sprachgebrauch mögen sie zu Menschen formen, die sich in der jeweiligen Gesellschaft, behaupten können, ohne ausgestoßen zu werden. Deshalb werden Bemühungen unternommen, den Kindern gewisse Wörter und Ausdruckweisen zu untersagen, obwohl der Erwachsene selbst in bestimmten Situationen ohne weiteres ein „schlimmes“ Schimpfwort benutzt. Nicht immer einfach für die Kinder, das zu verstehen.

Ordinär, übernommen aus dem Französischen ordinaire, gewöhnlich, ordentlich. Ordinarius, lateinisch, frei übersetzt Professor, Lehrstuhlinhaber, in Bezug zu ordo, Orden. Orden stehen für Ehrenabzeichen, Verdienstabzeichen, Klostergemeinschaften. Somit ist eigentlich nicht ganz verständlich, warum aus gewöhnlich, ordentlich im jetzigen Sprachgebrauch anrüchig, minderwertig, dürftig, unfein, unanständig werden konnte, oder doch?

Gewöhnlich: niveaulos, üblich, alltäglich, normal, unbedeutend, prollig, proletenhaft.
Ordentlich: anständig, seriös, unbescholten, solide, tüchtig, gepflegt, rechtschaffen.

Bei dem Vergleich zwischen den beiden Wörtern kommt man nicht umhin, sich dem Gedanken hinzugeben, daß nicht alles Gold ist, das glänzt. Das hinter der Fassade der Ordentlichkeit, der Anständigkeit, der Seriosität, der Tüchtigkeit auch die Niveaulosigkeit, die Minderwertigkeit, die Unanständigkeit sich verbirgt und umgekehrt natürlich genauso. Nach dem Motto jedes Ding hat zwei Seiten.

Dann wäre das Wort ordinär bestens dafür geeignet, Kindern zu erklären, inwieweit gerade zurzeit die Sprache einem Mißbrauch unterliegt, indem Menschen in verantwortlichen Positionen sich Begrifflichkeiten, Ausdrücken bedienen, die nicht dem „guten Ton“ zu zuzurechnen sind. Und falls wir dies nicht vehement betonen, wird nicht nur die Umgangssprache untereinander sich verändern, sondern das zwischenmenschliche Handeln.

Nicht in jedem Frack steckt ein aufrichtiger Mensch und nicht jeder, der in Lumpen gekleidet, ist unaufrichtig.

Doris Mock-Kamm

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2 Antworten zu Ordinäre Sprache allenthalben unterwegs

  1. Sabine Adameit schreibt:

    Der Sprachgebrauch läßt schon auf die Gesinnung und Lebenseinstellung einer Person schließen.

    Gefällt 3 Personen

    • quittenbluete schreibt:

      Liebe Sabine, da kann ich dir nur zustimmen. Leider gibt es auch Menschen, die sich hinter einer „Sprache“ verstecken können, ähnlich wie gute Lügner. Was mich inzwischen sehr irritiert, ist die Tatsache der „Salonfähigkeit“ einer derben, auf Protest gebürsteten Sprachauswahl. Dies sehe ich im Zusammenhang mit einer „Verrohung“, die dafür geeignet ist, nicht nur Unmut, sondern auch Haß und Wut zu manifestieren, damit ein „Phönix aus der Asche“ wieder für Ordnung sorgen kann. Gerade Menschen in verantworlichen Positionen sollte diese Schlußfolgerung bewußt sein. Ignorieren sie die Wichtigkeit der Sprache oder setzen sie absichlich ein, gehe ich davon aus, daß diese Berechnung ein Teil ihres Konzeptes darstellt.
      Liebe Grüße
      Doris

      Gefällt 2 Personen

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