Mit Kanonen auf Spatzen schießen


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Viel Lärm um nichts?

Ab und zu wirkt man irritiert, weil öfters als normal Dinge immer wieder im Alltag sich aufdrängen, in die Gedanken oder in Gesprächen ihren Einzug finden. Man versucht dann zu unterscheiden, ob sie einfach nur der Bequemlichkeit des weiterführenden Gedanken zum Opfer fallen oder aber tatsächlich einen Bestand haben, so massiv den verschiedenen Aktionen zu gleichen.

Gemeint ist, mit Kanonen auf Spatzen zielen und einen Vogel abschießen. Dieser Vorgang wiederholt sich in leicht abgeänderter Form und zwar in politischen, wirtschaftlichen und sozialen Bereichen, und ach ja, natürlich auch medial.

Die Redewendung mit Kanonen auf Spatzen schießen, bedeutet in etwa, etwas übertreiben, überreagieren, großen Wirbel veranstalten. Einen Vogel abschießen, heißt erfolgreich sein, gute Leistung gebracht haben, aber es kann auch das genaue Gegenteil bedeuten, also einen großen Fehler gemacht zu haben, ins Fettnäpfchen getreten zu sein.

Die Verbindung dieser beiden Redewendungen, wobei vielleicht aufgefallen sein mag, daß der Ausdrucksform halber das Schießen auf die Spatzen durch Zielen ersetzt wurde, was den Inhalt bei den Verbindungen der beiden Redewendungen zum einen nicht unbedingt großartig verändert, ist in ihrer Aussage das Phänomen, das unsere jetzige Zeit begleitet. Vielleicht aber auch schon immer begleitet hat.

Denn es ähnelt in seiner Aussage auch den Vorführungen von Clowns, Gauklern und ist Bestandteil vieler Slapsticks, nämlich mit großem Getöse etwas ankündigen, es vielleicht nicht auf Anhieb schaffen und dann „zufälligerweise“, bevor das Publikum einschläft und das Interesse verliert, bumm ist der Vogel abgeschossen, die Aktion geglückt.

Dabei spielt es oftmals keine Rolle, ob die Aktion wirklich mit Erfolg gekrönt ist oder war, Hauptsache ist und bleibt, die Aufmerksamkeit, die dadurch zustande kommt oder kam. Ein probates Mittel, um entweder eine Sache oder eine Person in den Vordergrund zu stellen. Und je intensiver die Trommel geschlagen, je lauter etwas angekündigt wird, desto weniger können sich die Menschen davor verschließen.

Viel Lärm um nichts! Ist dies erreicht, wird das Nichts zu einem Begriff, zu einer Aussage, bisweilen zu einer konstanten Tatsache. „Im Übrigen bin ich der Meinung, daß Karthago zerstört werden muß.“

Nicht immer ist sofort zu unterscheiden, ob hier eine Gaukelei oder wirklich eine wichtige Thematik angesprochen wird, die sich lohnt, in eigenen Gedanken oder in Gesprächen zu vertiefen, sich damit länger auseinanderzusetzen. Und je mehr sich der Aussage: „Mit Kanonen auf Spatzen zielen und einen Vogel abschießen“, bedienen, desto mehr hat man das Gefühl, unter einer großen Ansammlung Luftballons zu stehen, die in unterschiedlichen Zeitabfolgen nach und nach platzen.

Und wenn dieses Gefühl sich einschleicht, zieht man sich entweder zurück, weil man sich nach Muße sehnt, weil man mehr Zeit benötigt zu reflektieren, oder man übernimmt selbst „diese Masche“, um Gehör zu finden.

Oder man bildet sich das alles nur ein, und in Wirklichkeit ist dieser Text und der eingangs erwähnte Gedankengang, die Wiederholung gleicher Mechanismen nur Bequemlichkeit der Vereinfachung.

Doris Mock-Kamm

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