Rebellion gegen moralisierend verlogene Zwänge


https://pixabay.com/de/graffiti-farbig-bunt-dekorativ-482386/

pixabay.com

Wenn der Sermon von Verhaltensmaßregelungen kein Ende nimmt

»Wenn hirnverbrannte, junge Idioten wirres Zeug über das wirklich zu sein habende Leben, gespickt mit Tugenden und Moral, von sich geben, obwohl sie selbst noch nicht über den Tellerrand des Daseins ihres eigenen Lebens geguckt haben, dann scheint eine Ignoranz der verschiedensten Lebensformen bereits tief verwurzelt zu sein.

Nicht mal den Kinderschuhen entwachsen, vertreten sie die inzwischen weitläufige Meinung, Ehen, Lieben, Zukunftsbilder in ihrer vermeintlichen Reinform müssten für alles Leben und ein Leben lang Bestand haben. Vermutlich genießen sie noch ein wohl versorgtes Leben in ihrem Elternhaus und träumen sich eine Schmonzette aus den etlichen romantischen Liebesfilmen oder aus den kleinen Romanheften, in denen die reine Liebe trotz Widerständen und Hindernissen am Ende in einer Ehe mit glücklichen Kindern, die hinter dem Reihenhaus mit fünf Zentimeter geschnittenen Rasen spielen.«

»Meine Damen und Herren, ich sage Ihnen es offen und ehrlich, wenn wir die Moral nicht wieder an die Zügel legen, werden in kürzester Zeit die Zustände von Sodom und Gomorrha wieder in den Straßen herrschen. Es ist die Pflicht eines jeden Bürgers, die Werte der Ehe über die Werte des Individuums zu stellen.

Denn eine einmal geschlossene Verbundenheit löst man nicht auf, nur weil es Zeiten gibt, in denen man einer Prüfung unterzogen wird, durch geschürte Anreize einiger Medien, die bewußt alles unternehmen, die Menschen manipulativ davon zu überzeugen, daß sobald die Liebe ein bißchen abflaut, sich lieber in eine andere Liebschaft zu begeben. Die Ehe ist ein fester Bestandteil als Hort der Sicherheit für unsere Kinder, und deshalb besteht die Verpflichtung, sie aufrecht zu erhalten, damit die Kinder die Ehrhaftigkeit übernehmen und nicht schamlose, ständig Partner wechselnde Ich bezogene Menschen werden.«

Dies sind zwei Beispiele, die man unter dem Begriff „Sermon“ so oder ähnlich in seiner direkten Umgebung oder durch Erzählungen zu lesen oder hören bekommt. Manchen mag dabei auffallen, daß diese beiden Beispiele ohne weiteres in abgewandelter Form auch an frühere Zeiten erinnern. Dabei ist nicht nur an das vorherige Jahrhundert zu denken. Schon immer wieder gab es Zeiten, in denen es einen massiven Widerstreit zwischen den Verfechtern einer Moral-, Pflichtgesellschaft und den Verfechtern gegen die verlogene, mit Zwängen behaftete, verklemmte Saubermann-Gesellschaft gab.

Der „Sermon“, die Rede, Predigt aus dem Lateinischen sermo, Wechselrede, Gespräch ist den meisten sicher noch aus der Jugendzeit bekannt, wenn die Eltern ständig die gleichen Verhaltensmaßregelungen und Zurechtweisungen auf der Platte hatten und der Sermon kein Ende nahm. Schon zu Zeiten Luthers wurden gewisse Predigten, Reden in den Schriften als Sermon aufgeführt, also als Vorträge, die eher als ein Schwadronieren, wirres Zeug, Gelaber, langweiliges Gebabbel eingestuft wurden.

Durch den prediger zum spital auff dem predigstul ein schöne sermon die gepurt und das lob k. mt. betreffent beschehen.“ und „letst fieng er doch an, das evangelium zu verkünden und thet aber gar ein kurtze sermon.“ (Gebrüder Grimm)

Wer bedient sich gerne so eines Sermons, eines Geschwafels, eines Gesülzes, eines Geplappers? Nun, meistens wohl Menschen, die der Ansicht sind, durch ständiges Wiederholen oder durch ausführlichstes Aneinanderreihen von an uns für sich gleichen Gedankengängen, ihren Meinungen und Ansichten den Anschein dringlichster Aufmerksamkeit zu vermitteln.

Warum sind solche Sermone in gewissen Zeiten in Mode, oft in Verbindung mit moralischen Zeigefingern? Meistens deshalb, wenn bestehende Gesellschaftsformen sich in einer zu verändernden Phase befinden, (deshalb der Vergleich zur Pubertät, in denen Jugendliche den Sermon der Eltern über sich ergehen lassen) und verstärkt in Zeiten, in denen oft durch soziale Umbrüche, Naturkatastrophen, Kriegsgefahren die sogenannten alten Werte nicht mehr den ihnen zuerkannten Stellenwert zugerechnet werden.

Jeder wird so seine eigene Art haben, sich gegen die Sermons unserer Tage zur Wehr zu setzen, denn eine schlichte Regel gibt es dafür nicht. Schlußendlich muß aber jeder für sich entscheiden, wieviel Wahrheit hinter jeder Rede steckt.

Doris Mock-Kamm

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kolumne abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s