Dresden: Zum Einheitstag trumpft Pegida mit böser Fratze auf


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flickr.com/Polybert49/ (CC BY-SA 2.0)

Rechtsstaat stößt an seine Grenzen – Verharmlosung des Rechtspopulismus fatal

Gleich vorneweg: Mit Unbelehrbaren spricht man nicht, sie wollen nur eines, ihr diffuses Weltbild mit allen Mitteln durchsetzen, nehmen keinerlei Rücksicht, interpretieren ohnehin Menschlichkeit lediglich nach ihren Vorstellungen, fühlen sich in ihrem Narzißmus im Bade einer kritiklosen Menge bestätigt, um im Alltag ihre teilweise giftspritzende Einstellung anderen zuzumuten.

Exakt jene Klientel trat mit hunderten Anhängern unbehelligt zum Einheitstag in Dresden an, so daß eine Pegida mit böser Fratze auftrat, den Behörden fehlte es gegenüber dem rechten Ungeist an Sensibilität, wie Tilman Steffen in der Zeit feststellt. Der Rechtstaat stößt an seine Grenzen, die Verharmlosung des Rechtspopulismus muß man als fatal bezeichnen.

„Merkel muß weg“ – „Haut ab“ – „Volksverräter“ – was bleibt übrig von der Einheit?

In erster Linie ein seit über einem viertel Jahrhundert zusammengewachsenes Deutschland, wo trotz aller Widerstände, die Gräben zwischen Ost und West schienen nahezu unüberwindbar, in einigen Bereichen so manches gelang, obwohl parallel ganz gut abgezockt wurde, bestimmte kriminelle Elemente, manche gar mit scheinbar weißer Weste, bis hinein in Politik und Wirtschaft das ein oder andere Geschäft sich gönnten, während andere wiederum leer ausgingen. Im Osten herrscht vielerorts nach wie vor hohe Arbeitslosigkeit, besonders in der Jugend.

Günstige Aussicht für Rattenfänger, den Unmut für ihre Zwecke zu mißbrauchen? Doch anstatt sich sozialer Belange anzunehmen, ziehen es die Steigbügelhalter einer AfD, die Pegida, vor, beim Tag der Deutschen Einheit aufzutreten, ein Polizist wünscht ihr gar noch einen erfolgreichen Tag. Hinterher bemüht sich die Polizei um Schadensbegrenzung, sie sei ein „Garant für Neutralität“. Daß dem meist nicht so ist, bekamen bisherig die Linksbündnisse gegen Rechts oftmals zu spüren, die Tagesschau präsentiert den Gründer und Direktor des Zentrums für Verfassungs- und Demokratieforschung in Dresden, Professor Hans Vorländer, der zwar ein „gestörtes Verhältnis zur Demokratie“ seitens der aufkommenden Störer zum Einheitsfest bescheinigt, dennoch das laxe Verhalten der politischen Führung und der Polizei speziell in Sachsen nicht anmahnt.

Rechtsextremismus darf sich erneut ungebremst ausbreiten?

Und das ausgerechnet in Deutschland? Wer jetzt noch weiter verharmlost, verschließt ganz offensichtlich die Augen vor einer neuen Welle der Gewaltzunahme. Ein aggressives Gebrülle, erst recht anläßlich eines solchen Tages wie dem Tag der Deutschen Einheit, hat überhaupt nicht das Recht, für sich die Phrase „Wir sind das Volk“ zu beanspruchen! Ganz im Gegenteil, solche Menschen haben gänzlich das Podium einer Diskussion längst verlassen, sie üben sich in ihrem abgrundtiefen Haß, den besonders ausländische Mitbürger immer häufiger zu spüren bekommen.

