Globale Finanzkrise und die Reise nach Jerusalem


finanzkrise

Wenn der Schuh drückt, klemmen nicht nur Geldscheine

Arno von RosenSie kennen das ja sicher im eigenen Umfeld. Man hat mal einen schlechten Tag, ein falsches Wort fällt, wird erwidert und schon haben Sie den schönsten Streit. Vielleicht geht man sich aus dem Weg (bei Streit mit der Frau sicher keine dumme Idee), oder Sie gehören zu den glücklichen Menschen, die relativ schnell wieder Frieden herstellen können.

Ähm, dies wird jetzt kein Beziehungsratgeber, aber bitte bleiben Sie noch ein wenig aufmerksam, vielleicht hilft der Beitrag, doch mehr Sanftmut zu erlangen, oder schlagen Sie einfach die Zeit mit mir tot, zusammen mit einer Tasse Kaffee, denn wir reden über Staatskrisen. Jupp, kein Scherz (nein, ich flippe jetzt nicht völlig aus, ich bin noch normal, sagen jedenfalls meine Ärzte).

Um hier nicht völlig im Dunkeln zu tappen, nehmen wir uns mal ein paar Beispiele vor, als erstes die globale Finanzkrise. Riesige Auswirkungen waren die Folge, wie hohe Arbeitslosenzahlen, sinkende Staatseinnahmen, schwaches Bruttosozialprodukt durch nachlassende Inlandsnachfrage, wankende Konzerne, Pleitebanken. Mit einem Wort, Disaster! Was war passiert? Eigentlich nix.

Am ehesten können Sie das vergleichen mit der Reise nach Jerusalem (nicht die Pilgerfahrt – das Spiel), nur das am Ende der Musik noch zehn Leute (Banken) getanzt haben, aber nur noch ein Stuhl da war. Das war aber weder Pech noch unvorhersehbar, und natürlich waren die aufgegriffenen Maßnahmen nicht alternativlos (das stimmt eigentlich nur beim Tod, gelle). Im Grunde genommen haben Banken weltweit Immobilienpapiere so oft umbenannt und weiter verkauft (das ist die Musik), bis die Verkaufsgeschwindigkeit so hoch war (hier kommen die fehlenden Stühle ins Spiel), dass niemand von den Grabschändern der Rechenschieberei die fehlenden Sicherheiten hinter den Immobilien bemerkte, bis irgendwann, irgendjemand in den USA feststellte, eigentlich wertloses Papier in den Händen zu halten.

verzweiflung-kopieUnd was hat dann die Krise ausgelöst? Runtergebrochen auf den kleinsten Nenner (so was wollte ich als Matheniete immer schon mal schreiben) haben einfach die Hauptaktionäre das Flattern bekommen und sich um ihre Milliarden gesorgt, denn die Hälfte unseres Planeten gehört nicht einmal 70 Menschen. Wäre dieses Kapital auf nur wenige Millionen Individuen verteilt, hätte es diese Krise nie gegeben, denn auch Reiche sind Opfer ihrer Psyche, und so sieht ein Verlust von 10 Milliarden (bei einem Vermögen von 30 Milliarden) richtig übel aus, doch eigentlich wäre es eine ganz normale Konsolidierung seines eingesetzten Kapitals.

Würden Sie völlig ausflippen, wenn von 30 Euro in Ihrer Geldbörse mal 10 Okken fehlen würden (vorausgesetzt es handelt sich um Ihre ganze Barschaft)? Natürlich nicht, denn das wäre lächerlich! Ich bin kein Sozialist und will nicht die Kohle der Welt auf alle verteilen, aber es zeigt ein Grundproblem auf, wieso anschließend alles dafür getan wurde, die Vermögen zu erhalten (daraus wurde dann das schnuffige Wort „systemrelevant“ gezaubert), was Ihnen dann als Krise verkauft wurde.

Man hat also dem normalen Bürger weltweit die Kosten und Verluste einiger Weniger auferlegt (durch Wegfall von Erträgen bei Lebensversicherungen usw.), denn die Masse kann eine Krise besser verkraften als Einzelne. Sie sehen somit, umgekehrt war man sich bewußt, dass dieses System funktioniert, nur haben eben die einzelnen Bürger keinen Einfluss, ätsch. Dass dann bei den anschließenden alternativlosen Maßnahmen dauernd gegen geltendes Recht verstossen wurde, ist nur noch eine Randnotiz, denn geändert hat sich nichts.

goldDie Banken können heute noch nicht unsere Einlagen sicher garantieren, obwohl der Staat dieses vorgibt (bis 100.000 Euro minimum), weil die Banken mehr Geld in Geldgeschäfte pumpen, als sie eigentlich zur Verfügung haben. Bei dem grundsätzlichen Auftrag der Institute, nämlich Geld an Einzelpersonen gegen Sicherheit oder Kapital an Firmen gegen saubere Bilanzen zu verleihen, haben Banken kein Interesse, da die Gier nach schnellerem und mehr Geld nicht zu stillen ist. Um den Markt so herzustellen, hat übrigens die rot-grüne Regierung Anfang des Jahrtausends die Regeln gelockert und selbst die jetzige bis heute nicht wieder regulierend eingegriffen. Die können sich ja schließlich nicht um alles kümmern.

