Sehnsucht nach Harmonie


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Folgsamkeit erstrebenswert?

Die Zusammenstellung bestimmter Töne eines Musikstückes folgt in der Regel einer harmonischen Gesetzmäßigkeit. Der Unterschied ist in dem Moment erkennbar, wenn Ungeübte, Anfänger sich eines Musikinstrumentes bedienen und die Tasten, Saiten drücken, zupfen, oder gesanglich uns ihre Stimme zu Gehör bringen. Dies sind die Momente, in denen wir gerne die Möglichkeit hätten, die Ohren mit einer Klappe zu verschließen. Diese Disharmonie der Tonabfolge und deren Klang kann im schlimmsten Fall zu Ärgernissen führen, die sogar zu handfesten Streits ausarten mögen. Allerdings können sich vermeintlich disharmonische Tonabfolgen auch zu hörenswerten Musikstücken vereinen, die trotz keiner harmonischen Gesetzmäßigkeit als angenehm empfunden werden, vor allen Dingen bei Jazz oder Free Jazz.

Natürlich kann durch das Auge Disharmonie empfunden werden. Je nach Farbzusammenstellungen auf Bildern, Blumenbeeten, Kleidungsstücken, Wohnungsaccessoires assoziieren wir angenehme oder eben unangenehme Eindrücke. Für die einen sind es generell grelle Farben, für andere die Vermischung von grell und pastellen Farben, oder es sind eine oder zwei Farben, die generell als nicht harmonisch für das eigene Befinden angesehen werden.

Wobei bei harmonisch wirkenden Eindrücken, Empfindungen der Gefühlspegel nach oben steigt und eine Art Glücklichsein auslöst. Ergo ist es selbstverständlich, daß sich die Menschen nach Harmonie sehnen, sogar regelrecht harmoniesüchtig sein können?

Harmonie, Zusammenklang, Ausgeglichenheit, Wohlklang, Einstimmigkeit, Übereinstimmung, Ebenmaß, Gleichmäßigkeit, ein Zeichen für Zufriedenheit und Glück? Klingt nach Schlaraffenland, Friede, Freude, Eierkuchen, ein Zustand ohne Probleme. Harmonie vom griechischen Wort harmonía, bedeutet im ursprünglichen Sinn Fügung.

Fügung, Synonym für Bestimmung, Vorsehung, Schicksal, höhere Gewalt, eine gute Wahl für den Begriff Harmonie? Die Fügung aus dem mittelhochdeutschen vüegunge, Verbindung, ebenso gleichgesetzt mit Verknüpfung von Ereignissen, schicksalhafte Geschehnisse. Das Adjektiv fügsam war vielleicht früher noch eher im Gebrauch, aber auch die Kolumnistin kann sich irren, verdeutlicht in Bezug auf die Beschreibung zum Beispiel eines Kindes, gehorsam, folgsam, brav, gesittet, lammfromm, manierlich, wohl erzogen, zahm und kann ohne weiteres mit harmlos umschrieben werden.

Harmlos bezeichnen wir Menschen, Tiere, Pflanzen, die niemanden Schaden zufügen. Keine versteckten Gefahren lauern, arglos sein, unbedarft, unschuldig, naiv, simpel, anspruchslos sein. Ist Harmonie also harmlos, fügsam, Vorsehung, schicksalhaftes Geschehen? Und wird deshalb von den meisten Menschen bevorzugt? Aber ist ein schicksalhaftes Geschehen, eine Vorsehung nicht gleichzeitig eine Art sein Zepter aus der Hand zu geben, gefügig zu sein, gegenüber allem was da kommt, gleichwohl Schlechtes? Die geistige Vorkehrung sich nicht zur Wehr zu setzen, um sein vorbestimmtes Schicksal abzuwenden, da ansonsten die Harmonie gestört wird und damit erst die Disharmonie zustande kommt?

Würden wir tatsächlich permanent in Harmonie leben, ohne Gefahren, ohne Ängste, ohne Schmerzen, ohne Leid, immer in Fügung einer Vorsehung, wäre das Leben dann wirklich erst lebenswert? Fügsam sich eingliedern, gehorsam, brav einer höheren Gewalt, einem Schicksal gehorchend, ist dies der Weg zum Glück?

Diese Entscheidung liegt in der Hand jedes Einzelnen, Einspruch erheben dürfen andere nur, wenn jemand der Gefahr unterliegt, daß die Fügung unter Zwang, Drohung von Gewalt, angenommen wurde oder wird. Ansonsten gilt der Hör- und Sehgenuß, sind wie die Lebenseinstellung eine individuelle Entscheidung und solange nicht der Versuch unternommen wird, den anderen zu harmonisieren, um ihn in sein Weltbild zu fügen, in dem er naiv, anspruchslos zu sein hat, wird das Schicksal, die Fügung, die Harmonie schon wissen, was sie tut, oder?

Doris Mock-Kamm

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