Sekt oder Sekte – der Unterschied währt gar nicht so groß


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Weder süße Verheißung noch Bereicherung

Es gibt wohl wenige Menschen, die ihn nicht mindestens einmal im Leben gekostet haben, den Sekt. Zu fast allen Anlässen wird er serviert, gerne in Verbindung mit Orangensaft, bei Geburtstagsfeiern, Jubiläen, Vernissagen, Hochzeiten, Empfängen und sicher gibt es noch eine ganze lange Reihe von Begebenheiten, bei denen der Sekt kühl gestellt wartet, in die schlanken Stielgläser gefüllt zu werden.

Menschen, die unter dem sogenannten „niedrigen Blutdruck“ leiden, lassen ihn sich gerne schmecken, verleiht er doch ziemlich schnell einen Schub Energie. Apropos Energie, Traubenzucker verhilft hier ebenso schnell und zuverlässig.

Aber bleiben wir bei dem süßlich, herben Getränk, das sich so vorzüglich dafür eignet, um bei so manchen „steifen“ Festen von vorneherein eine „lockere“ Stimmung erzeugen kann, wie anders wäre es möglich, ihn so oft kredenzt zu bekommen.

Sekt, übernommen aus dem französischen vin sec, italienisch vino secco, süßer schwerer aus Trockenbeeren gekelterter Wein, wobei sec für herb und trocken steht. Schampus, Schaumwein und Diplomatenwasser sind Bezeichnungen, bei denen jeder sofort weiß, es handelt sich um Sekt.

Nun gibt es in der Sprache manchmal ähnliche Wörter, die aber einen komplett anderen Hintergrundursprung besitzen, aber dennoch steht manchmal trotzdem einer „geistigen“ Verbindung nichts im Wege.

Und wir können sagen: Es gibt wohl wenige Menschen, die sie in ihr Leben gelassen haben, die Sekte. Zu fast allen Problemen, Sorgen, Ängsten, und sicher gibt es noch eine ganze lange Reihe von Lebensumbrüchen, bei denen Sekten gezielt ihre Hilfe anbieten und aus der „Not einen Segen“ gestalten.

Sekte, spätlateinisch secta, philosophische Lehre, befolgter Grundsatz, Ursprungswort schätzungsweise, sequi, folgen. In der Regel sind sie kleinere Religionsgemeinschaften, Splittergruppen, die meist in radikaler einseitiger Form religiöse, ideologische Werte vertreten, die oftmals den ethischen Grundsätzen einer Gesellschaft widersprechen.

Wer den Sekten verfallen ist, einerlei ob dem alkoholischen Getränk oder den ideologischen Phantasien, wird auf alle Fälle beim Abwenden von den Sekten große, wenn nicht sehr große Probleme bewältigen müssen. Bei beiden Arten der Sekten ist es wie ein Entzug, ein Kampf, teilweise gegen körperliche und geistige Beschwerden.

Wer sich intensiver informieren möchte, es gibt über Sekten und/oder Aussteiger inzwischen eine große Auswahl an Literatur, die sich diesen Themen widmen. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Leser noch an die Massenselbstmorde in den 70iger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Hier sei an den Massenselbstmord von über 900 Mitgliedern der „Peoples Temple“ 1978 erinnert und an die „Sonnentempler“, deren Mitglieder sich in den 90iger Jahren getötet haben.

Der verlockenden Genüsse des Sektes, süßlich berauschend, bedient sich derzeit auch die „Identitäre Bewegung“, indem sie ideologische politische Versprechungen mit romantisch verklärten Weltbildern, ähnlich anderer Sekten, anbietet.

Bleibt nur zu hoffen, daß nach der Berauschung an der idealen Zukunft, der versprochenen Harmonisierung in allen Lebens- und Gesellschaftsfragen, dem Verlust der eigenen Identität zum Wohle der Ideologie, noch die Möglichkeit besteht auf eigenen Füßen den Weg zurück zu finden, denn nach der Süße des Sektes verbleibt ein herber Nachgeschmack, der beiden anlastet, dem Sekt und den Sekten und bei beiden einen Kontrollverlust des Körpers und des Geistes bedeuten kann.

Doris Mock-Kamm

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