Syrien-Krieg: Die Welt schaut selbstgerecht zu


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Wege aus dem Dilemma?

Eine der sinnlosesten Fragen, „Was war zuerst da, das Ei oder das Huhn?“, kann man genauso gut bei Kriegen anwenden. Denn Menschen, die dem Leid ausgesetzt, verletzt oder getötet werden, haben gar keine Gelegenheit dazu, solche Fragen zu stellen, es zählt einzig und allein das nackte Überleben. So wie seit über fünf Jahren im Syrien-Krieg, den Wikipedia weiterhin als Bürgerkrieg bezeichnet wie so manche Medien gleichwohl.

Die Welt schaut selbstgerecht zu, wobei etliche Staaten keineswegs unbeteiligt sind, allen voran, wie sollte es auch anders sein, die USA, aber auch seit einiger Zeit logistisch unterstützend die BRD, obwohl anfangs vehementer Protest aufkam per Aufruf, den Syrien-Befehl doch zu verweigern. Seit einem Jahr fühlt sich Russland dazu berufen, ebenso per Militärflugzeuge einzugreifen. Was geschah seitdem, Wege aus dem Dilemma in Sicht?

Aleppo und das tägliche Sterben

Inzwischen sollte deutlich sein, daß die Menschen in der eingeschlossenen Stadt Aleppo hoch oben im Norden Syriens kaum mehr eine Chance haben, seit über vier Jahren stark umkämpft in weiten Teilen zerstört, sie sich nur noch nach Frieden sehnen. Ein Waffenstillstand von vielen, wie der im Mai dieses Jahres, sollte eine kurze Verschnaufpause von 48 Stunden bedeuten, danach tobte der Krieg bis heute heftiger denn je.

Nunmehr hat die Bodenoffensive seitens Syriens Regimeanhänger begonnen, die Zivilbevölkerung in den Rebellengebieten im Osten Aleppos wird am meisten in Mitleidenschaft gezogen, wo ohnehin schon seit Wochen Mangel an Nahrung, medizinischer Versorgung und Trinkwasser anhält. Vor einer Woche richtete Jürgen Todenhöfer einen dringenden Appell an alle Kriegsbeteiligten, somit an den Westen und den Osten, der ungehört verhallte. Was muß noch alles geschehen, bevor endlich dieser Wahnsinn beendet wird?

Die Fronten sind festgefahren

Keine der Weltmächte rückt einen Zoll von ihrem Standpunkt. Während die Zeit berichtete, Putins Russland verbitte sich Kritik des Westens, die UNICEF betont, es gehe um ein Minimum an Menschlichkeit, die russischen Bombardements seien vergleichbar mit den Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs.

Aus russischer Sicht schaut das Ganze anders aus, Syriens Problem liege nicht an Assad, schon gar nicht an Russland. Wer den Beginn dieses Krieges genau beobachtet hat, weiß, in wie weit die USA und deren Verbündete alles daran setzten, den gewählten Präsidenten Assad per Unruhen in Syrien selbst zu stürzen. Das Ukraine-Modell fruchtete allerdings nicht im Nahen Osten, so daß Terrormilizen in Syrien einmarschierten, der Krieg seinen Lauf nahm. Mit der Entscheidung, deutsche Truppen zu involvieren, verdeutlichte die NATO erneut ihren Einfluß, stellt sich schon die Frage, ob in Syrien das Los der Weltgemeinschaft entschieden wird, zum Leidwesen der Zivilbevölkerung Syriens.

Destabilisierung des Nahen Ostens eine strategische Notwendigkeit?

Im Grunde nichts neues, wer denn das perfide Spiel der Rüstungsinteressen verfolgt, wobei die Umzingelung Russlands keineswegs zufällig geschieht, mit einer simplen Verschwörungstheorie man diese offensichtliche Vorgehensweise seitens der NATO und den USA nicht von der Hand weisen kann, es sei denn, man legt sich fest, Russland mal wieder als Erzfeind zu betrachten, wie schon so oft geschehen.

Daß Putin irgendwann mal reagiern muß, liegt auf der Hand. Die aggressive US-Kriegspolitik kann kaum deutlicher dies provozieren und erzwingen. Während die NATO weiterhin stoisch behauptet, ihr Vorgehen diene der Friedenssicherung, sprechen die bisherigen letzten Kriegskonflikte eine nur allzu deutliche Sprache, denken wir an den Irak-, den Ukraine-, Libyen- und Syrienkrieg, derweil zuvor der Afghanistan- und Jugoslawienkrieg die westlichen Bündnispartner richtig aufmischte, sich verstärkt zu beteiligen. Blickt die Menschheit am Ende doch einem dritten Weltkrieg entgegen, der letztlich eigentlich längst begonnen hat?

Dürfen wir dennoch hoffen, wenn jetzt am Wochenende (vom 30. September bis 02. Oktober) der weltgrößte Friedenskongreß des Internationalen Peace Bureaus (IPB) stattfindet, den Reiner Braun leitet, im Interview er vor einer neuen Aufrüstungswelle warnt? Auf alle Fälle, selbst wenn die Aussichten nicht gut ausschauen.

Lotar Martin Kamm

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4 Antworten zu Syrien-Krieg: Die Welt schaut selbstgerecht zu

  1. Sabine Adameit schreibt:

    Der Horror nimmt kein Ende

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  2. Habnix schreibt:

    Die Welt sah beim Ersten Weltkrieg zu und macht fleissig mit. Warum sollte es heute anders sein.

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  3. Klaus Schmidt schreibt:

    Wer den deutschen Staatsmedien glaubt, hält die NATO für den Friedensengel. Es gibt aber mögliche Quellen, die das kritisch sehen!

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  4. nizar2blog schreibt:

    Dass Al-Assad ein gewählter Präsident ist, ist schon eine mutige Formulierung. Nachdem Hafez Al-Assad, vor ca. 40 Jahren, durch einen Putsch an die Macht kam, hat er seine Macht durch mehrere Geheimdienste legitimiert, deren Vorgehensweise sehr brutal und mörderisch waren und es immer noch sind. Nach dem Tod von Hafez Al-Assad sollte die Macht in der Hand der Familie bleiben und so wurde dann Bashar vorgeschlagen, nachdem sein Bruder, der eigentlich Präsident werden sollte bei einem Autounfall ums Leben kam.
    Selbst die Verfassung wurde damals geändert, weil Bashar noch zu jung war, um Präsident zu werden. Außerdem gab es bei der „Wahl“ keinen einzigen Gegenkandidaten.
    Ich bin selber auch Syrer und habe eine Zeit lang in Syrien gelebt. Und, dass es keine richtigen Wahlen gab oder gibt ist mehr oder weniger ein offenes Geheimnis.

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