Zwielicht der Romantik


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Das Licht der Kerze auf dem Tisch verströmt
dieselbe fahle mystische Atmosphäre
wie der Vollmond, der sich am Himmelszelt
hoch oben seinem Schicksal ergibt.

Er, der sich von der brotlosen Kunst
ernährt, steht lächelnd im Wohnzimmer
über die Zwiespältigkeit, Zwielichtigkeit
der Romantik, des Mondlichtes nachsinnend.

Da sitzen sie, die Verliebten, draußen im Freien
oder zuhause bei Wein, Kerzenschein,
flüstern sich ihre ewige Liebe zu,
in Stein gemeißelt, im Baum geritzt,

unvergänglich der Moment, der Augenblick
soll bleiben für immer, ein Leben lang,
kein Schicksal sie mehr trennen kann,
furchtlos trotzend im Dämmerlicht,

wohl wissend, bald wird es wieder hell,
das Licht ist nur für Minuten abgestellt,
die Nacht weicht unbarmherzig dem Tag,
höhere Gewalten liegen ab nun brach.

Ist es des bleichen, trüben Zwielichts Schuld,
das Träumen von ritterlichen Romanzen?
Welch Narren, verführt durch Dichter Kunst,
verklärte Liebesbotschaften ersannen,

um all das furchtbare Kriegsgeschrei,
die sinnlose Moral, verlogenes Ehrbewußtsein,
die nicht für alle geltenden Tugenden
den albtraumhalten Schrecken zu nehmen.

Sollte er, der Dichter, sich für die Kunst schämen,
für den Versuch, die Chimären zu zähmen,
für die Täuschung vom immerwährenden Glück,
dem Mondlicht ähnelndem pastellenen Fallstrick,

der allen Farben, allen Wesen nur die Umrisse
in gedämpften, blassen Tönen als Einblicke gibt?
Sein lautes dröhnendes Lachen durchströmt
das Haus. Wurde nicht nach Römern die Romantik

im weitesten Sinne benannt, in Erinnerung
an jene Tage, als die wackeren Eroberer
in den dunklen kalten Gefilden des Nordens
sich durch schaurig Herzschmerz verbreitende,

erwärmende Geschichten, von bella mia,
mia casa, ihren kargen Tagesablauf versüßten?
Gelten sie nicht deshalb bis zum heutigen Tag
als die feurigsten Liebhaber? „Viva Italia!“

“Francesco, Luigi, Carlos, che diavolo ci fai lì?
Du brauchst den Mond nicht so laut anzuheulen!“
„Oh, Bella, er hat, ob du es glaubst oder nicht,
meinem Gedicht gerade gegeben den letzten Schliff.“

Nafia

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