Brasilien: Dilma räumt ihren Platz, Temer frohlockt


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flickr.com/ Senado Federal/ (CC BY 2.0)

Ein Sieg der besseren Korruption sowie des neoliberalen Kurses?

Dilma Rousseff räumt keineswegs freiwillig ihren Platz, sondern durch ein geschickt eingefädeltes Amtsenthebungsverfahren fällt heute die Entscheidung, wenn per Zwei-Drittel-Mehrheit die Senatoren gegen die noch amtierende Präsidentin stimmen, während ihr Nachfolger Michel Temer nunmehr frohlockt.

Der 75-jährige Vizepräsident somit bis zu den Neuwahlen 2018 die Amtsgeschäfte übernehmen wird, das Ende einer 13-jährigen Regierungsära der Arbeiterpartei PT, die besonders durch Dilmas Vorgänger, Präsident Lula, geprägt, das riesige Land umkrempelte, für mehr soziale Gerechtigkeit sorgte. Dennoch mußte am Ende jene Ära scheitern.

Zuviel Korruption sowie Parteien belasten Brasiliens Politik weiterhin

Wer jetzt tatsächlich meint, es würde in Brasilien aufwärts gehen, sollte sich nicht blenden lassen von den Verheißungen einer vollmundigen Privatisierungspolitik, die Michel Temer zweifellos anstreben wird. Das Desaster und somit die folgenschwere Tragik kann ein jeder mit Leichtigkeit mit Blick gen Norden zu den USA betrachten. Eine anhaltend wachsende Armut in der weltweit größten Industrienation bei gleichzeitigem Überreichtum einer kaltschnäuzigen Elite. Das soll vorbildhaft als Zukunft Brasiliens gelten?

Verhöhnung gehört wohl zum politischen Geschäft, so auch die haftend gebliebene Verabschiedung Dilmas bei einem abgehörten Telephonat mit den Worten: „Tchau, querida!“ Doch was heißt solch ein bösartiges Nachtreten? Ablenkung vor eigenem Unvermögen?

Mit Blick zu den zu bewältigenden Problemen, die dem riesigen Land bevorstehen, muß man davon ausgehen. Oder glaubt tatsächlich jemand, daß jene selbstgefälligen in Regierungsverantwortung stehenden Politiker Brasilien zurückführen werden in soziale Gerechtigkeit, mehr Arbeitsplätze und Wohlstand? Wohl eher kaum. Das Geflecht der Korruption läßt sich mitnichten einfach entwirren, zuviele Kleinparteien verzetteln sich im Machtgerangel um die besten Plätze im Parlament.

Fußball-WM, Olympische Spiele hinterlassen eine Schneise ungelöster Probleme

Während vor zwei Jahren alle Welt gen 20. Fußball-Weltmeisterschaft nach Brasilien blickte, am Ende gar gedemütigt der fünffache Fußballweltmeister im Halbfinalspiel 1:7 gegen Deutschland verlor, fragt bis heute kaum jemand nach den Problemen im Lande, inwieweit  der Raubbau der Ressourcen überhand nimmt, indigene Völker verdrängt werden, eine gigantische Agrarindustrie mittels Genfood, Insektiziden und Regenwaldabholzung die Natur vernichtet.

Auch diesjährig hält der Völkermord einfach an, ignoriert die sportbegeisterte Welt trotz abgehaltenen olympischen Spielen jene dreisten, menschenverachtenden Vorgehensweisen. Darf man sich somit noch wundern, daß selbst Dilma Rouseff ihren Posten räumen muß? Mitnichten. Es zählt wohl nur der gezielte Weg der Bereicherung, den nunmehr die Gönner von Michel Temer übernommen haben, sehr wahrscheinlich unterstützt und gesponsert durch die USA.

Lotar Martin Kamm

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