Horrorclown-Phänomen exemplarisch für Gewaltbereitschaft


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flickr.com/ Funky64 (www.lucarossato.com)/ (CC-BY-NC-ND 2.0)

Vom Bösen Clown zum Killer-Clown – Verunglimpfung der Narren

Den Begriff des Pausenclowns werden wohl die meisten ohne weiteres verstehen, nachvollziehen können, was damit gemeint. Dieser Witzbold, der in bestimmten Momenten eine Gruppe zum Lachen bringt mittels pointierter Bemerkungen oder andere Mittel einsetzt, die Situationskomik walten zu lassen.

Ganz anders das neu entflammte Horrorclown-Phänomen, welches so in gar keiner Weise mit echten Clowns etwas gemein hat, außer der Maskerade, dabei eher per bösartiger Grinse-Fratze unterwegs, obendrein potentielle Opfer nicht nur erschreckend, sondern regelrecht verletzend, nach deren Leben trachtend. Insofern exemplarisch für die generelle Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft selbst. Eine Verunflimpfung der Narren.

Vom Zanni zum Clown – Theaterfiguren in Komödien

Der Zanni, namentliche venetische Dialektform des italianischen Gianni, eher bekannt als Giovanni, eine Theaterfigur des Dieners in der Commedia dell’arte, darf durchaus als Ursprung der Clowns selbst betrachtet werden, auch das spitzbübische Pendant, britische Harlekin.

Sie alle haben eines gemeinsam: das Publikum per schalkhaften Einlagen zu unterhalten, so auch in der Rolle des Pausenclowns im wahrsten Sinn des Wortes, wenn bei geschlossenem Vorhang auf der Bühne ein Szenenwechsel und daher technischer Umbau vonnöten, dieser im Zuschauersaal die Menschen belustigt.

Von Edgar Allan Poes Hop-Frog zum Bösen Clown

Der besagte berühmte Schrifsteller Edgar Allan Poe hatte höchstwahrscheinlich keineswegs im Sinn mit seiner Erzählung The Flag of Our Union, daß die dortig beschriebene Figur späterhin als Vorbild zum Bösen Clown dienlich sein könnte.

Manche sehen diese Form der Clownerie im Drama, wie in dem Werk La femme de Tabarin des französischen Dichters Catulle Mendès oder die Fortsetzung bei Stephen King. Zum Bösen Clown trug auch der US-amerikanische Serienkiller John Wayne Gacy bei, der als „Pogo the Clown“ bei Festen auftrat und 33 Kinder vergewaltigt und ermordet hat, schließlich per Todesstrafe hingerichtet wurde.

Horrorclowns – eine willkommene Gelegenheit

Eigenes Unvermögen, eines zwischenmenschlich friedlichen Zusammenlebens auszuleben in der Rolle des Bösen, Abartigen. Daß Gewalt generell die Freiheit des Einzelnen beschneidet, sollte ohnehin klar sein, schwierig genug in einer Gesellschaft, in der Gewalt stetig zunimmt, alldieweil soziale Belange immer weniger Beachtung finden, ein wachsender Überreichtum geduldet wird.

Die Welle des Horrorclowns, die in den 1980iger Jahren der USA begann, hat längst europaweit und vermehrt hierzulande in diesem Jahr Nachahmer erneut gefunden. Durchaus berechtigt und verständlich, wenn Bedrohte sich wehren, wie bei der Beil-Attacke in Bochum. Im Zusammenhang ohnehin umwälzend politischer Veränderungen, denken wir an den aufkommenden Rechtspopulismus, dürfen wir uns nicht wundern, wenn Trittbrettfahrer auch sich des Horrorclown-Phänomens bedienen. Es liegt an der Gesellschaft selbst, in wie weit sie solche Verbrechen erduldet oder beherzt abwehrt.

Lotar Martin Kamm

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2 Antworten zu Horrorclown-Phänomen exemplarisch für Gewaltbereitschaft

  1. PachT / Blogger schreibt:


    “ Es liegt an der Gesellschaft selbst, in wie weit sie solche Verbrechen erduldet oder beherzt
    abwehrt. “
    *
    Die einen nutzen solche PHÄNOMENE zur Erhöhung der DRUCKAUFLAGE,
    die anderen zur Auslebung ihrer SPASSGESELLSCHAFTSGELÜSTE ohne Grenzen !

    Gefällt 3 Personen

  2. Tom schreibt:

    Das Phänomen der Horrorclowns – das nicht zufällig aus den USA herübergeschwappt ist – offenbart eine zutiefst degenerierte Gesellschaft, die immer neue Events braucht, um ihre ganze Trostlosigkeit zu verbergen. Jetzt werden das willkürliche Erschrecken und Menschenjagden schon salonfähig gemacht und der eigentlich positive Clown-Begriff in sein Gegenteil verkehrt. Dass dies besonders verkommene Subjekte anzieht als Trittbrettfahrer, ist logisch. Genauso, dass in einer militarisierten Gesellschaft, die permanent Kriege führt und auf allgemeiner Konkurrenz beruht, die Gewalt sich auch im Innern immer manifestieren muß..auch in solch obskurer Weise wie bei den Horrorclowns. Für die Medien natürlich wiederum ein gefundenes Fressen..die das medial so aufbauschen, dass es zig Leute dazu animiert, das nachzuahmen.

    Gefällt 1 Person

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