Erinnerung aus den Angeln heben


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Die Tür knarrt, scharrt, schabt, knirscht,
sie hält nicht mehr in der Falle fest,
es scheint sie lebt, sie lebt vom gestern,
lebt und erzählt von den Geschwistern,
die durch sie ins Wohnzimmer rannten.
Alle Freunde, alle Bekannten
gingen durch diese Tür,
sie vermißt das Leben, was kann sie dafür.

Erst war es nur ein Fenster, das zersplittert,
durch den Wind, leicht verspielt, sie erzittert.
Nach und nach stahlen dunkle Gestalten
die letzten Reste, die das Haus verwalten,
verwahren sollten für ihre Rückkehr,
aber es gibt wahrscheinlich keine Wiederkehr.
Niemals mehr wird das Haus belebt
von der Freude, Liebe der Familie Samet.

Bei Nacht und Nebel verließen sie den Ort,
das Haus, ihre Heimat, Flucht, fort, nur fort.
Kein Abschied, ein paar Koffer, das nötigste,
noch Kraft, kein Leid mehr, schien das Beste.
Ihre Geräusche heulen nicht nur auf bei Wind,
ihre Wehmut schreit sie nun geschwind
bei dem leisesten, kaum merkbaren Luftzug
schlägt, knallt die Wohnzimmertür auf und zu.

Sie waren meine Freunde, meine Gefährten,
unser Reich war riesig, wir liebten die Gärten,
wir tobten durchs Haus, bei ihnen, bei mir,
bis ihr Vater beobachtet, kam ins Visier
von Männern, die zwangen ihn zum Schweigen
er durfte über Mißstände nicht mehr schreiben.
Er schwieg, nicht lange, da konnte er nicht mehr
schweigen über die Gewalt, er setzte sich zur Wehr.

Kann denn niemand die Tür zum Schweigen bringen,
ihre Sehnsuchtstöne lassen mein Herz zerspringen!
Herr Samet wurde verhaftet, gefoltert, bedroht,
nicht nur Mama und Papa halfen ihnen in der Not.
Nun machten sie auch vor den Freunden nicht halt,
sie beobachten, lauschten, verdrehten jeden Sachverhalt.
Wie helfen den Freunden, dem Nachbar, dem Nächsten,
es gab geheime Treffen bei uns in den Nächten.

Und dann kam der Morgen, meine Freunde weg,
das Haus war still, nur noch einsamer Fleck.
Sie kommen wieder, gewiß, irgendwann.
„Mama, bin ich dann erwachsen, ein Mann?“
Nach Wochen erst wurde uns Nachricht gegeben,
aus einem fernen fremden Land, sie leben.
Papa, bitte geh rüber, hebe die Tür aus den Angeln,
solange sie erinnert, bleibe ich im Schmerz gefangen.

Nafia

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