Obendrein wird der neu entflammte Extremismus ziemlich deutlich, den gerade eine AfD gern zur Schau stellt, wir erinnern uns an das medienwirksame Verhalten seitens Frauke Petry Aiman Mazyek gegenüber, sie verließ das Gesprächstreffen entrüstet. Was im Frühjahr sich ereignete, war nunmehr als Aufforderung gedacht, den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime aufzulauern und zu bedrängen. Lutz Bachmann, der Organisator der Pegida, macht jetzt die „Drecksarbeit“, was eine sogenannte seriöse Politik à la AfD sich nicht trauen darf? Wer ohnehin schon wegen Volksverhetzung angeklagt, meint jetzt, noch einen draufsetzen zu können. Überspitzt darf man schon angesichts des Sachsensumpfes die Vermutung formulieren, ob ein Lutz Bachmann davon ausgeht, er würde mit einem harmlosen Gerichtsurteil rechnen.

Müssen wir hier mitten in Europa mit einer erneuten dunklen Zeitepoche rechnen, wo die Mehrheit still wegschaut, während eine Minderheit die Unverfrorenheit besitzt, ihr rechtsextremes Gedankengut auszuleben? Wenn kein beherzter Widerstand folgt, kann durchaus ein derartiges Szenarium sich wiederholen.

Lotar Martin Kamm

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3 Antworten zu Dresden: Zum Einheitstag trumpft Pegida mit böser Fratze auf

  1. hach, die Welt ist so pöse... schreibt:

    Wenn wundert es? Man ist ja schon ein Nazi, wenn man Vaterliebe für sein Land hat. Wenn man die Politiker kritisiert und nicht mehr wählen geht ist man ein Nazi. Wenn man die Logik der Politiker kritisiert ist man ein Nazi. Heute wird die Keule Nazi so dermaßen oft geschwungen, dass man es eigentlich nicht mehr ernst nehmen kann. Mich erinnert das nicht mehr an Meinungsfreiheit, sondern an eine Diktatur, was ja die Merkel schon mehrmals befürwortet hat. In dem sie bei Beckmann doch mal meinte, dass sie natürlich nicht auf die Meinung des Volkes hören würde, sondern ihre Sache durchzieht….

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  2. Arno von Rosen schreibt:

    Lieber Lotar, du formulierst den letzten Abschnitt als Frage, dabei ist längst das dunkle Zeitalter da. Spätestens wenn Politiker sich rechtsextremen Themen annehmen, denn „man müsse ja ein offenes Ohr für alle Bürger haben“, weiß das eigentlich jeder, der bei Geschichte nicht komplett durchgeschlafen hat. Ich erinnere hier jetzt nicht an Millionen Tote, sondern zitiere nur einen Satz von Adolf Hitler, den er in seinen letzten Tagen zu seinen Generälen sagte, als es darum ging, das Volk zu schonen, als die Russen bereits vor Berlin standen. „Dann wird das Deutsche Volk eben ausgerottet, dies ist nicht meine Schuld, schließlich haben DIE ja den Krieg gewollt.“ Damit bezog sich Hitler auf seine Brandrede, wo er fanatisierte Nazis fragte, „Wollt ihr den totalen Krieg?“ Ich kritisiere nicht das rechte Gesindel, denn das lohnt nicht. Mir machen die Schweiger, Duckmäuser, Wendehälse, Wegseher und Mitläufer erheblich mehr Kopfschmerzen, denn auch vor ihnen wird die Gewalt nicht halt machen.

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    • hraban57 schreibt:

      Hallo lieber Arno – klar doch formuliere ich das als Frage, was ein bekanntes Mittel, um mehr Aufmerksamkeit zu erhalten. Ich hätte das Fragezeichen angesichts der passiven Haltung ebenso weglassen können, da liegst du natürlich in sofern richtig. Was das Geschichtsbewußtsein anbelangt, da wird bekanntlich jede Menge Geschichtsrevisionismus betrieben, allen voran die breite Front etlicher Verschwörungstheoretiker, es mischen dort gern Rechtspopulisten sich darunter, um ihr krudes Gedankengut unter die Leute zu bringen. Dazu dient ihnen äußerst hilfreich das Internet, insofern darf man sich nicht wundern, wenn eine große schweigende Masse entsteht, die obendrein nicht nur stillhält, vielmehr ziemlich verunsichert einige einfach mitmarschieren, ob jetzt bei der Pegida oder später bei anderen Szenarien. Danke für deinen Kommentar, der einmal mehr aufzeigt, wie wichtig die Erinnerung an vergangene Schandtaten.

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