Gesellschaftlicher Perspektivlosigkeit Widerstände einräumen


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Mutlos weder zurück noch nach vorne blicken?

Mechanisches, gar stundenlanges Vollrichten bestimmter Bewegungsabläufe erfordert auf gewisse Weise eine Konzentration, selbst wenn man dabei tatsächlich abschaltet, zumindest in Phasen. Hinterher verbleiben da Momente, in denen die Frage im Raum steht: Worüber habe ich nur gegrübelt? Meistens entrinnen diese Gedankengänge, um irgendwo in den Tiefen der Erinnerung zu verweilen, vielleicht irgendwann dann doch noch zurückzukehren.

Darf man hierbei von einer Form der Meditation sprechen, einer Trance im Tun während gleichbleibend sich wiederholender Arbeitsgänge? Auf alle Fälle, wer es schon durchlebte, weiß dies nachzuempfinden. Du hast eine zeitlang in deinem Leben solche Jobs vollrichtet, dich stets bemüht, dich weiterzubilden, nicht nur weil die Gesellschaft das gern sah, sondern erst recht, um dir selbst zu beweisen, daß du gern mit offenen Augen lernend durchs Leben gehst.

Erfahrungswerte kann uns niemand nehmen

Auf diese Weise gingen sie dahin, die Jahrzehnte eines arbeitsintensiven Lebens, in dem Langeweile niemals aufkam und das nicht nur, weil du eine Familie gegründet, sorgenvoll die eigenen Kinder hast aufwachsen sehen, sondern weil du in deiner Wißbegier dir immer wieder die Frage stelltest, was du noch nicht erreichtest, woran es lag oder was du alles unternehmen mußt, um selbst diese Hürden zu meistern. Oder aber läßt es dich kalt, wissend nach einem erfülltem Leben, daß Grenzen dir aufzeigen, dir überhaupt kaum Chancen verbleiben, etwas ändern zu können

Gewährt gerade eine Gesellschaft des sozialrassistischen Abbaus mit der daraus resultierenden zwischenmenschlichen Kälte noch Freiräume, dem anderen seinen jahrzehntelangen Stolz noch zu gönnen, wie man unschwer allein schon an den bösartigen Stellschrauben eines deutschen Hartz-IV-Systems im Alltag längst beobachten kann?

Angefangen von den menschenverachtenden Sanktionen bis hin zu Familienzwistigkeiten, in denen sich gegenseitig belauert wird, wer denn der bessere Mensch sei, nur weil die eigenen Kinder kaum eine Chance auf dem Arbeitsmarkt oder umgekehrt sie den Eltern vorschreiben, wie diese zu leben haben? Sind wir schon so weit gekommen, daß die Gesellschaft sich mißtrauisch beäugt, mit Schuldzuweisungen aufeinander eindrischt, während die eigentlichen Urheber sich ins Fäustchen lachend abwenden? Wir sind es, die genauer hinschauen müssen!

In Würde den Widerständen trotzen

Durchaus möglich, solange du noch nicht gänzlich gebrochen bist, obwohl viele Steine dir in den Weg gelegt werden. Wer in jungen Jahren die Kraft hat, sein Leben sorgenfrei zu meistern, möge es in vollen Zügen genießen. Denn niemand kann vorhersagen, welch Schicksal einem im Alter begegnet, ob Krankheit durch Verschleiß, der Verlust guter Freunde oder Familienangehörige, Langzeitarbeitslosigkeit, eine hoffnungslose Überschuldung. Irgendwelche Schuldzuweisungen solch Betroffenen gegenüber sind völlig fehl am Platz, erst recht, wenn sie alles unternehmen, ihr Leben in den Griff zu bekommen.

Hierbei hilft vielmehr der umsichtige Respekt, das Akzeptieren der jeweilig anderen Lebensweise, gerade in einem neoliberalen Klima eine schwierige Aufgabe, eine besonnene Fairniß walten zu lassen, insbesondere wenn am Ende lediglich vieles sich am Geld orientiert, wobei genau deshalb die ganze Tragweite zwischenmenschlicher Kälte zum Ausdruck gelangt. Dürfen wir allen Ernstes das weiterhin zulassen? Oder aber sollten wir uns aufgefordert fühlen, wesentlich offener und genauer hinzuschauen, bevor wir uns immer weiter instrumentalisieren lassen in einem Sog, wo angebliche Gewinner mit dem Finger auf die Verlierer zeigen?

Derjenige, der noch aufrecht im Leben steht, sich eben nicht vorschreiben läßt, wie er seinen Alltag bewältigen soll, den kann man nur beglückwünschen, sich eben nicht dem Diktat einer kaltherzigen Welt des Sozialrassismus untergeordnet zu haben, ob nun seitens Behörden oder gar in Familienkonstellationen.

„Man sollte nie so viel zu tun haben, daß man zum Nachdenken keine Zeit mehr hat.“ (Georg Christoph Lichtenberg)

Genau dies verhindert die Arbeitswelt nach wie vor. Mit ein Grund, das BGE oder das Bandbreitenmodell anzuwenden. Andererseits sollen Menschen wohl nicht nachdenken und Zusammenhänge verstehen, vielmehr einfach für Eliten funktionieren.

Lotar Martin Kamm

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