Altes weicht neuem nicht ohne Folgen


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Freitag, so gegen 13:30 Uhr

„Svenja, bitte hinterlasse, bis wir zurück sind, nicht eine zu große Unordnung, ich möchte nämlich nicht Sonntagmittag die Spülmaschine ein paarmal laufen lassen!“
„Mutti, das war doch letztens nur, weil Florian mit Butch aufgekreuzt ist, kurz bevor ihr kamt. Andrea und ich bleiben dies Wochenende alleine, du weißt doch, wir haben uns zu ‚Once upon a time‘ verabredet.“

Freitag, so gegen 13:45 Uhr

„Hey, Andi, du kannst jetzt kommen, sie sind weg. Ja, bis Sonntagnachmittag, hab dir doch gesagt, sie sind bei einer Kommunion und wollen vorher noch Freunde besuchen. Ja, toll! Georg ist bei seiner Freundin, eh, die wollen wahrscheinlich bald zusammenziehen. Ja, bis gleich!“

Freitag, so gegen 15:00 Uhr

„Stell dir vor, die Brauers wollen sich scheiden lassen. Die Caroline ist wie aus dem Häuschen, hat heute in der Pause rumgeheult. Die hängt doch so an ihrem Vater, jetzt überlegt sie, mit ihm nach Hamburg zu ziehen:“
„Echt jetzt, arme Caro. Ich bin so froh, daß sich meine Eltern wieder eingekriegt haben, neulich haben sie sogar überlegt, sich ein neues Schlafzimmer zu kaufen, wenn Georg ausgezogen ist, dann könnte der kleine Schreibtisch von Papa endlich aus dem Schlafzimmer raus und er könnte dort bis in die Puppen surfen, ohne daß Mami gestört würde.“
„Ich dachte, sie wollen eine Versöhnungsreise buchen, hast du nicht etwas von Hawaii erzählt?“
„Doch, aber nachdem, wer klingelt denn jetzt?“

Freitag, so gegen 15:10 Uhr

„Was, eine Lieferung für Müller? Ich komm runter!“

Freitag, so gegen 15:20 Uhr

„Andi, stell dir vor, die haben tatsächlich ein Schlafzimmer bestellt, kannst du mal helfen, die Flurkommode ins Wohnzimmer zu stellen, die kommen jetzt gleich mit den Sachen hoch.“

Freitag, so gegen 15:50 Uhr

„Georg, weißt du was, hier ist gerade ein Schlafzimmer angeliefert worden. Doch, Tatsache! Ja, unglaublich. Du, Bruderherz, ja, dann eben Georg, also Georg, was hältst du von der Idee…“

Freitag, so gegen 17.20 Uhr

„Langsam, hab ich einen riesigen Hunger. Soll ich für alle Pizza bestellen? Bis Georg kommt, ist auch die Pizza da. Ganz schön anstrengend die Kommode und den Schrank auszuräumen. Na, wenn Georg da ist, können wir abbauen.“

Freitag, so gegen 18:45 Uhr

„Also, Svenja, ich gebe es auf. Alleine schaffen wir das nie. Ist dieser Butch oder wie der heißt nicht Handwerker, oder so? Kannst du den nicht anrufen, damit er helfen kommt? Wir kriegen das Schlafzimmer eh nicht alleine runter in den Keller!“

Freitag, so gegen 20:30 Uhr

„Warum habt ihr nicht gleich gesagt, daß ich Werkzeug mitbringen soll? Mein Vorschlag, wir lassen es für heute, ich bring morgen auch den Florian mit zum Schleppen, und vielleicht kommt René auch. Immerhin sind es vier Stockwerke in den Keller und einer sollte da unten auch ein bißchen vorher zusammenstellen, man kann sich ja kaum bewegen da unten.“

Samstag, so gegen 10:45 Uhr

„Ups, ihr ward ja fleißig. Also René, Florian tragen die Schrankteile runter! Georg, wäre gut, wenn du mir beim Abbau des Schrankes und des Bettes helfen könntest!“
„Und wir, was sollen wir machen?“
„Na, am besten erstmal für alle was zu trinken besorgen. Wenn der Schrank und die Teile im Keller sind, gibt es noch genug Arbeit.“

Samstag, so gegen 14:10 Uhr

„Mensch, Butch, wenn wir dich nicht hätten, ich hätte das Ding nie alleine gestemmt!“
„Georg, du kannst gerne bei mir später in die Lehre gehen!“
„Witzbold! Das wird wohl nie mein Ding sein, aber wenn ich ausziehe, weiß ich jetzt, wen ich frage, wenn ich Hilfe brauche. Wie lange dauert es noch, bis du fertig bist mit deiner Lehre?“
„Ich mach noch eineinhalb Jahre, aber danach wird ich wieder die Schulbank drücken, will nämlich das Fachabi machen, studieren.“
„Eh, sag bloß, was denn?“
„Mal sehen, irgendwas mit Technik, vielleicht Architektur, Ingenieur.“

