Eintauchen in die Welt verträumter Sphären


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Unsere Instinkte sind keineswegs abhanden gekommen

Sicher waren nicht wenige Eltern begeistert, als Anfang der 1980iger Jahre die ersten Lexika für Kinder auf den Markt kamen. Bedeutete dies doch in einigen Situationen die Rettung, wenn aus heiterem Himmel Fragen auftauchten, die eigentlich für die Erwachsenenwelt keine Bedeutung mehr hatten, aber in dem Versuch eine Erklärungsformulierung zu finden, damit Kinder die Antwort auch verstehen können, die gesamte Wortvielfalt auseinanderbrach und man schlußendlich eingestehen mußte, unfähig zu sein, einfaches verständlich zu erklären.

Sicherlich waren mit diesen Lexika nicht alle Fragen zu beantworten, die aus einem Kindermund so formuliert werden können, daß selbst viel Belesene zu hoffentlich weitreichend vorhandenen „Bildungswerken“ greifen müssen. Aber immerhin bestand dadurch die Möglichkeit, kindgerechte Formulierungen wieder zu ergattern, die es erleichterten, einigermaßen sachbezogen zu antworten.

Es ist bis heute aber erstaunlich, daß Sprache nicht anhand von Begriffen, die schließlich zur Entstehung vieler Wörter beigetragen haben, erklärt wird. Damit würde auch gleichzeitig ein Verständnis und Erkennen für andere Sprachen möglich werden. Nicht nur die sogenannten indogermanischen Sprachen bieten ein Füllhorn von gleichen, wenn nicht selbigen Wortstämmen, die bisweilen sogar einen Bezug zur Kulturgeschichte darstellen vermögen.

Kinder nehmen, auch wenn es immer noch von einigen Erwachsenen teilweise dementiert wird, sehr vieles unbewußt, unterbewußt auf. Es scheint zuweilen, sie besäßen einen Sinn mehr, der in der Erwachsenenwelt nicht mehr zum Tragen kommt. Falls Sie denken, das Kind spielt verträumt vor sich hin, völlig in seiner Phantasiewelt, so können Sie ohne weiteres damit überrascht werden, daß dieses Kind Ihnen zur Thematik des Gespräches entweder eine Zutat des Kuchen benennen kann oder sogar in klarer Form Ihnen die entfallene Zutat Hirschhornsalz nennt.

Vielleicht ist es ein Teil des Instinktes, unbewußt gesteuerter natürlicher Antrieb zu bestimmten Verhaltungsweisen, der bei Kindern veranlaßt, obwohl träumerisch in anderen Sphären, doch die nächste Umgebung genau zu registrieren und reflektieren. Instinkt, vom lateinischen instinguere, anstacheln, antreiben.

Der Instinkt wird besonders immer wieder bei Tieren hervorgehoben, als natürliche Vererbung, ohne Lernstudien im Babyalter, sondern als Erbmasse, die keinerlei Lernvorgaben benötigt. Dem Menschen werden nicht allzu viele Instinkte mit in die Wiege gelegt, so die allgemeine Meinung. Der menschliche Instinkt bezieht sich oft auf das Bauchgefühl, Spürsinn, Ahnung, wenn Entscheidungen anstehen oder als Warnung.

Warum sollte der Instinkt nicht auch auf geistiger Ebene als Antreiber, Anstachler seinen „Zweck“ erfüllen?

„Was sie aber schwerlich wissen können (weil das genie sich immer selbst das gröste geheimnis bleibt), ist die schöne übereinstimmung ihres philosophischen instinctes mit den reinsten resultaten der speculirenden vernunft. Schiller an Göthe 1, 7; vorige woche bin ich von einem sonderbaren instincte befallen worden. Göthe an Schiller“

„instinktmäszig, adj.: der glaube von instinktmäsziger einkräftigkeit des genies.“ (Auszug aus DWB zum Stichwort Instinkt)

Würden wir uns der Mühe stellen, fragenden Kindern, auch bei den Begriffserklärungen gleichzeitig den Bezug zur Wortherkunft zu vermitteln, könnten eventuell die geistigen Instinkte zu einem vermehrten philosophischen Instinkt verhelfen, und/oder sogar die reinsten Resultate der spekulierenden Vernunft ergänzen.

Doris Mock-Kamm

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Eine Antwort zu Eintauchen in die Welt verträumter Sphären

  1. Arno von Rosen schreibt:

    Alles was nicht in Brehms Tierleben, dem großen Brockhaus oder dem Duden nachzulesen war, hatte uns nicht zu interessieren 😉

    Gefällt 2 Personen

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