„Wir sind das Volk“ – aggressives Gebrülle entlarvt sich


© Doris Mock-Kamm

© Doris Mock-Kamm

Öffentlich Gesicht zeigen und dem entgegentreten

Um es vorweg zu nehmen, manchmal ist es nötig, ganz weit auszuholen, um etwas zu erklären, ähnlich den belehrenden Geschichten, Märchen, Fabeln, Legenden, die durch sinnbildliche Vergleiche oft die Möglichkeiten boten und bieten, Zusammenhänge von Charakteren oder Geschehnissen zu erläutern.

Manche Inhalte dieser Geschichten waren und sind nicht immer alle ernst zu nehmen, dennoch verbarg und verbirgt sich hinter den Aussagen manch Wahres, wenn es aus einer scheinbar undenkbaren Perspektive heraus erzählt wurde. Ob dies auch bei diesem Text sich am Ende ergibt, muß jeder Leser selbst entscheiden.

Die Historie, Weltgeschichte, Geschichtswissenschaft oder veraltet erdichtete Erzählung wurde in früheren Jahrhunderten zum großen Teil mündlich weitergegeben, in den Dörfern oftmals durch fahrende Händler, durch Gaukler und aber auch durch Ausrufer, die Bekanntmachungen der jeweiligen Herren den Untertanen mitgeteilt haben. Viele dieser Weisungen, Erzählungen wurden im weiteren Verlauf verändert, gerne ausgeschmückt mit fürchterlichen Ausführungen oder die tatsächlichen Aussagen waren so unvorstellbar, daß man ihnen keinen Glauben schenken wollte. Nun ist in der kleinsten Lüge stets ein Stückchen Wahrheit und sei es auch nur, daß es sich um einen Ort oder Namen handelt, den es tatsächlich gab oder gibt.

Historie, ursprünglich abgeleitet vom Griechischen historía, lateinisch historia bedeutet Wissen. Wenn wir nun bezogen auf die Überlieferungen, die eventuellen falschen Übersetzungen, die hinzugedichteten Textstellen oder Aussagen, die absichtlichen Ausschmückungen, ob fürchterlich oder verharmlosend, dazu nehmen, so können wir das Wissen, das uns zur Historie vorliegt, ohne Bedenken als nicht ausreichend oder höchstens als befriedigend bezeichnen.

Nichtsdestotrotz sind dennoch genügend Zeugnisse vorhanden, die uns einen recht guten Einblick auf die vorherigen Jahrtausende bieten und zwar gerade auch wegen der Unvollkommenheit in den uns vorliegenden Berichten. Wir wären nicht Mensch genug, um nicht selbst zu wissen, wo es eben gemenschelt hat und wo nicht, wo Lügen überhandgenommen haben und wo nicht, wo durch neue Erkenntnisse gewisse Begebenheiten korrigiert und neu definiert wurden und werden.

Spätestens ab Mitte des vorigen Jahrhunderts ist es fast jedem Menschen möglich durch Hinzunahme verschiedener Aussagen, dem Wissen näher zu kommen. Umso erstaunlicher ist es zu sehen, daß bei einer Minderheit, die sich aufplustert wie ein Gockel, um annähernd eine gewisse Art von Größe zu symbolisieren, dieses Wissen durch bewußte Verdrehungen und Phrasen so dargestellt wird, daß sich 90% der Menschheit in völliger Unkenntnis den Tatsachen oder doch zumindest komplett Lügen aufgesessen ist. Diese Minderheit besitzt sogar die Unverfrorenheit, Menschen der Lüge zu bezichtigen, die von ihren Erlebnissen des II. Weltkrieges berichten und nicht nur das, sie berufen sich tatsächlich auf dieselbe Propaganda-Maschinerie, die es geschafft hat, Menschen in Angst und Starre zu versetzen.

Gleichzeitig proklamieren sie Wertevorstellungen, die eher in das 19. Jahrhundert gehören, da sie sich inhaltlich der moralisierenden, herrischen „Oberschicht“ entnommen erscheinen. Es kann nicht angehen, daß eine aufgeklärte Gesellschaft, die es geschafft hat, sich von dem Mief der Scheinmoral, einer diktatorisch agierenden Oberschicht zu befreien, wieder in deren Fänge begibt. Es ist an der Zeit, entschieden dem Aufkommen einer völkisch, patriotischen mit romantisch verklärten Moralvorstellungen entgegenzutreten.

Das Wort Hysterie entstammt ebenfalls dem Griechischen und bedeutet ursprünglich an der Gebärmutter leidend, weil nach Auffassung unserer Altvorderen die Ursache der Hysterie mit krankhaften Vorgängen in der Gebärmutter lag.

Wenn zehn Prozent in Deutschland es schaffen, eine hysterische Menge herauf zu beschwören, die lauthals „Volksverräter“, „wir sind das Volk“ brüllen und jede Gegenargumentation niederschreien, nicht gewillt sind, konstruktiv mitzudenken, sich hinter „Hintermännern“ verstecken, die freiheitliche Gedanken und neue gesellschaftliche Ideen korrumpieren, dann, ja dann sollten die restlichen neunzig Prozent ihre Kräfte aufbringen und mit den Gedanken, mit denen sie schwanger gehen, öffentlich Gesicht zeigen.

Wir dürfen die Historie, das Weltgeschehen nicht dem hysterischen Geist einer auf Lügen aufgebauten besseren Welt überlassen, wir dürfen aber unsere „Schwangerschaft“ für eine bessere Welt gemeinsam erörtern, diskutieren und mit „neuem Geist“ beleben.

Doris Mock-Kamm

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3 Antworten zu „Wir sind das Volk“ – aggressives Gebrülle entlarvt sich

  1. Sabine Adameit schreibt:

    Sie mögen lauter sein, aber wir sind die Mehrheit. Wir sind das Volk!

    Gefällt 3 Personen

  2. quittenbluete schreibt:

    Hier ein Beispiel von Menschen, die ihre „Schwangerschaft“ einer positiven zukunftsweisenden Idee einer neuen Welt umsetzen.

    Gefällt 2 Personen

  3. Sylvia Kling schreibt:

    Ganz genau und deshalb kritisierte ich auch in meinem letzten Beitrag (auf Wemeze heute veröffentlicht) die Schweigenden und Hinnehmenden. Denn mit diesem Schweigen dulden sie.
    Ich hoffe sehr, dass sich hier noch etwas ändert.

    Danke für diesen Beitrag!

    Liebe Grüße

    Sylvia

    Gefällt 3 Personen

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