Samstag, so gegen 14:15 Uhr

„Ohje, Mann, das kann doch nicht wahr sein!“
„Schwesterherz, hast du etwa was dagegen, wenn Butch… Ne, sowas, wie kommen die bloß auf diese Idee, was ist das, himmelblau?“
„Helles Taubenblau steht da und weißt du was das kostet? Da lies mal, 8999 €. Auch noch Sonderangebot!“
„Ich versteh die Welt nicht mehr, wollen die damit ihr Liebesleben aufmöbeln? Daß es so schlimm um die beiden stand, so kenne ich sie gar nicht!“
„Ist mir auch ein Rätsel. Da wäre es besser gewesen, sie wären nach Hawaii geflogen, das Mami sich sowas ausgesucht hat. Ich kapiere es nicht!“

Samstag, so gegen 14:30 Uhr

„Na, mein Geschmack ist es auch nicht, aber wir sollten loslegen, hab heute noch ein Date! Und wenn eure Alten sich damit wohlfühlen, was interessiert es euch?“
„Du triffst dich doch nicht etwa mit der Ex vom Tom?“
„Svenja, hast du was dagegen?“
„Nö, aber sie ist mindestens zwei Jahre älter als du.“

Samstag, so gegen 19:00 Uhr

„Das war es, fertig. Eins ist sicher, ich werde meine zukünftige Frau vor der Hochzeit schwören lassen, nie ein blaues Schlafzimmer anzuschaffen, das muß sie mir schriftlich geben. Irgendwie paßt das gar nicht zu euren Eltern, und die ganzen vergoldeten Schnörkelzeichnungen auf dem Blau, spacig.“
„Tja, ich bin demnächst weg, und Svenja wird wohl nach dem Abi auch das Weite suchen, vielleicht hilft es den beiden, neu anzufangen.“

Sonntag, so gegen 9:10 Uhr

„Wann wollten deine Eltern wieder hier sein?“
„Später Nachmittag, sie rufen an, bevor sie losfahren. Bis dahin habe ich die Klamotten verstaut. Andi, ich kann es immer noch nicht glauben, daß sie dieses Schlafzimmer gekauft haben, es ist potthäßlich und dieser große Spiegel über dem Bett und der Kommode. Mami und Papa, ihr seid mir fremd!“
„Svenja, schau, besser so ein Schlafzimmer als Scheidung, oder?“
„Andi, ganz ehrlich! Lieber Scheidung! Ach, Mist!“

Sonntag, so gegen 17:45 Uhr

„Hallo Liebes, du hör mal Svenja, wir bleiben eine Nacht länger, Papa will sich das neue Segelboot von Gerd morgen früh ansehen. Er überlegt, auch eins zu kaufen, die sind gar nicht so teuer, und wir könnten dann auf der Elbe schippern, wann immer wir Lust haben.“
„Okay, Mami.“
„Svenja, was ist, du klingst so traurig?“
„Mami, du weißt wir gucken ‚Once upon a time’, und Belle trennt sich gerade von Mister Gold!“
„Ach du und deine Serien. Grüß mir Andrea, kann sie denn noch eine Nacht länger bleiben?“
„Denke schon, mach dir mal keine Sorgen, bis morgen Mami und grüße Papa!“

Montag, so gegen 11:10 Uhr

„Hallo, da sind wir wieder, Svenja!“
„Hey, du erdrückst mich ja, wir waren doch gar nicht so lange weg.“
„Es ist einfach schön, daß ihr wieder da seid!“
„Und wir haben Neuigkeiten, stell dir vor, wir sind Besitzer von einem rot angemalten Segelboot, das war ein Schnäppchen, der Bojennachbar von Gerd will auswandern und Lotte, so heißt das Boot, haben wir fast geschenkt bekommen!“
„Ach, Papa!“
„Svenja, du weinst ja. Hätte nicht gedacht, daß du dich so freust. Na, der Name muß natürlich geändert werden, und einen neuen Anstrich gibt es auch, was hältst du von blau und mit Mamas Name in goldenen Lettern?“

Montag, so gegen 11:20 Uhr

„Erwartest du Besuch?“
„Andrea wollte nochmal vorbeikommen, aber erst später.“
„Ah, na dann wollen wir sie mal reinlassen.“

Montag, so gegen 11:21 Uhr

„Entschuldigung, Franke vom Möbelhaus Zäuner, da ist wohl ein Mißgeschick passiert. Ah, die junge Dame ist auch da. Wir haben leider am Freitag falsch ausgeliefert. Wir wollen das Schlafzimmer abholen, die im Büro haben nicht nur die Hausnummer 8 anstatt die 6 angegeben, sondern auch den Namen falsch übernommen, es war Chr. Müller und nicht Chr. Mueller.“

Doris Mock-Kamm

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