Dinge sich merken keine leichte Sache


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Erfolgreichere Erinnerung ohne Knoten im Taschentuch?

Merken Sie, wenn Sie fixiert werden, obwohl Sie mit dem Rücken zu dem Beobachter stehen? Haben Sie sich die Lebensmitteleinkäufe gemerkt, die Sie sich aufgeschrieben haben auf dem Zettel, der jetzt immer noch auf dem Küchentisch liegt? Merken Sie den Wetterumschwung, obwohl am Himmelszelt noch keinerlei Anzeichen für eine Wetteränderung zu sehen ist? Merken Sie sich leicht Telefonnummern, Namen, Witze?

Einige Menschen haben absolut keine Mühe, sich Dinge zu merken, andere benützen sogenannte „Eselsbrücken“, um sich dadurch wieder zu erinnern. Der Trick mit dem Knoten im Taschentuch ist übrigens nicht die beste Möglichkeit, scheinbar vergessene Sachen dadurch wieder in Erinnerung zu rufen. Besser sind Anhaltspunkte, die in irgendeiner Form mit dem vergessenen Gegenstand in Verbindung gebracht werden können.

Aber selbst, wenn Sie bestimmte Tricks anwenden, kann es sein, daß Sie dazu neigen, etwas partout nicht merken zu können. Das mag Sie erschrecken, ist aber nicht unbedingt ein Zeichen für Vergeßlichkeit oder Nichtverstehen können, sondern liegt mitunter eher daran, daß Sie für diese Dinge kein Talent haben, das heißt, wenn Sie sich keine Noten merken können, sollten Sie auf keinen Fall Musiker werden wollen. Aber vielleicht bereitet es Ihnen keine Schwierigkeiten, Vokabeln einer fremden Sprache zu vergessen, dann könnten Sie sich überlegen, eventuell als Übersetzer ihre Brötchen zu verdienen.

Merken, althochdeutsch merchen, kenntlich machen. Wohl abgeleitet von Mark, Grenzzeichen, Grenzland. Althochdeutsch marcha, sprachverwandt mit lateinisch margo, Rand. Mark, Bezeichnung für Grenzland, auch erkennbar im Begriff Markgraf. Mark, Bezeichnung für Währungseinheit, mittelhochdeutsch marc, marke, Silber-Goldbarren mit amtlichem Siegel (der jeweiligen Mark, Gebiet).

Bis hierhin alles gut verständlich, da merken mit markieren, erkennen, im Gedächtnis behalten auch mit Zuhilfenahme irgendwelcher Ansatzpunkte wie den Knoten im Taschentuch.

Mark, mittelhochdeutsch marc, althochdeutsch marag, ursprünglich Gehirn, bedeutet ebenso inneres Gewebe, weiche Masse von Knochen, zu Brei verarbeitet Fruchtfleisch. Beziehen wir uns in diesem Fall auch auf den lateinischen Ausdruck marginal, der von margo, Rand abgeleitet ist, so erinnern wir uns, der Knoten im Taschentuch ist schließlich dafür gesetzt worden, daß die Vorfahren sich dessen bewußt waren, nicht alles immer behalten, gemerkt werden kann, denn marginal bedeutet, am Rande liegend, unbedeutend, unwichtig, geringfügig, nicht einem bestimmten Bereich zuzuordnen.

Sie, die Vorfahren, waren sich also bewußt, daß trotz Markierung der Knoten im Taschentuch sich lösen konnte und übrig blieb nur noch eine einzige weiche Masse im Mark, die es unmöglich macht, den Wald vor lauter Bäumen zu sehen, zu erkennen. Wir erkennen das offensichtliche nicht, haben vollkommen den Durchblick verloren, sehen etwas nicht, obwohl es direkt vor uns liegt.

Merken wir uns, daß merken nicht bedeutet, etwas für alle Ewigkeiten abgespeichert zu haben, sondern ohne weiteres durch unser Gehirn als am Rande liegend, bedeutungslos einsortiert werden kann, ohne gleich das Gefühl des Versagens, der Unfähigkeit des Erinnerns auszulösen. So kann durch den Wegfall der Streßfaktoren „Unfähigkeit, Dummheit“ auch der Markierungssteine, der Knoten in den Taschentüchern, die Verzweiflung nicht mehr den Stellenwert besitzen, der am Grenzwall der Markierung (Erinnerung) den Geist, das Gehirn lähmt.

Doris Mock-Kamm

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