Banken: Geldflüsse bestimmen den politischen Weg


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Die Bankenwelt ist jetzt geordnet!

arno-von-rosenZur Abwechslung wollte ich mal mit einem ganz platten Lacher beginnen. Sollten Sie sich jetzt in der komfortablen Situation befinden, sich nie mehr Sorgen um Ihre Existenz machen zu müssen (äh, sollte dieses so sein, rufen Sie mich an!), dann können Sie nach meinem Bittgesuch sofort aufhören zu lesen, oder dieses als Einschlafhilfe benutzen.

Einige von uns erinnern sich noch dunkel an die Bankenkrise von 2008 bis 2010. Ein paar Institute in den USA gingen pleite, hier fing das eine oder andere Bankhaus gefährlich an zu kippen (dagegen steht der schiefe Turm von Pisa kerzengerade), einige renommierte Geldhäuser Deutschlands existieren nicht mehr, die Citybank hatte so viele Kunden beschissen (äh, falsch beraten, sorry), dass sie sich den Namen TARGOBANK neu verliehen hat (ja, und jetzt hat sie schon wieder besch… äh, ausversehen zuviel Geld kassiert, Urteil des BGH vom 25.10.2016), die Politik beruhigte uns mit dem braven Aufsagen unserer Gesetze, führte alternativlose Handlungen durch und beseitige alle Probleme, die zur Bankenkrise durch die weltweite Immobilienblase geführt haben! Ja, das war schon wieder ein Witz, Entschuldigung, aber sonst bekomme ich Bauchgrimmen.

Eigentlich wollte die Politik straffere Kontrollen durchführen, die Geschäfte der Banken endlich besteuern, obwohl diese zu schnell sind, um sie besteuern zu können (muss Usain Bolt eigentlich Steuern bezahlen? Egal …), weil die Transaktionen in Millisekunden ausgeführt werden. Den Lacher hab ich nicht verbrochen, dies war mein Ernst. Die Transaktionssteuer gibt es natürlich immer noch nicht, eine Beschränkung des Bankenwahnsinns ebensowenig, und kein Banker musste auf seine Boni tatsächlich verzichten. Doch darum geht es heute nicht, denn die Banken sind per se amoralisch (geworden). Längst verdienen die Geldinstitute damit ihr Geld, dass ihnen überlassene Geld arbeiten zu lassen, aber nicht in Form von Krediten in die Wirtschaft, sondern als Wette! ??? …

Sie haben sich nicht verlesen. Damit Sie die Dimension des Irrsinns begreifen, hier mal ein paar wenige Zahlen. Der Aktienkurs der DB pro Aktie lag im Jahr 2007 bei 100 Euro und knallte mit der Krise auf unter 20, erholte sich aber bereits in 2009 wieder auf 50 Euro. Der aktuelle Wert liegt aber nur bei etwas über 13 Euro. Warum?

deutsche-bank-456939_640Die Bilanzsummer der DB ist beeindruckend. Zum 31.12.2014 betrug diese 1.609 Milliarden Euro. Zum Vergleich dazu beträgt das Deutsche Inlandprodukt (die Summe alle Waren und Dienstleistungen eines Jahres) 3.029 Milliarden Euro. Damit ist die Bilanzsumme der DB mehr als halb so groß, als die gesammte Wirtschaft der BRD, welche immerhin 29% der gesamten Eurozone trägt. Leider ist der aktuelle Wert der DB bei nur etwa 13 Milliarden Euro, obwohl eigentlich genug (Eigen) Kapital vorhanden ist. Das größte Problem der DB sind die „Derivate“. Vereinfacht ausgedrückt, sind das Wetten der Banken auf Basiswerte, und ob diese steigen oder fallen, zum Beispiel gegen das Britische Pfund oder andere Aktionkurse. Die Summe dieser Derivate der DB beträgt fast 7 mal mehr als das globale Bruttoinlandprodukt aller Staaten. Verzockt sich eine Bank also auf breiter Front, gibt es kein Halten mehr.

Wo ist jetzt das Problem für den normalen Bürger, der nicht mal ein Konto bei der DB hat? Die DB ist für Europa und Deutschland systemrelevant, also schmiert dieses Geldinstitut ab, ist der Pfusch am Bau des BER nur ein Kinderfurz im Orkan dagegen. Die Deutsche Bank würde unweigerlich andere Institute mit sich in den Abgrund reißen (vermutlich auch viele Firmen), weshalb der Steuerzahler für die Rettung herhalten müsste und nicht nur das. Die Rekordstrafen der DB durch Betrug und Täuschung sind weitere Milliardensummen, welche abgeschrieben werden müssen und deshalb nicht nur zu keinen Steuereinnahmen führen, sondern auch notwendiges Kapital für eine stabile Bank auffressen.

Es sieht somit mehr als düster aus um unser Vorzeigegeldhaus. Da hilft natürlich nicht, dass im Sommer die DB durch den Stresstest der USA gefallen ist. Zugegeben, die haben nur ein Interesse an den eigenen Banken, und jedes Institut, das einen schlechten Ruf auf dem Markt hat, ist ein Mitbewerber weniger. Nur gibt es eben keine europäischen Ratingagenturen, und so werden mit Vorliebe alle Staaten und Banken abgewertet, die nicht zu den USA gehören.

burn-money-1463224_640Eine gute Nachricht noch zum Schluss. Egal, wer demnächst im Weißen Haus sitzt, an der Bankenpolitik der USA wird sich nichts verbessern, aber es wird deutlich härter werden. Ach, war doch keine gute Nachricht, ups. Zudem ist die Deutsche Bank leider nur ein Beispiel, und der Brexit hat die Sache nicht einfacher gemacht, denn in London sitzen alleine 8.000 Mitarbeiter der DB (insgesamt 100.000 Mitarbeiter weltweit), die um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen, weil man die Geldgeschäfte von dort wegverlagern muss.

Mit ein Grund, warum niemand in London den Austritt wollte. Wie immer haben wir natürlich keinen Einfluss darauf, weder bei Wahlen, Protesten oder gar einem Bankwechsel. Ganz neu sind ja Safes für den Fußboden unter dem Bett. Es lohnt sich, in diesen Markt zu investieren, denn die Wachstumszahlen sind fast dreistellig pro Jahr, aber von mir haben Sie den schrägen Tipp nicht, klaro?! So schließe ich mit einem Zitat meines Lieblingsbankers und Erzkapitalisten.

„Ihr Geld ist nicht weg, mein Freund. Es hat nur ein anderer.“
J. M. de Rothschild, Bankier (1792–1886)

Es grüßt Sie Ihr schuldenfreier Arno von Rosen, Buchautor, Kolumnist, Blogger und kein Safebesitzer. Bleiben Sie sparsam und investieren Sie Ihr Geld in gutes Essen, denn das lässt Sie überhaupt erst so alt werden, damit Sie sich später über den ganzen Mist noch aufregen können!

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