Ich brauche deine Hilfe nicht


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„Nein, du braucht mir nicht helfen, meine Schuhe werde ich wohl alleine finden können!“
„Die können doch nicht verschwunden sein, hast du denn wirklich schon überall gesucht? Wir kommen noch zu spät!“
„Ja, ich weiß, wir sind spät, durch dein Gebrüll machst du mich nur noch mehr konfus.“
„Ich habe nicht gebrüllt, lauter gesprochen, schließlich bin ich in meinem Zimmer, und du wuselst durch das ganze Haus.“
„Das gibt dir nicht das Recht, durch das ganze Haus zu schreien, nur weil ich für kurze Zeit nicht in deiner Reichweite bin!“
„Vielleicht hat Benno deine Schuhe in den Garten geschleppt, weil du sie wieder einmal im Wohnzimmer hast liegenlassen.“
„Nein, und wenn er es getan hat, hat er inzwischen einen anderen Platz, um sich an ihnen gütlich zu tun. Sowieso fehlen beide Schuhe, nicht bloß einer. Seit wann schleppt Benno die Schuhe paarweise weg?“
„Was weiß ich! Zieh doch einfach andere an, schließlich ist der Schuhschrank zu neunzig Prozent mit deinen Schuhen vollgestopft!“
„Was?“
„Zieh andere Schuhe an, schau mal auf die Uhr, wir kommen jetzt definitiv zu spät!“
„Zieh andere Schuhe an! Das geht nicht! Zu dem Kleid passen nur diese Schuhe. Komm jetzt bloß nicht auf die Idee, mir zu sagen, ich soll mich umziehen!“
„Umziehen, umziehen! Nein, ehrlich, habe sowieso nicht verstanden, warum du dieses farbige Etwas heute anziehen wolltest. Warum nicht das Blaue, das so schön fließend deinen Körper schmeichelt, das sagst du doch immer.“
„Aha, der Herr hört mir doch ab und an zu. Interessant!“
„Moni, müssen wir uns jetzt streiten?“
„Ich streite nicht! Ich suche meine Schuhe, und du machst dich über mich lustig!“
„Lustig, ich will dir helfen, gebe dir Ratschläge, und du nimmst sie nicht an.“
„Hast du mich vielleicht vorhin nicht richtig angesehen, zu der Frisur paßt das blaue Kleid nicht. Soll ich jetzt auch noch eine andere Frisur machen, ich dachte wir hätten keine Zeit. Die Ohrringe und die Kette müßte ich auch ausziehen, wie sieht denn das aus, rote Ohrringe, Pferdeschwanz und dazu ein blaues Kleid!“
„Vielleicht hat deine Tochter sich der Schuhe bemächtigt, wäre ja nicht das erste Mal. Soll ich sie mal anrufen?“
„Deine Tochter? Das sind doch wohl eher deine Töchter, hast du vergessen, daß du drei Töchter hast, auch wenn zwei davon nur noch alle halblang hier sind, um sich mal wieder die Wäsche waschen zu lassen, weil sich ja ach so viel angehäuft hat und sie ach so viel zu tun haben, Papi! Du sitzt mit ihnen gemütlich am Tisch, und ich stehe in der Küche und bin am Kochen oder Bügeln. Papi, Papi, immer die gleiche Masche und du fällst drauf rein, wie ein Jüngling, Papi!“
„Liebes…“
„Dein Liebes kannst du dir schenken, weißt du was, fahr alleine zu der Scheißfeier, mir ist die Lust vergangen.“
„Diese blöden Schuhe können doch nicht der Grund sein, dann nimm halt die Zeit, dich umzuziehen, wir kommen sowieso zu spät, schließlich sind Barbara und Jörg auch nicht immer die pünktlichsten!“

„Moni!“
„Moni.“
„Moni, wie siehst du denn aus?“
„Wie soll ich schon aussehen, wütend!“
„Aber…“
„Mir ist gerade eingefallen, wo meine Schuhe sind.“
„Und, wo?“
„Ich habe sie letzte Woche beim Shoppen mit Barbara zu ihren Einkäufen gesteckt, weil ich die neuen Schuhe gleich angelassen habe.“

Doris Mock-Kamm

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