Widerworte eine passende Antwort


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Wer nicht fragt, bleibt dumm

Jemandem die oder eine Antwort schuldig bleiben, in dieser Situation wird sicher schon jeder gesteckt haben. Entweder, weil er die Antwort auf eine Frage nicht wußte, kein Interesse hatte zu antworten, dafür können mehrere Gründe vorliegen. Ein hervorstechender Grund kein Interesse zu haben, um eine Antwort zu geben, ist wahrscheinlich der Punkt, an dem man im Gespräch mit einem Kind, kann auch mit einem Jugendlichen oder einem „hartgesottenen“ Erwachsenen geschehen, bereits schon eine ganz lange Zeit das Frage-Antwort-Spiel gespielt oder besser ausgedrückt, der Fragende mit keiner Antwort so zufrieden war, daß sofort die nächste nicht unbedingt speziell auf das ursprüngliche Thema fixiert, ausgesprochen wurde. Eine zuweilen schiere Endlosschleife, die meistens von dem Antwortgebenden durchbrochen wird, dieses Unterbrechen kann bis zu Wutausbrüchen führen.

Es war bis vor einiger Zeit nicht unüblich, oder vielleicht besser gesagt, an der Tagesordnung, daß in den Familien das letzte Wort vom Vater oder der Mutter ausging und keine weiteren Fragen gestellt werden konnten, ohne mit Stubenarrest oder sogar Schlägen daran gehindert worden zu sein. Diese Methode wurde auch in den Firmen und Betrieben angewandt und führte oftmals zu sogenanntem Duckmäusertum. Nicht die Furcht vor Strafen oder Schlägen bewog Erwachsene, keine weiteren Fragen zu stellen, sondern es war verinnerlicht, vermeintlich höher Gestellten nicht zu widersprechen oder nachzufragen, man hatte zu parieren.

Der Duckmäuser, spätmittelhochdeutsch tockelmüsen, Heimlichkeiten treiben, Heuchler, Kriecher, Speichellecker, Untertan, ist ein Mensch, der es nicht mehr wagt zu fragen, zu hinterfragen. Natürlich nicht nur, weil seine Fragen nicht ständig beantwortet wurden, sondern auch weil er sich entweder nicht traut, (dies kann ohne weiteres an der Persönlichkeit liegen), aus Berechnung damit mehr zu erreichen, beliebter zu sein, nicht aufzufallen, schließlich dennoch auch wegen der Anerzogenheit nicht weiter Fragen stellen zu dürfen.

Jetzt könnte man daraus schließen, das Antwort etwas mit Endwort, das letzte Wort zu tun hat. Keine Widerrede mehr geduldet wird. Nun, irren ist menschlich. Antwort, mittelhochdeutsch antwürte, althochdeutsch, antwurti bedeutet Gegenrede. Verwirrend, nicht wahr? Denn nicht jede Frage ist prädestiniert, eine Gegenrede zu erhalten, oder? In älteren Schriften wird sogar von Antwort werfen gesprochen, anstatt Antwort geben. Es scheint, einige unserer Vorfahren waren wohl genervt, überhaupt Antworten zu geben und wenn dann eher als Gegenrede oder als Widerspruch. Lag das an einer Wortkargheit, daran daß die Sprache, das Mitteilen noch nicht so einen großen Stellenwert, eine Diskussion im alltäglichen zwischenmenschlichen Umgang nicht vonnöten, nicht gewollt war, nicht erforderlich für die täglichen Belange?

Womöglich ist es ein Gemisch aus vielen Faktoren, gerade angesichts des Wissens, daß Bildung, Sprachvermittlung noch gar nicht so lange wirklich Einzug in die Gesellschaft gefunden haben. Vielleicht hat deshalb die Fähigkeit zur Diskussion oder Kommunikation nicht den Stellenwert bekommen, den sie nötig hätten, um das Frage-Antwort-Spiel für beide beteiligten Seiten zur Zufriedenheit aller zu nutzen.

Warum fragen wir? In der Regel um etwas zu erfahren, daß wir nicht wissen, noch nicht verstanden haben, etwas einer Klärung bedarf, ein Problem gelöst sein will. Wenn der Angefragte allerdings daraufhin mit einer Gegenrede (Antwort) reagiert, werden wir womöglich ihm in Zukunft weniger Fragen stellen, außer diese Gegenrede initiiert ein Folgegespräch, das bedingt aber beiderseitiges Einverständnis zu einem lebhaften Gesprächsaustausch. Ist dies nicht gegeben, wird der Fragesteller sich an andere Personen wenden. Werden Fragen nur lieblos, uninteressiert beantwortet oder nur kurz eine unbefriedigende Antwort gegeben, das heißt der Fragende empfindet eher Ablehnung, jetzt nicht, keine Zeit, so wird er irgendwann sich ebenfalls abwenden.

Keine Frage, es ist nicht immer einfach, Antworten ausschweifend und komplett wissend zu geben, aber jeder Fragende wird die Bemühung erkennen, soll bedeuten, es ist nicht ausschlaggebend die Lösung, Wahrheit zu erfahren, sondern die Bereitschaft zur Antwort ist wichtig. Solange aber die Gesellschaft nicht die Wichtigkeit des Frage-Antwort-Spiels und deren Abläufe, Regeln in den Schulen, Kindergärten mit einbezieht, wird es stets einfacher sein, Duckmäusertum und Gegenredner zu finden, als Menschen, die einfach mal eine Antwort schuldig bleiben, weil sie die Aufrichtigkeit besitzen, eine konkrete Begründung zu geben, ohne mit Strafen zu drohen.

Doris Mock-Kamm

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