Überlinger Platanenallee soll der Landesgartenschau weichen


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flickr.com/ Philipp Zieger – http://www.philippzieger-photographie.de/ (CC BY-NC-ND 2.0)

Verschleierungstaktik politischer Entscheidungsträger äußerst fragwürdig

Natürlich rollt auch im Ländle der Euro, ganz besonders bei größeren Bauvorhaben wie man leidlich anhand von Stuttgart 21 ersehen kann. Aber diese Thematik mag an anderer Stelle fortgeführt werden. Die Tradition der Gartenschau geht zurück in die Zeit des fanzösischen Sonnenkönigs, den Grafen und Kurfürsten bis hin zur ersten Internationalen Land- und Gartenbauausstellung in Erfurt des Jahres 1865.

Die geplante 40. Landesgartenschau 2020 für Baden-Württemberg in Überlingen am Bodensee steht unter keinem guten Stern, da die uralte Überlinger Platanenallee weichen soll, zumal eine offensichtlich von langer Hand geplante Verschleierungstaktik politischer Entscheidungsträger vor Ort zu greifen scheint, als unbedingt äußerst fragwürdig sich erweist.

Ein langer Hickhack, der nichts gutes im Schilde führt

Mit Blick zur Artikelreihe des Südkuriers vermag man sehr schnell den Leidensweg und den Druck der örtlichen Reibereien um die besagte Platanenallee erkennen. Was geschieht da vor den Augen der Bürger in Überlingen am Bodensee? Einerseits organisiert sich völlig zurecht der Verein Bürgersinn, der verwundert feststellt, daß der Landschaftsarchitekt Johann Senner viel zu spät sich für den Erhalt der Platanenallee sowie der alten Ufermauer einsetzt, als bereits die Entscheidung für den Entwurf der Berliner Kollegin Marianne Mommsen gefallen war.

Zum anderen sind die Fronten inzwischen erheblich verhärtet, hat sich gar der in Überlingen-Nußdorf ansässige Schriftsteller und Dichter Martin Walser aufgerufen gefühlt, ebenso sich für den Erhalt der Platanenallee einzusetzen, in dem er dem Südkurier aus Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ eine Textpassage zitierte, in der Werther sich explizit über das Fällen von Nußbäumen aufregt.

Oberbürgermeisterin Sabine Beckers offener Brief an Walser eine einzige Farce

Exemplarisch und äußerst typisch in ihrer „Kleingeistigkeit“ die Reaktion seitens der Oberbürgermeisterin Sabine Becker, die in einem offenen Brief an Martin Walser Stellung bezieht, dabei mit dünnen Argumenten aufwartet: letztlich eine einzige Farce.

Anstatt einsichtig zu erkennen, welcher Verlust die Platanenallee darstellt, kontert sie mit einem Zitat des schwedischen Schriftstellers Henning Mankell, „Information sei nicht Wissen“, – man fragt sich schon, welch findiger Schreiberling ihr dabei zuhilfe eilte -, um schließlich die entstandene Diskurse in der öffentlichen Meinung in die Nähe einer Facebook-Manier zu wähnen. Daß Walser nur ein Beispiel nannte, gibt ihr längst nicht das Recht, sich auf Nußbäume „festzubeißen“, diesen gar einen höheren Stellenwert gegenüber Platanen zu geben.

Befinden sich die betroffenen alten Bäume etwa in einem Wettbewerb zwischen angeblichen Nutzen und lästigem Bild in der Landschaft? Die Oberbürgermeisterin ignoriert schlicht die Bemühung, die ohne weiteres hätte erfolgen müssen, den alten Baumbestand der Platanenallee in die Planungen der Landesgartenschau zu integrieren.

Vom Berliner Schreibtisch aus obsiegte wohl das Neue, das kahlschlagartig sich über eine transparente Vorgehensweise seitens örtlicher Politik sowohl im Vorfeld als auch während der Planung hinwegsetzte, die Bürger lieber im Unklaren ließ, dabei wohl deren Unschlüssigkeit ausnutzend. Das Nachsehen haben scheinbar jetzt die uralten Platanen, die alte Ufermauer, falls nicht doch noch ein Wunder geschieht.

Lotar Martin Kamm

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7 Antworten zu Überlinger Platanenallee soll der Landesgartenschau weichen

  1. quittenbluete schreibt:

    „Nicht jeder Einwohner Überlingens hat ein privates Seegrundstück oder ein Gärtchen, von dem aus er im Sommer direkt zum Schwimmen in den See steigen kann.
    Welch ein Genuss das sommerliche Bad im See bereitet, wissen Sie und ich wohl aus eigenem Erleben. Um ein solches Seegrundstück und dieses Vergnügen allen Einwohnern bieten zu können, benötigen wir einen großen öffentlichen Park mit freien Seezugänge.“ (Auszug aus dem offenen Brief von OB Sabine Becker)

    Sollte etwa Überlingen das erste „Wildbaden“ erlauben? Gibt es nicht bereits zwei Badeanstalten, das Ost- und Westbad? Und werden zukünftig alle Seegrundstückbesitzer ihre Tore öffnen, um die Bevölkerung in den Genuß des kostenlosen Vergnügens zu gönnen, wohl kaum. Die meisten Seegrundstücke sind bereits seit Generationen in privaten Besitzungen.

    „Die B 31, die ehemalige Reichstraße 31, wurde einst auch als Promenadenstraße direkt am Seeufer gebaut, von der aus Automobilisten die schönsten Ausblicke auf den Bodensee haben sollten.“ (Auszug aus dem offenen Brief von OB Sabine Becker)

    Die ehemalige Reichstraße 31 wurde vor allen Dingen so nah am Ufer gebaut, weil sich zwischen See und Land teilweise nur ein kleiner Streifen anbot. Zur Erinnerung, stellenweise gibt es keine 50-100 Meter bis zum nächten Hang. Im übrigen sind die Verbindungswege entlang des Bodensees zu den einzelnen Ortschaften bereits über Jahrhunderte angelegt, sodaß es sich bei den Baumaßnahmen zur Reichstraße 31 lediglich um Verbesserungen der Straße gehandelt haben dürfte.

    Gefällt 3 Personen

  2. Ruhrköpfe schreibt:

    krass! Eine schöne alte Platanenallee lässt sich nicht nur gut integrieren, sondern ist eine echte Bereicherung für die Landesgartenschau. Ich hoffe, sie bleibt euch erhalten!

    Gefällt 3 Personen

    • L.Bagusch schreibt:

      Sehe ich auch so !
      Da soll eine Landesgartenschau veranstaltet werden, und dafür sollen alte ehrwürdige Bäume gefällt werden ??? Das widerspricht sich doch !
      Das ist so, als ob ein Jahrmarkt mitten in einem Wohngebiet gemacht wird, und es müssen einige Häuser abgerissen werden, weil die im Weg stehen ?
      Ist etwas krass dargestellt, aber es geht um den Sinn der Sache. 😉

      Gefällt 4 Personen

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