Überlinger Platanenallee weiterhin gefährdet


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OB Becker nutzt politisches Kalkül zur bevorstehenden Wahl

Im Grunde genommen könnte man die Koffer packen und resigniert abreisen, weil ohnehin längst die geplante Landesgartenschau nicht nur politisch durchgesetzt somit stattfinden wird, sondern bereits erste Konsequenzen vollendete Tatsachen schufen.

Als wir noch im August über die Bemühungen der BÜB (Bürgergemmeinschaft zur Rettung Überlinger Bäume) berichteten, wie nahezu aussichtslos die Sachlage vor Ort sich gestaltet, die verantwortliche Oberbürgermeisterin Sabine Becker all dies ignorierte, nutzte sie nunmehr nach der ersten Wahlschlappe ihr politisches Kalkül mit ihrer Mitteilung, die Platanenallee würde vorerst nicht gefällt werden. Was spielt sich dort in Überlingen ab?

Ein dramatisches Vierteljahr offenbart die Macht der Lobbyisten

Letztlich ein Paradebeispiel kaltherziger Regionalpolitik. Was interessieren schon Bürgerbegehren, Hauptsache man folgt dem Ruf einer prestigeträchtigen Zurschaustellung per Präsentation zur Landesgartenschau.

Hatte noch Mitte Oktober die BÜB die schriftliche Begründung zum Nein des Gemeinderates mit einer einstweiligen Verfügung gegen die Fällung der Platanen beim zuständigen Verwaltungsgericht beantragt, folgte zwar ein Beschluß für eine Bürgerbeteiligung an der „Ausgestaltung des Bürgerparks“, ein geforderter „Runder Tisch“ wurde dennoch brüsk abgelehnt. Es hätte wohl eine offizielle Beantragung seitens der BÜB nicht stattgefunden, so die Begründung zur Ablehnung.

Ein Tag später erfolgte der erste Spatenstich für die geplante Landesgartenschau, vollmundig wischten die geladenen Gäste aus der Landespolitik die Einwände besorgter Bürger weg, schließlich seien ein paar spezifische Probleme am Rande lösbar, wie der Landschaftsarchitekt Hubert Möhrle gegenüber dem Südkurier betonte.

Nach der Fällung der Trauerweiden, dem Abriß der Ufermauer das Aus der Platanen?

Schnell erfolgte die Fällung der alten Trauerweiden, Roland Biniossek vom Linken-Gemeinderat sprach von einem „Schwarzen Freitag“, den der 21. Oktober bedeutete, es folgte in der ersten Novemberwoche der Abriß der alten Ufermauer, ein Antrag seitens Friedrich Hebsacker an die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Überlingen, daß doch die Mauer seit über 60 Jahren ein bewährter Schutz gegen stürmische Bodenseewellen sei, blieb ungehört.

Aber ein taktisch politisches Manöver von der noch amtierenden Oberbürgermeisterin Sabine Becker verdeutlicht mal wieder, in wie weit ihre Glaubwürdigkeit angezweifelt werden kann. Hatte sie in der ersten Wahl nur 17,3% der Stimmen erhalten, die Herausforderer erreichten wesentlich bessere Ergebnisse, erhofft sie sich wohl nunmehr zur Stichwahl am 27., selbst Stimmen von denjenigen zu erhalten, die noch enttäuscht wurden über ihre sture Haltung in Sachen Platanenallee, die vorerst nicht gefällt werden solle. Darüber kann auch nur die BÜB sich verwundert die Augen reiben, wie sie hier bekundete.

Solange der Widerspruch beim Verwaltungsgericht läuft, besteht noch Resthoffnung, daß wenigstens die Platanenallee erhalten bleibt, wer mag, kann hier noch die von Dirk Diestel gestartete Campact-Petition unterzeichnen, es fehlen nur noch wenige Stimmen.

Lotar Martin Kamm

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2 Antworten zu Überlinger Platanenallee weiterhin gefährdet

  1. Rudolf Steinmetz schreibt:

    Das massenhafte Fällen von Bäumen mutierte bei vielen Kommunen zu einer üblen Praxis. In München wurden in 2015 rund 10.000 vorwiegend ältere Bäume gefällt. Begründet werden diese Massenexekutionen mit Pilzbefall, Laubholzbockkäfer oder Sonstiges. Tatsächlich gibt es etwa die „Empfehlungen zur Erstellung einer Dienstanweisung zur Baumüberprüfung unter dem Gesichtspunkt der Verkehrssicherung“ des http://www.galk.de Diese AG empfiehlt in verklausulierter Sprache diese Fällungen um Kosten für Pflege oder Regressansprüche zu vermeiden. Zu Beobachten ist auch, dass dort wo ein gesunder Baum umgesägt wurde, kurze Zeit später ein neuer gepflanzt wird. D.h. wir haben es zu tun mit einem Geflecht an Lobbyismus, Korruption und Verfall von Bewusstsein, Kompetenz und Moral.

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