Humanismus im Diskurs einer feindseligen Gesellschaft


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flickr.com/ Hans Olofsson/ (CC BY-NC-ND 2.0)

Gewalt erzeugt Gegengewalt

„Es kann der Frömmste nicht im Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt.“ Jener Satz aus Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“, den Tell dem Flurschütz Stüssi im Kapitel 15 in der Dritten Szene antwortet, wurde ein wenig verändert, aus „bleiben“ formulierte man „leben“, was durchaus sinngemäß. Ein friedliches Zusammenleben insofern nicht möglich, wenn selbst Neid und Mißgunst in der Nachbarschaft herrscht, gilt im Kleinen genauso wie im Großen. Des Menschen Wohlbefinden abhängig von friedliebender Umgebung, die vielfach gestört, vergiftet, angesichts etlicher Ereignisse.

Woran liegt’s? An sozialen Mißständen, an einer völlig verkehrten Politik, die ihr Volk leiden läßt, in dem eine konstante Anhäufung des Reichtums geduldet und gefördert wird, während gleichzeitig auf vielen Ebenen Ausbeutung betrieben. Stets diejenigen sich durchsetzen, die am lautesten tönen und rücksichtslos den Schwächeren zur Seite drücken, um sich selbstherrlich zu positionieren, ihren Stempel einer menschenverachtenden Einstellung alle spüren lassen, die ihnen nicht gehorsamst folgen wollen. Obendrein mit unverkennbaren Drohungen daherkommen, scham- und rücksichtslos. Kommt uns dies nicht bekannt vor?

Ein Blick in die Geschichte sollte genügen, wer denn genauer hinschaut, was sich mal wieder zusammenbraut. Jetzt mögen die Angesprochenen, die ganze Mischpoke der Rechtspopulisten, sich als harmlose Menschen ins rechte Licht rücken wollen, keine Mühen scheuen, ihr krudes Weltbild zu rechtfertigen. Es nützt ihnen nichts, wenn dennoch enttarnt von wachsamen Geistern, die ihnen den Spiegel vorhalten. Am Ende obsiegt die ganze klägliche Lebenseinstellung, in der ein friedliches Miteinander nicht fruchten kann angesichts jener rassistischen Grundgedanken.

Während Immanuel Kant im Zeitalter der Aufklärung noch Hoffnung hegte, der Mensch möge sich seines Verstandes bedienen, um seine Mündigkeit zu erlangen, scheint bis heute ein Großteil in der Bevölkerung dies weder verstanden noch umgesetzt zu haben. Woran dies wohl liegen mag? An Gutgläubigkeit, an Obrigkeitsdenken, an das Unvermögen, sich in entscheidenden Momenten im Kollektiv zu wehren, wenn es um Mitmenschlichkeit geht? Bei Befehlen, Gewalt und Haß auszuleben, folgt ein schneller, unwidersprochener Gehorsam, so manch verkorkste Seele findet gar Gefallen daran, eigene sadistische Züge anzuwenden. Welch grausame Erkenntnis, daß Mensch dermaßen leichfertig genau das verspielt, was der Schöpfung widerspricht: Du sollst nicht töten.

Zurück zu Schillers Wilhelm Tell. Der kleine Mann, der es wagte, die Obrigkeit zu stoppen, in dem der Reichsvogt Hermann Gessler mittels Pfeil von ihm erschossen. Das Recht zum Widerstand gegen die Form jedweder Tyrannei, das meinte Friedrich Schiller zum Ausdruck zu bringen in der Rolle des Wilhelm Tell. Und genau das sollten die Menschen verinnerlichen, um daraus zu lernen, eben eine solche Entwicklung erst gar nicht wieder zuzulassen, bevor sie sich verselbständigt.

Lotar Martin Kamm

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