Urlaub von der Pause


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Die fanatischen Festtage sind vorbei

Wenn die Gelegenheit sich ergibt, eine Auswahl zu treffen von mehreren Angeboten, ist es nicht immer einfach, das wirklich Gewünschte auch stolz in der Tasche nach Hause zu tragen. Denn es kann ohne weiteres möglich sein, doch nicht für das richtige Produkt sich entschieden zu haben. Restzweifel können sich einschleichen, außer man besitzt eine gefüllte Geldbörse, um von dem Angebot gleich mehrere Waren zu kaufen.

Oder die Entscheidung wird dem männlichen Haushaltsvorstand überlassen, der höchstwahrscheinlich aus dem Angebot zwei bis drei gleiche Teile kauft, handelt es sich um Baumaterial oder Werkzeug, eine höchstmögliche Menge ergattert, die für etliche Monate wenn nicht über Jahre sorgsam gehütet in der Werkstatt oder Garage anschließend ihr Dasein fristen, bis sie endlich zur Anwendung kommen oder ein Dasein genießen, auf immer und ewig im Neuzustand einen geschützten Platz gefunden zu haben.

Nun neigen sich bald wieder im gesamten Bundesgebiet die Ferienzeiten der Schulen und die Sommerurlaube der Arbeiter und Angestellten ihrem Ende zu und der alltägliche Alltagstrott umfängt einen Großteil der Bevölkerung in seinen Klauen. Unterbrochen durch Feiertage und Pausen während der täglichen Beschäftigung. Vielleicht überlegt der ein oder andere auch schon die nächste Reiseroute oder rechnet sich die Feiertage aus, die noch im Restjahr zu erwarten sind oder freut sich schlichtweg über jede nur zu bietende Pause mit dem Wunsch einer Auszeit seiner Pflichten.

Welches von den drei Ruhezeiten, Urlaub, Pause, Ferien besser zu jedem paßt, der kann sich einen besseren Überblick verschaffen, wenn er die Bedeutungen hinter den Wörtern kennt.

Der Urlaub ist wortverwandt, wie könnte es anders sein, mit erlauben, althochdeutsch urloup Erlaubnis (wegzugehen). Pause, mittelhochdeutsch pūse, aus dem Lateinischen pausa, bedeutet aufhören. Ferien entstammt dem lateinischen Wort feriae, wer kennt es nicht aus dem Lateinunterricht, als in der Sexta begonnen wurde, den Kindern mit zu erkennenden Wortherleitungen die ansonsten wenig geliebte Stunde einigermaßen interessant zu gestalten. Feriae waren Fest- Ruhetage für religiöse Handlungen. Die Wortverbindung beinhaltet fanum, fanatisch und festus, Fest und zusammen eben religiöse Handlung oder fanatische Feste.

Vielleicht liegt bei Kindern in den Ferien deshalb ständig in der Luft, die Lust nach unaufhörlichem Mehr an Erlebbaren? Wer weiß. Auszuschließen wäre es nicht, denn schließlich bekommen die Kinder Ferien und keinen Urlaub. Nur die Pausen sind bei Erwachsenen und Schülern in den jeweiligen Beschäftigungen gleich.

Haben Sie aufgrund der Worterklärungen ihre bevorzugte Ruhezeit finden können? Oder sind Sie über das Angebotene nicht wirklich schlüssig, was am besten zu Ihnen paßt? Wie wäre es mit Pause vom Urlaub? Aufhören vom Erlauben. Oder doch lieber Urlaub von der Pause? Erlaubnis vom Aufhören. Vielleicht bevorzugen Sie Ferien von der Pause? Fanatische Feste vom Aufhören?

Es gäbe da noch anzubieten Urlaub von den Ferien und Pause von den Ferien, oder Sie wollen einfach und schlicht ihre Ruhe. Ruhe, althochdeutsch ruowa, verwandt mit Rast. Rast, althochdeutsch rasta, nein, nicht wirklich die Vorwegnahme der jamaikanischen Glaubensrichtung Rastafari, auch nicht eine Muschelgattung, auch keine Dreadlocks, die teilweise beliebten geflochtenen Zöpfe, sondern das Wort für Ruhe, Rast, Wegstrecke, Zeitraum. Eher angelehnt an das altgermanische Längenmaß Rasta, das ungefähr zweidrittel einer geographischen Meile entsprach.

Vielleicht ist die Entscheidungsfrage diesbezüglich, doch lieber einem männlichen Hausgenossen zu überlassen, der wird höchstwahrscheinlich von allen Möglichkeiten etwas aussuchen und bei passender Gelegenheit etwas davon zum Einsatz bringen. Der Rest darf dann in Ruhe seinen Platz in den Regalen, in den Ecken, übereinandergestapelt, auf den Schränken, und wenn schließlich auch noch vorhanden, auf dem Dachboden und im Gartenhäuschen auf ihren Einsatz warten.

Doris Mock-Kamm

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3 Antworten zu Urlaub von der Pause

  1. Arno von Rosen schreibt:

    Ganz klar Pause, für immer 😉

    Gefällt 2 Personen

  2. gkazakou schreibt:

    Hab ich gern gelesen.
    Vielleicht interessiert die griechische Variante? άδεια – das ist der Urlaub und kommt von Genehmigung. ZB geben mir die Behörden die άδεια etwas zu tun, zB Auto zu fahren (Führerschein), ein Haus zu bauen (Baugenehmigung), mich aufzuhalten (Aufenthaltsgenehmigung) – oder eben: nicht zur Arbeit zu erscheinen (Urlaub). Den haben öffentliche Bedienstete, während der Arbeiter traditioneller Weise froh ist, einen μεροκαμματο (Tageslohn) und nicht zu viele freie Tage zu haben, und der Ausländer, eine άδεια απασχόλησης (Arbeitserlaubnis) zu ergattern.
    Die Schulkinder hingegen haben διακοπές – das sind Unterbrechungen, im Singular auch zB als Unterbrechung der Stromzufuhr, Unterbrechung der Sendung wegen einer aktuellen Nachricht etc.
    Die Pause heißt διάλειμα und ist am besten zu übersetzen mit „ich bin dann mal weg“ (λείπω bedeutet wegsein, fehlen, δια bedeutet zwischen, dazwischen).
    LG Gerda

    Gefällt 3 Personen

    • quittenbluete schreibt:

      Danke liebe Gerda für deine Ausführungen zu diesem Thema. Es bleibt immer wieder eine spannende Reise durch manche Wortbegriffe und ihr Zustandekommen. Die griechischen Wörter gleichen in den Aussagen den Wortursprüngen, die auch hier Anwendung finden. Ich schließe daraus, daß auch eine gesellschaftliche Verwandschaft nicht auszuschließen ist. Mir persönlich gefällt die Zusammensetzung des Wortes Ferien, da die „fanatischen Feste“ eine Menge Spielraum bieten für das „Ausmalen der Handlungen“ bei Zeremonien während dieser Feiern.
      Doris

      Gefällt 1 Person

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