Fluchen wie ein Kesselflicker


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Flehentliche Blicke gen Gottes Himmel?

Himmelherrschaftszeiten, gottverdammt, ach du heiliger Bimbam, Herrgott nochmal, Heilandsackrament, Herrgottsackrament in drei Teufelsnamen, Heiligsblechle, Jessesmaria, Kruzifix, mein Gott, sind Flüche, die in Bezug zur Religion oder Glauben stehen, jedenfalls beziehen sie sich in irgendeiner Form bei den Begriffen auf Wörter, die eigentlich nicht zum Fluchen geeignet sein dürften, will man „das Göttliche“ nicht verunglimpfen. Dennoch sind sie ein Bestandteil der Ausdrücke, die über die Lippen flutschen, wenn man sich über etwas erregt. Die oben genannten Flüche sind nur eine Auswahl aus dieser Kategorie.

Wer jetzt denkt, daß Fluchen so einfach ist, der irrt. Nicht jedem ist es gegeben, so gottverdammt gut zu sein, sein empfundenes Mißgeschick oder was auch immer der Grund für den verbalen Ausbruch seiner Empfindungen sein mag, daß man fast schon gewillt ist, mehr von dem Fluchausbruch zu hören. Tatsache ist, Fluchen will gelernt sein. Fluchen wie der Bürstenbinder oder wie der Kesselflicker ist nicht so einfach, denn es kommt nicht nur auf die emotionale Charakteristik an, sondern auch auf die „theatralische“ Ausdruckform der zur Verwendung kommenden Flüche.

Fluchen aus dem Mittelhochdeutschen vluochen, Althochdeutschen fluohhön, bedeutete mit der Hand auf die Brust schlagen (auch im Sinne einer Verfluchung), im Altenglischen flōcan, schlagen, das steht jedenfalls im Duden. Andere Erklärungen beziehen sich bei der Wortherkunft auf flëhan, flehen, die Begründung dafür lautet flehen, etwas erbitten, wünschen stehe im engeren Verwandtschaftsverhältnis mit fluchen, da gerade das Verwünschen ein Bestandteil des Fluchens ist.

Mein Gott, wo ist das Problem? Dann schlagen wir halt die Hand auf die Brust und flehen, daß in drei Teufelsnamen der Daumen nicht blau anläuft und verfluchen gleichzeitig den gottverdammten Hammer. So einfach ist das!

Die „neuzeitlich“ bekannteste Figur, die das Fluchen sozusagen salonfähig gemacht haben dürfte, ist wohl Kapitän Haddock aus „Tim und Struppi“. Nicht auszudenken, wäre eine Folge dieser beliebten Comic-Serie ohne das Fluchen von Kapitän Haddock erschienen, Heilandsackrament, das hätte Ärger gegeben, vielleicht sogar regelrechte Aufstände.

Warum die Angewohnheit oder die Bezugnahme auf „religiöse Namen“ beim Fluchen vorkommt, erscheint leichter erklärbar zu sein, wenn wir davon ausgehen, daß Fluchen eher von dem Wort flehen abstammt. Herrgott nochmal ist doch völlig eindeutig!

Das Wort sapperlot ist nicht mehr so sehr geläufig, bedeutet aber eigentlich: in Gottes Namen. Sapperlot, eigentlich sackerlot, wurde durch das Französische sacre nom (de Dieu), heiliger Name von Gott oder Gottes, in den deutschen Sprachgebrauch übernommen.

Sapperlot eignet sich vorzüglich für Ihr Repertoire, ohne gleichzeitig auffällig zu werden, daß Sie Ihren Fluch mit Gottes Namen verstärkt haben.

Doris Mock-Kamm

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2 Antworten zu Fluchen wie ein Kesselflicker

  1. Arno von Rosen schreibt:

    Tausend jaulende und heulende Höllenhunde, ist dieser Beitrag bunt. Nur die Franzosen kauderwelschten wie die Patagonier 😀

    Gefällt 3 Personen

  2. Auberge Keur Diame schreibt:

    Potz Deubel komm raus! Ein interessanter Beitrag!

    Gefällt 2 Personen

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