Dem Trostpflaster notwendigen Raum geben


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Besingen durchaus ein heilendes Schmerzmittel

Heile, heile Segen, morgen gibt es Regen, übermorgen gibt es Schnee, dann tut’s auch nicht mehr weh. Dieser Kinderreim ist schätzungsweise bei jedem Erwachsenen noch sehr gut in Erinnerung, wurde und wird er doch so oder in ähnlicher Form, es gibt mehrere Varianten davon, bei sämtlichen kleinen und größeren Verletzungen gesungen, um für das Kind den Schmerz erträglicher werden zu lassen, als Ablenkung nicht mehr an den Schmerz zu denken in Verbindung mit gleichzeitiger Nähe und Fürsorge von der Person, die das Kind betreut.

Es ist das erste Trostpflästerchen, das nicht real zu sehen ist, sondern nur als singende Reimform Wunder vollbringen kann. Je nach Verletzungsgrad ist natürlich ein Säubern der Wunde mit anschließendem Verband oder unter Zuhilfenahme eines Pflasters die Wunde zu versorgen. Auch ein Arztbesuch kann nötig werden, wenn es sich um Brüche, Verstauchungen oder innere Verletzungen handelt. Seit die Pflaster nicht mehr so teuer sind, bekommen die Kinder inzwischen zum Trost schon mal mehrere Pflaster, um sie verteilt auf dem Körper zu platzieren Die Auswahl bei Pflastern für Kinder, je nach gerade beliebten Figuren, ist inzwischen enorm. Leider ist bei einigen Pflastern, speziell für Kinder, die Qualität nicht sonderlich, man bezahlt eher die Lizenz für die Figuren.

Pflaster hat den Weg über die griechische und lateinische Sprache zu uns gefunden, es bedeutete ursprünglich das zu Heilzwecken Aufgeschmierte. Gemeint waren damit Salben, die mittels Tüchern auf die Wunden zur Heilung gelegt wurden. Die andere Bedeutung für Pflaster, die Pflastersteine sind übrigens ebenso diesem Aufgeschmierten entlehnt und zwar durch das Bestreichen von Leinen mit Gips zu Verbänden zur Heilung, das wiederum führte zur Erklärung für das Estrichlegen.

Nun ist oftmals das Auftragen von einem Pflaster die reine Erstversorgung. Nicht jede Wunde, Verletzung ist damit schon geheilt, Heilprozesse können über Tage, Wochen, Monate, sogar über Jahre dauern. Egal ob äußere, innere Verletzungen, die Pflege, das Kümmern, das Versorgen ist mitunter ein entscheidender Faktor zur endgültigen Heilung.

Die Herkunft des Wortes Pflege ist nicht mehr eindeutig nachzuvollziehen, hat aber in etwa die Bedeutung, sich für etwas einsetzen, einstehen und ist mit dem Wort Pflicht verwandt. Eigentlich nicht verwunderlich. Als Erziehungsberechtigter, Erwachsener ist es, von der bestmöglichsten Handlungsweise ausgehend, selbstverständlich Kindern, Hilfebedürftigen Trost, Pflege zukommen zulassen, wenn diese Hilfe brauchen.

Oftmals wird über diese Hilfeleistung nicht bewußt nachgedacht, sondern sie geschieht aus einer inneren Regung. Diese Regung bringt uns zum Streicheln, Aufschmieren (Pflaster) und zum Einsetzen von Pflege. Das oftmals in Reimform gesungene Trostpflästerchen, das uns unbewußt über die Lippen kommt, wenn wir ein weinendes Kind trösten, ist bis heute nicht wirklich anerkannt, obwohl Heilgesänge in fast allen Kulturen zur Anwendung kamen und die Auswirkung von Tönen sogar bei Pflanzen beobachtet werden.

Auch wenn der Reim „Heile, heile Segen“ vielleicht aus der Mode gekommen sein mag, so ist und bleibt das Besingen ein Pflaster, das bei manchen Menschen bis ins hohe Alter ein heilendes Schmerzmittel aus frühester Kindheit darstellt.

Doris Mock-Kamm

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