Botswana: Appell an Präsident Ian Khama zum 50. Unabhängigkeitstag


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flickr.com/ Foreign and Commonwealth Office/ (CC BY 2.0)

Regierung mißachtet Urteile des Obersten Gerichtshofs zu Lasten der Buschleute

Der Süden Afrikas mag viele Europäer und den Westen kaum interessieren, alldieweil sie ohnehin viel zu sehr mit ihren eigenen Belangen direkt vor Ort beschäftigt sind, denkt man an bevorstehende Wahlen, an zunehmende Proteste, die Bevölkerung mehr Widerstände anzettelt. Die Restbestände alter Kolonialherrschaften wirken jedoch weiterhin nach mit Blick zu wertvollen Bodenschätzen wie Diamanten in Botswana.

Als Sohn des ersten Staatspräsidenten von Botswana wurde Ian Khama im Oktober 2014 das zweite Mal als Präsident in seinem Amt bestätigt. Zum 50. Unabhängigkeitstag jetzt am 30. September richtet sich ein Appell an ihn, in dem der Regierung nicht nur die Mißachtung des Obersten Gerichtshofs zu Lasten der Buschleute vorgeworfen wird, sondern er sich doch für die Rechte der Barsawa, wie die Buschleute im Lande genannt werden, einsetzen möge.

Im Land der Khoi-San zählt nur der Profit durch Diamanten und Tourismus

Die Khoisan, die älteste existierende Menschengruppe, leben heute überwiegend in Angola, Botswana, Namibia und Südafrika. Ihre größte Überlebenschance beruht auf eine ausgeprägte Form der Jagd, die Ausdauerjagd. Während Zebras und Steinböcke nur über eine begrenzte Kondition verfügen, spezialisierten sich die Buschleute über das Erfolgsrezept einer langanhaltenden Hetzjagd, um schließlich ihre Beutetiere am Ende zu erlegen.

Die Profitgier angesiedelter Europäer verdrängte auch in diesem Teil Afrikas die indigenen Völker, selbst in einem ihnen verwiesenen Reservat, dem Central Kalahari Game Reserve (CKGR) inmitten Botswanas, welches als Schutzgebiet Sicherheit bieten sollte, machte die Willkür nicht Halt, weil dort zu Beginn der 1980iger Jahre das weltweit größte Diamantenvorkommen entdeckt wurde, in drei großen Räumungswellen (1997, 2002 und 2005) sie von der zuständigen Regierung vertrieben wurden. In Umsiedlungslagern zusammengepfercht, das Jagen verboten, kam Verwahrlosung auf, Depressionen und Alkoholismus folgten.

Erst durch den beherzten Einsatz etlicher Menschen und vor allem Survival International konnten zunächst Prozesse gegen die Willkür der Regierung gewonnen werden, zunächst am 13. Dezember 2006 das Recht der Buschleute, wieder ihr zugesprochenes Gebiet im CKGR zu besiedeln, in ihrem Reservat jagen zu dürfen. Dies versuchte die Regierung stets zu verhindern, es folgten weitere Klagen, 2010 den Zugang zu Trinkwasser im Reservat zu sichern. Trotz eindeutiger Gerichtsentscheide verbleiben bis heute die Repressalien, können die Buschleute nicht in Frieden im Reservat leben.

Ian Khama letzte Hoffnung?

Zumindest signalisiert die Regierung von Präsident Ian Khama Gesprächsbereitschaft. Aufgrund internationaler Aufmerksamkeit bleibt mal dahingestellt. Noch scheint die Verlockung verheißungsvoller Gewinne mittels Diamantenhandels und des Tourismus eine wesentlich größere Rolle zu spielen als die Balange der Barsawa.

Andererseits darf Ian Khama auf eine bisher ansonsten gemäßigte, im Vergleich gar zu europäischen Staaten, eher erfreuliche Politik zurückblicken, was die Korruption im Lande anbelangt, Botswana steht auf Platz 30 beim Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International (Stand 2012), zum Vergleich Italien, Polen und Spanien stehen schlechter da.

Darf man insofern optimistisch nach vorne blicken, daß der Appell an Ian Khama Wirkung zeigt, die Buschleute endlich ihre gerichtlich erwirkten Rechte respektiert und angewandt werden? Oder muß man befürchten, daß nach dem 50. Unabhängigkeitstag es lautet: The same procedure like all the time?

Lotar Martin Kamm

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