Das Ziel verfehlen


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Weit gefehlt oder etwa doch nicht?

Wer kennt sie nicht die Situation, wenn eine Socke nach dem Waschvorgang in der Maschine fehlt, wenn ein Kaffeelöffel einfach nicht mehr auffindbar, wenn die Schere auf Nimmerwiedersehen aus der Wohnung verschwunden ist, wenn Kugelschreiber sich in Luft auflösen, sie fehlen, meistens in Momenten, wenn sie doch dringend erforderlich sind. Es fehlt genügend Schlaf, es fehlt der richtige Partner, es fehlt an materiellen Wohlstand, es fehlt an Phantasie.

Es gibt kaum etwas, das nicht fehlen kann, für den einen mehr für den anderen weniger im Laufe seines Lebens. Weit gefehlt oder doch nicht? Er fehlte auf der Feier, es fehlte die nötige Vorsicht, der Reservereifen fehlte, es fehlten mehrere Stühle, es fehlte der Glauben, das Wissen, die Einsicht, die Sonne fehlte, es fehlt an allen Ecken und Enden. Sie verfehlte den Bus, er verfehlte in seinem Handeln.

So ganz fehlerlos kommt keiner durchs Leben, der Unterschied zwischen den Menschen besteht nur in der persönlichen Bereitschaft, zu Fehlern zu stehen oder sie von sich zu weisen. Fehlen die Fehler gänzlich in einem Leben, so kann man ohne Bedenken von einem egoistischen, eventuell kombiniert mit narzißtischen Wesenszügen, Menschen ausgehen.

Fehlen leitet sich vom Mittelhochdeutschen vælen, vēlen ab, verfehlen, sich irren, lateinisch fallere, ab. Das Wort Fehler leitet sich ab ca. dem 15 Jahrhundert vom fehl Schießen, beim Bogenschießen. Auch wurde es eingesetzt bei der Lotterie, ob ihr losz unter den treffern oder fehlern stehen würde. (DWB) Durch den Fehler, das nicht Treffen, verfehlen wir das Ziel, kann man doch so sagen, oder? Durch das Fehlen, sich irren, treffen wir den Fehler, geht auch, oder etwa nicht?

Beide Wörter versinnbildlichen einen Verlust und ein Versagen. Beides wird nicht nur heutzutage, auch wenn dies von manchen vehement abgestritten wird, gerne als nicht existent oder als nicht empfehlenswert, schlimmer sogar als abwertend in Bezug zu einer Person gestellt. Obwohl das Sprichwort sagt: Aus Fehlern lernt man! Und doch ist es verpönt, wird gerne, weil es einen Verlust, ein Manko darstellt, entweder durch die Person selber oder durch andere vertuscht, so daß schließlich nur der vollendete perfekte Mensch ohne Fehler lieber in der Gesellschaft aufgenommen wird.

Dies führt häufig zur Selbstlüge, beziehungsweise zu einer verlogenen Gesellschaft. Allerdings gibt es, wie könnte es auch anders sein, den Umkehrschluß, nämlich Menschen und Gesellschaften, die bewußt damit kokettieren, etwas mehr Zuwendung zu bekommen, wenn sie ihre Fehlleistungen und ihre fehlenden Sonstirgendwas in den Vordergrund stellen.

Zu Fehlern zu stehen, ist nicht immer einfach, aber die Mühe lohnt zu lernen, entweder um besser in irgendeiner Angelegenheit zu werden oder um besser sich selbst kennenzulernen. Wenn der Fehler fehlt, verfehlen Sie das Ziel, sich selbst zu finden.

Doris Mock-Kamm

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2 Antworten zu Das Ziel verfehlen

  1. gkazakou schreibt:

    Interessant. und be-fehlen, emp-fehlen … wie kommen die in die Fehlerreihe?

    Gefällt 2 Personen

    • quittenbluete schreibt:

      Liebe Gerda, danke für die Anmerkung. Es wird ein bißchen schwierig werden, die Wörter befehlen und empfehlen zu fehlen und Fehler in Bezug zu stellen. Aber erstaunlicherweise gibt das Wort befehlen einen interessanten Ursprung.

      Befehlen, mittelhochdeutsch bevelhen, althochdeutsch bifel(a)han , das bedeutet übergeben, anvertrauen und entsprach ursprünglich der Erde anvertrauen, begraben, später auch im Zusammenhang zum Schutz anvertrauen. Entspricht im weiteren Sinne auch einem fehlen und einem Verlust. Vielleicht in mancher Hinsicht auch einer Fehlentscheidung der „Götter“, „Gott“.

      Empfehlen, mittelhochdeutsch enphelhen, enphelen, zur Bewahrung oder Besorgung übergeben scheint eng mit dem befehlen, der Erde anvertrauen, sprachlich verwandt zu sein.

      Das Wort Befehl wird zunehmend in dem jetzigen Sprachgebrauch meistens als Anordnung, Gebot, Vorschrift benützt, in alten oder älteren Schriften kann das befehlen oft noch, „ich befehle mich an“ besser in seinem Ursprung erkannt werden und dadurch ebenso die Erklärung zur Wortschöpfung „empfehlen“.

      Wenn ich eine Empfehlung ausspreche oder empfehle, überantworte ich jemand oder etwas in andere Obhut. Es ist ebenso hier ein Hinweis zu fehlen und Fehler, mehrere Unwegsamkeiten stehen in jeder Empfehlung. Viele Briefe wurden mit der Floskel, ich empfehle mich, beendet. Hieß entweder, ich biedere mich an oder ich verabschiede mich.

      Hoffe, die kleine Wortreise war aufschlußreich. Ich werde mit Sicherheit mich mit den beiden Wortkreationen befehlen und empfehlen in naher Zukunft intensiver auseinandersetzen.

      Liebe Grüße
      Doris

      Gefällt 1 Person

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