Welt der Superlative – Menschlichkeit bleibt auf der Strecke


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Wer keine Meinung hat, ordnet sich der Manipulation unter

Menschen richten und messen gern, prangern an und verurteilen, hetzen und diffamieren, das alles nur, um sich selbst zu profilieren. Dabei wird jedes ersonnene Argument wie auf einem Marktplatz feilgeboten im Run des Spektakels, während eine erstaunte Zuhörer- und Leserschaft nicht schnell genug folgen kann, weil Geschehenes seine Zeit der Verarbeitung braucht.

In einer Welt der Superlative bleibt die Menschlichkeit immer mehr auf der Strecke, Hauptsache man hat sich geäußert, sich Luft gemacht, ohne zu bedenken, wie komplex kompliziert Zusammenhänge eigentlich sich gestalten. Es wird nicht mehr differenziert, sondern viel eher phrasenhaft vorschnell verurteilt, sind doch die ewig gestrigen Mitläufer geblieben, da es so schön bequem ist, keine Meinung zu haben, sondern sich ergebend zu fügen im Kollektiv.

Moralischer Zerfall findet stets Wege der Entfaltung

Einfach mal das Wort „Moral“ in Google eingeben und bei Wikipedia vorbeischauen, wo ein Satz besonders deutlich und kurz ihr Wesen erklärt: „Moral beschreibt demnach, wie Menschen faktisch handeln und zu Handeln erwarten oder auch, was sie dabei faktisch für richtig halten.“ Handeln wir Menschen wirklich faktisch angesichts einer massenmedienbehafteten Manipulation, wie sie die Welt noch niemals zuvor erleben mußte?

Vor gar nicht so langer Zeit hatte die Menschheit noch keine globale Vernetzung im Sekundentakt, das WWW feierte gestern seine 25-jährige Geburtsstunde. Wenn Nachrichten die Runde machten, dann dauerte dies halt Tage, Wochen oder gar Monate, bis hin zu den vielen unterlassenen. Genau dies stellt den Hauptgrund dar, warum die Geschichte stets neu geschrieben werden muß, angesichts der Tragweite historischer Verfälschungen, meist aus machtpolitischen Erwägungen. Also, was bedeuten dann Fakten, wenn sie bis heute nicht immer der Wahrheit entsprechen, sogar ganz gegenteilige Argumente vorgetragen werden?

Allein schon bei dieser Hinterfragung gerät der Anspruch einer Moral ins Schwanken. Kein Wunder, die Dialektik des richtigen Handelns wird dann zur Gratwanderung, obwohl eine Allgemeingültigkeit stets die Oberhand gewinnen wird, will die Menschheit nicht in totale Anarchie verfallen. Mit anderen Worten, Moral orientiert sich natürlich an der Mehrheit, bzw. was die meisten Menschen in sie hineininterpretieren.

In sofern können wir ruhig von einer wandelbaren Moral sprechen, sie ist eben nicht exakt zu definieren, ordnet sich unter im Tagesgeschehen. Der Zerfall ihrer selbst offenbart sich dennoch, wenn wir mit Schrecken die Gleichgültigkeit, das Leid beobachten, was Menschen sich antun. Dabei sind es nicht nur die grauenvollen, physischen Gewaltakte wie die zunehmenden Terroranschläge, die weltweiten Kriege, die ewige Hungersnot, sondern auch die Art der Kommunikation untereinander bis hin zum Schweigen, was diese Entwicklung mit sich bringt.

Assoziationen der Gegenwart im Hinblick menschlicher Grenzen

Betrachten wir unsere Welt für einen Augenblick völlig wertfrei, ohne moralischen Zeigefinger, in dem wir die Bilder und Töne nur faktisch registrieren. Was stellen wir fest? Wunderbar herausgearbeitet der Blick auf zwei Welten in Frank Schätzings Der Schwarm, deren Grenze nicht schärfer sein könnte, schrankenlos zollfrei und dennoch so gravierend unterschiedlich, wobei die Unterwasserwelt die größere und vor allem als die leisere sich gestaltet. Auf der Landoberfläche ein stetiger Wandel im Getümmel menschlicher Urbanisierung, Industrialisierung, Kriegszerstörung, manchmal erschüttert mittels Naturkatastrophen. Letztere und der Müll der sogenannten Zivilisation auch die Welt der Meere taxieren, doch diese vielfach unberührt bleibt, eben weil Mensch selbst dort unten nicht „hausen“ kann.

Müssen wir davon ausgehen, an unsere Grenzen zu stoßen, die wir längst überschritten haben, der Blick ins All mit seinen noch einfachen, technischen Möglichkeiten darauf beschränkt, ein verzweifelter Versuch ungeklärt gelassener Probleme als wage Chance, ihnen entrinnen zu können? Ein Trugschluß, vergleichbar mit den Ratten, die das sinkende Schiff verlassen. Es gilt, Verantwortung zu zeigen und vor allem zu leben, allem gegenüber, weil nur diese eine Welt uns gegeben wurde als Ort der Liebe im Zusammenleben, ohne Haß, ohne eine selbstgefällige Moral.

Humanität läßt sich nicht verordnen, entweder man praktiziert sie aus Überzeugung auf allen Ebenen oder manche machen sich und anderen etwas vor, worunter deren Mitmenschen dann zu leiden haben.

Lotar Martin Kamm

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Eine Antwort zu Welt der Superlative – Menschlichkeit bleibt auf der Strecke

  1. Sabine Adameit schreibt:

    Wenn Moral ihre Empathie verliert, dann stirbt sie.

    Gefällt 2 Personen

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