Dasselbe Prinzip gilt übrigens auch für Flüchlinge. Erst pumpen wir Milliarden in die NATO, damit die Bündnispartner (USA, Frankreich, Großbritannien usw.) ohne uns Krieg spielen können, sorry, ich meine natürlich Menschen befreien und Regionen stabilisieren (ich Depp), und danach pumpen wir Milliarden in den Wiederaufbau, eigentlich. Nur, in diesem Fall wollten die Menschen einfach nicht auf ihren blutigen Schutthaufen sitzen bleiben und auf das Geld warten (meist aus anderen Ländern), was ihnen von ihren Diktat…, äh Volksvertretern versprochen wurde, wenn sie nur genug von den falschen Leuten abmurksen würden (alle Leute sind falsch, ist nur eine Frage der Sichtweise).

Dass nicht nur syrische Flüchtlinge nach Deutschland kommen, liegt in der Natur der Sache. Wenn Sie einfach ins Kino gelassen werden und niemand nach Ihrem Ticket fragt, sehen Sie sich doch auch den Film an, oder? Zur Not auch zum zweiten oder dritten Mal. Eben, denn der Mensch ist so veranlagt, durchschnittlich gesehen natürlich, denn wir wären ja nicht so, gelle?

Verdienen tun dabei dann Rüstungsfirmen, die weltweit Umsätze im Billionenbereich machen, also mehr als tausend Milliarden, oder so (ich hab ja gesagt, ich bin keine Leuchte in Mathe). Die Frage, die sich Käthchen Müller und ich uns jetzt stellen sollten ist, macht es unser Land reicher, wenn wir Waffen liefern und erhält es Tausende von Arbeitsplätzen (ein beliebtes Totschlagargument)?

Leider nein, denn es arbeiten nicht wahnsinnig viele Menschen in der Rüstungsindustrie und 10% des eingesetzten Kapitals, das zurzeit in Waffen fließen würde, ein vielfaches an Arbeitsplätzen schafft, wenn man die Kohle in Zukunftstechnologien wie Energie und Ernährung stecken dürfte. Macht man aber nicht. „Und wie hilft mir das nun alles bei privaten Krisen?“, könnten Sie jetzt fragen. Gar nicht, aber irgendwie musste ich Sie ja dazu kriegen, diesen Schrumps zu lesen. Hat doch geklappt, oder? Sehen Sie, alles eine Frage der Psychologie. Musik aus…

Ich hoffe, kein Politiker liest meinen Artikel, nachher kommt noch jemand auf die Idee, unsere Welt zu verbessern und wir müssten uns an Neues gewöhnen, und das macht der Deutsche auch nicht gerne. Deshalb kommt das Zitat zum heutigen Beitrag von einem der Wirtschaftsweisen der Vergangenheit (mit dem ich nicht verwandt bin, hoffentlich):

„Mich interessiert nicht, wer die Gesetze macht, solange ich das Geld kontrolliere.“ Amschel Mayer Freiherr von Rothschild (1744-1812, Bankier)

Es grüßt Sie Ihr kapitalloser Arno von Rosen, Buchautor, Kolumnist, Blogger und Weltenversteher in spe. Bleiben Sie gelassen, streitlustig, versöhnlich und Friede im Herzen sei mit Ihnen (nein, jetzt kommt kein Amen, es ist einfach Schluss).

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9 Antworten zu Globale Finanzkrise und die Reise nach Jerusalem

  1. Arabella schreibt:

    Ach verehrter Ritter von Rosen, wann kandidierst du für die Wahl zum Bundespräsidenten…ach…ich Depp, dann könnte ich ja nix mehr von dir lesen.

    Gefällt 3 Personen

  2. PachT / Blogger schreibt:

    Meine Tagebuchnotiz ist zum Thema eine verkürzte Darstellung … :
    *
    Globalisierung

    Wer sich auf die Wildbahn der GLOBALISIERUNG begibt,
    muss innere STÄRKE
    durch sozialen FRIEDEN und wirtschaftliche STABILITÄT
    aufweisen –
    ansonsten ist eine KRISE über kurz oder lang nicht abzuwenden !

    (C) PachT 2008

    Gefällt 3 Personen

  3. Daniel schreibt:

    Eine Billiarde sind nicht 1000 Milliarden sondern 1000000 Milliarden

    Gefällt 2 Personen

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