Unter der Haube


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flickr.com/ Georg Sander/ (CC BY-NC 2.0)

Pferdestärken oder der Weg zum Standesamt?

„Boah ey, wieviel hat denn die Karre unter Haube?“ So ähnlich kann man sich ausdrücken, wenn man wissen möchte, wieviel PS (heute unter der Bezeichnung kW bekannt) das neue Auto als Höchstleistung hat.

„Jetzt ist deine Jüngste ja auch unter der Haube!“ So ähnlich hat man sich ausgedrückt, wenn man sagen wollte, deine Jüngste hat nun auch geheiratet.

Haube, althochdeutsch hüba, verwandt mit hoch, wahrscheinlich in der ursprünglichen Bedeutung nach oben gewölbt, gebogen, eigentlich, die Gebogene. Zum Vergleich hoch, althochdeutsch höh, gewölbt. Unter dem Begriff Haube finden wir mehrere Bedeutungen, Büschel der Kopffedern bei Vögeln, wie bereits erwähnt die Motorhaube, die Trockenhaube zum Trocknen der Haare, (gibt es tatsächlich noch zu erwerben für den Hausgebrauch), Pickelhaube, Kopfbedeckung eines Soldaten, Wollmütze und last but noch least, die Haube, eine Kopfbedeckung, die durch gefältelten Stoff die Ohren mit abdeckt.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein gehörte es sich für eine verheiratete Frau, eine Haube zu tragen, als Zeichen ihrer Sittlich- und Anständigkeit. Bis zur Hochzeit durften Frauen ihre Haare offen zeigen, Frauen, die keine Haube oder andere Kopfbedeckungen trugen, galten als „verrucht“ und verdorbene Frauenzimmer. Der äußere Schein der Hauben und Häubchen wurde auch unterstrichen bei Zofen und Dienstmädchen. Und wer in vornehmen Cafés in den 50iger und 60iger Jahren seinen Nachmittagskuchen aß, wurde dort oftmals noch bedient von der Servicekraft mit Häubchen im Haar. Manche Trachten, die zu gewissen Anlässen getragen werden, weisen in der Art des Tragens noch auf diese Sittlichkeit hin und ob die Trägerin bereits unter der Haube ist oder nicht.

Bei der Karre, dem Auto, gilt wohl bei vielen Menschen immer noch, was für eine Leistung unter der Haube steckt. Trotz interessanter Designs der Karosserien entscheidet beim Kauf eines Autos oft die kW-Angabe. Ist es frech zu sagen, man will ja schließlich nicht die Katze im Sack kaufen, ohne die Möglichkeit bei der Kaufentscheidung die Haube anzuheben, in den Motorraum zu sehen, wird keiner sich entschließen, das Auto zu kaufen. Selbst geschenkt wäre es für viele undenkbar, ein Schnäppchen gemacht zu haben, auch wenn es heißt: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.

Die Haube ist somit nicht nur ein Schutz, sondern gleichzeitig ein Interesse weckender Gegenstand. Glaubt man den Erzählungen über die sich als schwierig zu verkaufenden Waschmaschinen nach Markteinführung, so blieben die Kaufinteressenten deshalb aus, weil man während des Waschganges nicht zusehen konnte. Erst nachdem Sichtfenster einen Blick auf die drehende Wäschetrommel freigaben, folgte für den Absatz der Waschmaschinen kein Aufhalten.

Die Haube, Zeichen der Sittlichkeit und die Motorhaube haben eines gemeinsam, beides sind Hilfsmittel zum Schutz. Ob allerdings hinter der Abdeckung wirklich die „versprochene“ Aussage sich verbirgt, das muß wohl jeder selbst herausfinden.

Doris Mock-Kamm

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Eine Antwort zu Unter der Haube

  1. gkazakou schreibt:

    das Erinnern an die Haube als Zeichen der Sittsamkeit mag vielleicht manchen Zeitgenossen mit dem Kopftuch der islamischen Frau versöhnen. Hauben konnten sich meist nur Bürgersfrauen leisten, zumal sie beim Arbeiten hinderlich waren. Bäuerinnen und Arbeiterinnen trugen Kopftücher. Nur an Festtagen, zusammen mit der Tracht, kamen die Hauben aus dem Schrank – sofern vorhanden.

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