Gebongt und abgestempelt


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Um im besseren Licht zu erscheinen?

Es ist gebongt! Es ist abgemacht. Wir sind uns einig. Einverstanden. Der Ausspruch leitet sich von der Übergabe einer Quittung, Beleg, Kassenzettel, Rechnung ab, mit der Weitergabe dieses Nachweises sind Forderung und Verbindlichkeit hinfällig: Der Bon, abgeleitet vom Französischen bon, gut, alles in Ordnung. Wir können zufrieden sein.

Es ist abgestempelt, sollte somit doch denselben Sinninhalt im Sprachgebrauch aufweisen. Da durch das Abstempeln wie durch den Bon eine Sachlage geklärt, Forderung und Verbindlichkeit ausgeglichen sind. Aber weit gefehlt!

Du bist gebongt, du bist in Ordnung, du bist abgestempelt, an dir haftet ein negativer Eindruck. Etwas verwirrend, sehr wahrscheinlich hängt es nur an den Ursprungswörtern, bon für gut, Stempel für Abdruck, der diesen, und das ist er allemal, Unterschied zwischen den Bedeutungen ausmacht. Vielleicht liegt eine Erklärung noch zwischen dem Unterschied einer „unbefleckten“ Rechnung und einer Rechnung, die mittels Stempel, Siegel nochmals bestätigt, also abgezeichnet wurde. Und ganz vielleicht hängt es mit dem jeweiligen Stempler, Siegelgeber zusammen, der diesen Abdruck hinterläßt oder welches Zeichen der Abdruck zeigt, darstellt. So einfach lassen wir uns durch Begriffe, Wortursprünge manipulieren.

Der Stempel, mittelhochdeutsch stempfel, Stößel, Prägestock. Auch sprachverwandt mit stampfen, mit einem Mörser zerkleinern, fest mit den Beinen auftreten. Sämtliche Urkunden tragen einen Stempel, Siegel und sind ohne diesen sehr oft nicht „rechtskräftig“. Nicht gebongt.

Siegel, entstammt vom Lateinischen sigillum, Bildchen, dient als Verwendung für Beglaubigungen, Besitznachweise, (Brandmarken bei Tieren), und ihre Prägungen (Abbildungen) unterliegen klar abgegrenzten Motiven und Berechtigten zur Abgabe und Verwendung von den verschiedenen Siegeln, ähnlich wie Wappen und Fahnen.

Abgestempelt zu sein, hat sicherlich jeder schon einmal erlebt, entweder weil man aus der falschen Familie, Ort, Land stammt, das falsche Wort am falschen Ort ausgesprochen hat, man gewisse Konventionen nicht beherrscht hat, aus der Reihe fiel, entweder absichtlich oder unabsichtlich. Gründe gibt es dafür viele und sie alle sorgen dafür, ein gewisses „Kennzeichen“, Mal aufgedrückt zu bekommen.

Manchmal sind diese Male nur vorübergehend belastend, manchmal können sie ein ganzes Leben begleiten, manchmal kann man sich nur davor schützen, indem man von der gewohnten Umgebung Abschied nimmt. Abgestempelt zu sein, kann zu großen psychischen Problemen führen, denn sie sind oftmals die ersten Anzeichen für Mobbing, für Ausgrenzung, für Neid, für „blinden Haß“.

Nicht nur derjenige, der aus dem kaufmännischen Bereich kommt, weiß, daß es oftmals unumgänglich ist, Belege, Bons, Rechnungen abzustempeln, seinen „Otto“ drunter zu setzen, um damit aufzuzeigen, die Unterlagen gesehen oder wie früher in Kladden eingeschrieben zu haben, also als erledigt, gebongt abgelegt werden konnten, sondern alle Menschen sortieren, stempeln das ihnen Vorliegende ab, stecken es in verschiedene Schubladen, versehen mit den jeweiligen an der Lade befestigten Gebongt-Begriffen.

Das geschieht mechanisch, nutzt oftmals einer schnellen Übersicht über Situationen, Einschätzungen von Personen, Umständen. Und ist gebongt. Deshalb gebongt, weil nicht jede Situationslage ständig neu zu bewerten erfordert, wir schaffen uns mit dem Gebongt und Abstempeln Freiräume für neues Erleben, können dadurch manche Gefahren schneller abschätzen. Nicht gebongt kann allerdings sein, wenn wir bewußt in schadwilliger Absicht jemanden oder einer Sache einen Stempel mit der Absicht aufdrücken, nur damit wir selbst im besseren Licht erscheinen oder dadurch Vorteile erhoffen.

Nicht jeder Bon muß abgestempelt werden, viele können auch ohne Stempelaufdruck Platz in unsere Karteikästen der Lebensansichten abgelegt werden, und wenn wir schon stempeln, sollten wir vielleicht einen Blick mehr auf den Stempel werfen, den wir da gerade in der Hand halten, schließlich besteht die Möglichkeit, durch den artverwandten nächsten Bon einen neuen spannenden Blick auf das Leben zu erhalten.

Doris Mock-Kamm

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