Limes – der Geschmack nach neuen Herausforderungen


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flickr.com/ Johnny Malmedy/ (CC BY-SA 2.0)

Jede Grenze ist limitiert

Nicht alles, was sich aus der Schulzeit oder von Kindesbeinen an eingeprägt hat, entstammt dem Wissen des Auswendiggelernten. Manchmal sind es Worte, Sätze, die auf Grund einer speziellen Lebenssituation, des einfachen Reimes wegen, oder weil ein bestimmter Klang es erleichtert hat, Einzug in den nie zu vergessenden Teil des Gedächtnisses fanden.

Limes, kennen Sie den Limes? Ein Wort, das auf der Zunge den Geschmack von einer Köstlichkeit bieten kann, ähnlich der Vorstellung des Genußes von Vanilleeis oder des absoluten Lieblingsgerichtes. Die Gerichte, die ebenso entscheiden, ob wir mildernde Umstände, bestraft, freigesprochen oder das Essen, die Mahlzeit verdeutlicht, die wir zu uns nehmen. Beiden Gerichten ist gemeinsam, daß sie entscheiden, ob wir gut leben oder nicht, denn jedes Gericht kann das letzte sein, metamorphisch gesehen. Aber das ist ein anderes Thema, dem hier eine zu kurze Erklärung nicht gerecht werden kann.

Bleiben wir beim Limes, der irgendwann in der Schulstunde ins Bewußtsein vorgedrungen ist, teils weil er mußte der Noten wegen, teils aus wirklichem Interesse und teils, weil das Wort die Phantasie angeregt hat. Limes, eine Leichtigkeit des Klanges und gleichzeitig der Begrenzung. Ein Widerspruch, der Zweifel hegen ließ, ob seiner wirklichen undurchdringlichen Macht, die der Lehrer vehement betonte.

Limes, abgeleitet von limus quer und limen, Türschwelle, ursprünglich die Begrenzungsangabe für ein Feld oder Acker, führte zu dem Begriff limes, Grenzwall, Ackergrenze. Heute verwenden wir in unserem Sprachgebrauch das Wort limitieren für begrenzen, beschränken, und besonders häufig in der Sprache der Marketingexperten als Anreiz zum Kauf, wenn limitierte Auflagen angepriesen werden. Wenn quasi mit einer Begrenzung Geld gemacht werden soll, weil absichtlich nicht genügend produziert wird.

Von den inhaltlichen Erklärungen des Lehrers blieb nicht viel übrig, außer das Wissen über eine gewisse Bautechnik der Grenzanlagen und Türme, das beschriebene Leben der Soldaten, die Bemühungen der Germanen, die Römer zu vertreiben und die Länge und Lagebeschreibung des Limes in Deutschland. Nicht angesprochen wurde, oder es ist der Vergeßlichkeit anheimgefallen, daß die Römer in so ziemlich allen eroberten Ländern ihre Limesanlagen bauten. Wer sein Wissen wieder ein bißchen auffrischen möchte, erhält hier eine kleine Einsicht über die verschiedenen Grenzwälle der Römer.

Nun ist in der Zwischenzeit viel Gras über diese Grenzen gewachsen und fast scheint es so, es hätte sie nie gegeben, wenn nicht hie und da einige Überreste oder Rekonstruktionen der ehemaligen Bauten zu besichtigen wären. Hat es den Römern genutzt, so viel Energie in ihre Grenzanlagen zu investieren? Haben die Völker sich langfristig gesehen den Römern angepaßt?

Sicher in einigen Bereichen der Kunst, Kultur, Sprache, Wissenschaft sind bleibende Hinterlassenschaften des römischen Volkes noch immer präsent. Aber ansonsten?

Schützen Grenzen wirklich vor Infiltrationen des Fremden und zwar innerhalb sowie auch außerhalb eines Grenzbereiches? Wer selber einen Garten besitzt, weiß nur zu gut, wie schnell das Unkraut vom Nachbarn im eigenen Garten wächst. Limitieren, abgrenzen kann kurzfristig Erfolge verzeichnen, aber auf lange Sicht nie erfolgversprechend sein. Grenzen werden immer durchdrungen werden, geistige, landschaftliche Grenzen haben den Menschen noch nie gehindert, die jeweils andere Seite zu betreten.

Außer bei Menschen, die auf Grund ihrer Engstirnigkeit noch nie über den Tellerrand gesehen haben, diese verpassen dann aber das nächste lukrative oder lukullische Gericht. Wer den Geschmack von Neuem scheut, wer sich weigert, über seine Grenzen hinauszuwachsen, dessen Leib und Seele verkümmert, da nützt es auch nicht, sich auf Tradition zu berufen, denn tradere, ups, lateinisch, also von den Römern, bedeutet, übergeben, hingeben.

Über Grenzen hinweg geben, es bedeutet nicht festhalten. Tradition ist keine Rechtfertigung für Stillstand. Und der Limes, der Grenzwall ist nur kurzfristig eine Grenze, limitiert, bei Nachfrage gibt es schnell Nachschub, fragen Sie einfach Ihren Marketingexperten. Limes, schmeckt irgendwie nach neuen Herausforderungen.

Doris Mock-Kamm

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Eine Antwort zu Limes – der Geschmack nach neuen Herausforderungen

  1. kat+susann schreibt:

    Tolle Gedanken! Hätte als Beitragsfoto ein Getränk gestanden, hätte ich nicht an den Schutzwall gedacht. Grenzen halten nichts ab. Grenzen verführen manchmal auch zum Übertreten. Grüße Kat 🌷

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