Aversionen belasten unser Dasein


https://pixabay.com/de/kinder-spielen-pfad-s%C3%BC%C3%9F-bezaubernd-839789/

pixabay.com

Kein Entrinnen aus Empfindlichkeiten?

Keiner kann sicher mit hundertprozentiger Überzeugung versichern, daß seine Eltern und sein näheres Umfeld alles richtig gemacht haben, während der Zeit des Heranwachsens zu einer eigenständigen Persönlichkeit. Allerdings sind es nicht immer die großen Fehler wie Schlagen, Bestrafungen verschiedenster Art, die selbst oft bis ins hohe Alter Belastungen der Seele hervorrufen können, sondern es können auch weniger auffällige, kleine, fast unbedeutende Vorkommnisse sein, die als nie zu verstehendes Einzug in die Lebenseinstellungen eines Menschen finden können.

Bei einigen, wenn nicht sogar vielen Menschen, wird das von Müttern, Tanten gerne angewandte Säubern des Gesichtes, bestenfalls der Hände oder des Beins in Erinnerung verhaftet sein, bei der unter Zuhilfenahme von Spucke und einem Tuch der Versuch und natürlich auch zu einem guten Ergebnis kommenden Reinigung dieser benannten Partien gegriffen wurde. Auch das vehemente Wegstreicheln einer Haarsträhne aus dem Gesicht kann langwierige Aversionen zu jeglicher artverwandten Handlung bewirken.

Beim Gespräch mit einem Gegenüber eine zu enge Distanz walten zu lassen und während des Redeflußes immer wieder mal den andern zu berühren, ihn sanft oder etwas heftiger auf die Schultern, den Arm zu tätscheln, vermag bis ins hohe Alter eine überaus strenge Markierungslinie heraufbeschwören, die nicht durchbrochen werden kann, ohne ein leichtes Schauern zu verursachen. Wen mag es wundern, wenn man Menschen trifft, die eine aufkommende Übelkeit verspüren beim Anblick von gestärkter Bettwäsche, womöglich noch in Verbindung mit Mottenkugelngeruch, bestenfalls aber nur mit einer Spur von Lavendel- oder Rosenduft.

Sicher sind die oben erwähnten Beispiele nicht unbedingt in irgendwelcher böser Absicht oder allein der Schuld einer Person innerhalb einer Familie zuzuschieben, sondern natürlich individuell den jeweiligen Personen gegenüber, die diese Handlungen auf die Palme bringen können. Dennoch sind solche oder ähnliche Erlebnisse oft nicht auszumerzen und hinterlassen eine feste Konstante im Leben.

Kindern, die bestimmte Lebensmittel essen mußten, wird es schwerfallen, diese später eventuell als Köstlichkeit zu genießen. So wird es für manche unverständlich bleiben, wenn einem Erwachsenen eine leichte Röte ins Gesicht steigt, sobald Tomaten, egal in welcher Art und Weise serviert werden. Seine Überempfindlichkeit erklärt sich aus dem Familienbetrieb, der sich dem Tomatenanbau verschrieben hatte, sodaß er Tomate als Keimling, Setzling, grün und rot, so überdrüssig ist, er diesem Gemüse keinerlei Sympathien entgegenbringen kann.

Ob gewisse Aversionen aus individueller Abneigung oder durch äußere Umstände geprägt wurden, also durch die Familien, ist manchmal im Nachhinein nicht mehr eindeutig zu benennen. Tatsache bleibt allerdings, egal in welchem Umfeld Menschen aufwachsen, es wird sich irgendetwas einfinden, das nicht behagt, das nicht mit dem Wesen harmonisiert. Auch wenn alle andern es nicht nachvollziehen können, so bleibt es für die Kolumnistin ein Greul, Kuchen mit Rosinen zu essen.

Doris Mock-Kamm

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kolumne abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Aversionen belasten unser Dasein

  1. Pingback: https://querdenkende.com/2016/08/24/aversionen-belasten-unser-dasein/ | behindertvertriebentessarzblog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s