Kolumnisten keineswegs auf Spalten reduziert


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flickr.com/ liborius/ (CC BY-NC-2.0)

Von der Säule zur Stütze oder von der Taube zur Urne?

Sie lesen sie schätzungsweise immer mal wieder, ab und zu, unbewußt oder gezielt aussuchend in den Medienblättern, die Kolumnen.

Wer sich jetzt hinter diesem Wort etwas Aussagekräftiges über den Inhalt einer Kolumne vorstellt, muß enttäuscht werden. Denn sind manche Kolumnen und /oder Kolumnisten nicht die anerkannten und bekannten „Leseanreize“ in den Medienwelten? Leider aber ist die Kolumne nur die Übersetzung unter anderem für Spalte.

Nicht wirklich aufregend, oder? Eigentlich ist die Spalte nur die senkrechte Reihe von Zahlen, später im Zeitungswesen für die Textspalte einer Seite. Der Kolumnist ist somit jemand, der eine Spalte auf einer bestimmten Seite vollschreibt.

Colum lautet übersetzt der Sieb, das Filtriergerät. Wie die Lateiner vom Sieb und Filtriergerät auf die Spalte von Zahlenreihen kommen? Vielleicht weil Sand durch einen Sieb gefiltert, Häufchen, Haufen ergeben und mehrere Haufen einer Reihe ähneln? Das Wort columna, das Säule bedeutet, auch Stütze, erklärt eher die Verwandtschaft zu Spalte. Etwas verwirrender wird es, wenn wir durch die Wortwurzel colum auf columba, die Taube, columbarium, Totenkammer beziehungsweise für die Grabkammer mit Nischen für Urnen übersetzt werden kann.

Und wie sie vielleicht erkannt haben, ist demzufolge columbus der Täuberich. Etwas verwirrend, vom Taubenschlag zur Urnennische, vom Sieb zur Säule und daß columbar eine Halsfessel der Sklaven war.

Aber kommen wir wieder zurück zur Kolumne, zur Spalte, zur Säule. Der Begriff Kolumne steht für Meinungsbeiträge, Kommentare, Kritiken. Als erster Kolumnist wird John Hill bezeichnet, der ab dem 11. März 1751 täglich unter dem Pseudonym „The Inspector“ für den London Advertiser und die Literary Gazette schrieb. Nicht nur Kurt Tucholsky, sondern auch andere Schriftsteller nutzten und nutzen die täglichen oder wöchentlichen Kolumnen, um entweder ihren Lebensunterhalt zu bestreiten oder um dadurch bekannter zu werden.

Außerhalb Europas verfügen die Kolumnisten über einen noch höheren Stellenwert in der Medienwelt, werden teilweise regelrecht verehrt und die nächsten Ausgaben der Zeitschriften mit Spannung erwartet. Die Themenvielfalt der Kolumnen ist mannigfach, die Kolumnisten können unabhängig ihre Meinungen, Ansichten äußern. Der feste Spaltenplatz in den Medienblättern trägt vielleicht auch zu ihrer Beliebtheit bei.

Da es eine Wortverwandtschaft gibt zwischen columna und columba, columbus wie aus diesem Text ersichtlich, wäre es vielleicht eine Anregung, nicht nur auf den festen Spaltenplatz Wert zu legen, sondern ebenso auf die Taube, die in ihrer Symbolik für den Frieden, Liebe, Treue, Poesie und Hoffnung steht und damit eine Spalte füllen kann, in der aus der Unmenge an Geschehnissen auch die ihren Platz finden, die auf positive Erkenntnisse, Geschichten, Anlässe hinweisen.

Doris Mock-Kamm

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Eine Antwort zu Kolumnisten keineswegs auf Spalten reduziert

  1. gkazakou schreibt:

    Kolumnisten sind immer noch die Säulen der Zeitungen, jedenfalls hier. „Man liest“ den oder die Lieblingskolumnisten-in, sobald man das frische Druckwerk in Händen hat, danach erst die Nachrichten. Geht ein Kolumnist in Urlaub, oder schlimmer, stirbt er, fällt die verkaufte Auflage. LG

    Gefällt 1 Person

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